Wieder Zeit zu fringsen?

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Hartz IV
© Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Nun ist es angekündigt: die Hartz IV-Sätze sollen um ganze 5,- EUR angehoben werden. So hat es Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vorgeschlagen und so wurde von den Spitzen von Union und FDP zugestimmt.

Weiterhin wird darauf abgezielt dass Arbeitslose vor allem Arbeit aufnehmen sollen. Nur welche Arbeit? De facto gibt es absolut nicht genügend Arbeitsstellen im Vergleich zu den Arbeitssuchenden.

Zur Zeit bejubelten sich die Politiker gegenseitig damit, dass die Arbeitslosenzahlen sinken würden. Nur die Empfänger von Hartz IV-Leistungen sinken nicht entsprechend, weil immer mehr Arbeitnehmer nicht von ihrem Lohn leben können und Aufstockung durch Leistungen von Hartz IV benötigen. Arbeit, die den Arbeiter nicht ernährt ist gesellschaftlich aber eine Lüge, ein Betrug an ehrlich arbeitenden Menschen. Was gibt es da zu jubeln, frage ich mich?

Da erinnere ich mich an Kardinal Frings aus Köln.
Der hat am 31. Dezember 1946 in der Silvesterpredigt (in der St. Engelbert Kirche in Köln-Riehl), angesichts der hohen Not der Menschen und dem harten Winter, folgendes gesagt:
„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann. Aber ich glaube, dass in vielen Fällen weit darüber hinausgegangen worden ist. Und da gibt es nur einen Weg: unverzüglich unrechtes Gut zurückgeben, sonst gibt es keine Verzeihung bei Gott.“

Daher stammt der Ausdruck „fringsen“ als Synonym für Mundraub. Dieser aber eben mit kirchlichem Segen.

Bisher vertrete ich den Standpunkt, dass ein bekennender Christ z.B. keine Schwarzarbeit ausüben darf, weil dies ein Steuerbetrug ist. Angesichts der Tatsache, dass wir in unserem Land seit langen Jahren eine zunehmende Diskriminierung von Arbeitslosen und eine klare Bevorzugung der Reichen erleben, weiß ich nicht mehr ob ich als Christ z.B. Schwarzarbeit zum Zwecke der Erhaltung lebenswürdiger Umstände weiterhin ablehnen kann. Ich neige mehr und mehr dazu Kardinal Frings zuzustimmen. Wenn der Staat nicht wirklich für die Armen sorgt, müssen dann nicht die Armen für sich selbst sorgen?

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6 Gedanken zu „Wieder Zeit zu fringsen?“

  1. Mit der Schwarzarbeit sehe ich das aktuell noch anders. Ist illegal und ich würde dazu nicht ermuntern.
    Aber etwas anderes könnte die Situation ergeben, wenn Hartz4-Empfänger hin und wieder etwas zugesteckt bekommen und dies nicht in jedem Einzelfall angeben.

    Denn faktisch kann es solche Situationen geben:
    Eine Alleinerziehende bekommt Hartz4, hat vielleicht noch Schulden von der gescheiterten Ehe oder muss Stromrechnungen nachzahlen usw.
    Sie hungert hin und wieder, um die Kosten für das Kind berappeln zu können. Wenn dann Nachbarn oder gar die christliche Gemeinde ihr immer wieder mit Nahrung oder Bargeld aushilft, dann müsste sie das eigentlich beim Amt angeben. Täte sie das, würde das von ihrem Hartz4-Satz abgezogen werden, mit der Folge, dass ihr nicht wirklich geholfen wäre.
    In solchen Fällen könnte ich mir vorstellen, dass die Betroffene ihrer Offenbarungspflicht nicht in jedem Fall nachkommt.
    Oder gibt es elegantere Wege?

    Gott ist mit Dir!

  2. Ein Fall aus meinem Bekanntenkreis:

    Rentnerin mit Grundsicherung.
    Tochter überweist vom eigenen Konto das Geld für das Heizöl, damit die Mutter nicht friert.

    Ein Beamter frägt irgendwann: „Wovon haben Sie das Öl gekauft?“ (im Unterton schwingt da mit: „Von uns bekommen sie ja nicht genug!“).

    Sie musste das Geld an das Amt abstottern.

  3. Pingback: 5,- € und Mathe « berlinjc
  4. Eins noch… ich finde es grundsätzlich richtig, dass wir Christen bei solchen Taten/Gedanken mitmischen und unseren Senf dazu geben… sozusagen im Namen derjenigen, die kaum eine Lobby haben.
    Dennoch:
    Ohne das jetzt als „Gesetz“ zu formulieren, wäre für den einzelnen Christen die Frage, inwieweit er manch strukturelles Unrecht dulden würde und lieber in der Armut auf Gott vertrauen würde statt den Staat mit seinen Normen zu hintergehen…

  5. Hallo Dirk,

    lieber in der Armut auf Gott vertrauen ist ein Ziel, dass man empfehlen und vorleben kann. Doch kann einem das Vertrauen auch schon mal allein daran vergehen, wenn man als Bedürftiger erleben muss, wieviel mangelnde Barmherzigkeit unter den Christen zum Teil herrscht.

    Gott hat die Gemeinde beauftragt, sich um Arme und Bedürftige zu kümmern. Doch tut sie das? Tut sie das so wie es Paulus an die Galater schrieb:
    Galater 6:7 Irrt euch nicht, Gott läßt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten. 8 Denn wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. 9 Laßt uns aber im Gutestun nicht müde werden! Denn zur bestimmten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. 10 Laßt uns also nun, wie wir Gelegenheit haben, allen gegenüber das Gute wirken, am meisten aber gegenüber den Hausgenossen des Glaubens!

    Wir können unsere Augen auch nicht davor verschließen, dass der Staat durch seine Regelungen den Armen zum Teil wieder abzieht, was andere ihnen Gutes tun wollten. Guido berichtet ja ein Beispiel in seinem Kommentar. Ich kenne weitere solcher Beispiele. Man muss teilweise recht kreativ werden um Menschen, die von Hartz IV oder Grundrente leben, auch mal etwas Gutes tun zu können.

    Gerade darum erinnere ich mich an Kardinal Frings und frage mich, in wie weit wir wieder als Gemeinde vor solchen Zuständen stehen.

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