Respekt

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Respekt
… scheint etwas zu sein, was wieder einer neuen Beachtung wert ist. War früher dieser Begriff hauptsächlich mit Angst verbunden und dem unterwerfen unter höhergestellten Personen der Gesellschaft, hat sich das Verständnis in den heutigen Tagen geändert. Eine einheitliche Definition ist aber nicht vorhanden.

1977 beschrieb der amerikanische Philosoph Stephen L. Darwall in einem Aufsatz zwei Arten von Respekt: den wertschätzenden und den anerkennenden Respekt. Seine Definition wurde seither von anderen übernommen. Die Forscher der Hamburger RespectResearchGroup nennen diese zwei Respektformen zum einen den „horizontalen“ oder „anerkennenden Respekt“ und zum anderen den „vertikalen“ oder „bewertenden Respekt“. Beim „horizontalen Respekt“ muss eine Person nichts erfüllen oder leisten, damit sie respektiert wird. Hier wird dem gegenüber also Respekt allein aufgrund der Tatsache erweisen, dass es existiert. Jedem Menschen oder Lebewesen wird damit eine Achtung gewährt, die auf der Würde des Individuums erbracht werden sollte. Beim „vertikalen Respekt“ handelt es sich um einen verdienten Respekt, den man sich durch sein Verhalten oder seine Leistungen erworben hat. „Respekt“ weiterlesen

wer bin ich?

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1 Mose 2:7 da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele. (Rev. Elb.)

Was ist das: „Seele“? Diese Frage bewegt die Menschheit schon lange. Denn damit ist unmittelbar die Frage: „Wer bin Ich?“ gekoppelt. Wie sicher ist unser Erleben des eigenen Ich und wie stark ist es durch äußere Einflüsse geprägt. Bin ich Ich oder bin ich das was Andere mir vermitteln, wer ich sei oder sein sollte?

Schnell wird klar, dass wir unser Selbstbewusstsein und damit verbunden unseren Selbstwert praktisch immer in einer Interaktion – in Bezug auf oder im Vergleich mit – bilden. „wer bin ich?“ weiterlesen

Macht der Worte

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Immer wieder trifft man unter Christen auf sehr eigentümliche Lehren über die angebliche Macht der Worte. Unserem Reden wird hier eine mystische Macht zugesprochen. Es wird behauptet dass alleine das Aussprechen von Worten in sich bereits eine kreative Macht hätte.
Aber auch in der Auslegung des Bibeltext im Jakobus 3 schleichen sich oft seltsam anmutende Lehren und Überzeugungen ein.

Was sagt die Bibel?
Bei der Fülle der unterschiedlichen Lehren werden auch eine Menge Bibelstellen als Beleg angeführt. Manches wirkt plausibel, aber ist das dann auch wirklich das, was uns die Bibel dazu sagt? „Macht der Worte“ weiterlesen

Einheit des Geistes

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Epheser 4:3 Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens (rev. Elb)

Eine gescheiterte Diskussion

In einem Blog-Artikel fand ich eine Warnung vor falscher Einheit unter Christen, insbesondere unter Christen die den Weg der einfachen Gemeinde leben wollen. Der Autor wies darauf hin, wie wichtig es für uns Christen ist, die Einheit des Geistes zu bewahren und uns nicht in einer menschlichen Einheit zu verfangen. Es gäbe für Gläubige Christen nur eine Quelle echter Einheit, welche der Hlg Geist sei, der uns eins machen wolle.

Als Kennzeichen der wahren Einheit des Geistes erwähnte er zunächst den bleibenden Frieden der Gegenwart Gottes unter uns und als zweites die Liebe, die unter uns ausgedrückt würde. Dazu der folgende Bibelvers:

Kolosser 3:14 Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist! 15 Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib! Und seid dankbar! (rev. Elb)

Er warnte dann konkret davor eine Einheit in folgenden Punkten zu finden oder zu leben:

  • Einheit darin gegen etwas zu sein

  • Einheit eine bestimmten Person (Lehrer oder Prophet etc.) zu favorisieren

  • Einheit in einer bestimmten Lehrausrichtung

  • Einheit in der Religion nicht religiös sein zu wollen

Sicherlich ist bei den angeführten Punkten durchaus zu überdenken, ob diese Einheit dem entspricht, wenn die Bibel von der Einheit des Geistes redet. Diese Gedanken sind es wert durchdacht zu werden, wie ich finde.

Ich versuchte den Schreiber darauf hinzuweisen, dass praktisch alle die Gruppen, die er aufgezählt hat meiner Ansicht nach für Christen in bestimmten Lebenssituationen sehr wichtig sein können und dass ich darin noch nicht eine falsche Einheit erkennen kann. Ich betrachte solche Einheitsbildungen als vorübergehende heilsame Begegnungen, die Menschen in bestimmten Lebenssituationen den Halt geben können, den sie gerade brauchen. Erst wenn diese Einheit zu einem Selbstzweck pervertiert sehe ich darin eine Gefahr.

Ich frage auch weiter, ob er denn die „Einheit des Geistes“ einmal genauer definieren könne, denn darum geht es ihm ja schließlich.

Es entstand eine kurze Diskussion, in der wir nicht zu einer gemeinsamen Sicht oder zumindest einem Kompromiss finden konnten. Meine Anmerkungen verwarf er und meine Frage konnte er nicht wirklich beantworten – er berief sich auf die zwei von ihm bereits angeführten Punkte. Als ich ihm erwiderte, dass wohl fast Jeder, der in einer solchen Gruppe ist vor der er gewarnt hat, ihm bezeugen würde, dass sie eben diese zwei Punkte unter sich erleben, beendete er unsere Diskussion und löschte meine Beiträge in seinem Blog.

Bis hierhin noch nichts wirklich erwähnenswertes, wenn auch bedauerlich dass eine interessante und unter Umständen bereichernde Diskussion über ein nicht unwichtiges Thema abgebrochen wurde. Die darauf folgenden Beiträge waren jedoch sehr interessant. Es wurde von anderen Erleichterung bekundet, dass diese „unangenehme Diskussion“ beendet worden sei und ein Mitdiskutierender bekundete mit einem „Hurra“ das meine Beiträge gelöscht seien und sie nun „ endlich in der Einheit des Geistes“ und in Ruhe diese „wichtige Botschaft“ betrachten könnten.

Das also soll nun die „Einheit des Geistes“ sein? Unliebsame Stimmen mundtot zu machen und hinterfragende Beiträge zu entfernen? Ganz sicher nicht. Ist ein solches Verhalten letztlich nichts anderes als das was hier als falsche Einheit angeprangert wurde.

Auch wenn wir hier ein eher trauriges Beispiel von Einheitssuche haben, so bleibt die Frage doch, was die echte Einheit des Geistes oder auch Einheit im Glauben denn nun tatsächlich ist oder wie diese erkennbar sei. Die zwei oben angeführten Punkte sind hier wohl eher nicht ausreichend um uns einen sicheren Indikator zu geben.

Die Einheit des Geistes

Epheser 4:3 Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens: 4 Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen worden seid in einer Hoffnung eurer Berufung! 5 Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, 6 ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist. (rev. Elb)

Epheser 4:13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. (rev. Elb)

Es ist immer gut, wenn wir auch solche Begriffe wie „Einheit des Geistes“ im Kontext der Bibel betrachten. So sehen wir, dass Paulus im Epheserbrief keineswegs eine schwammige Formulierung der Einheit des Geistes gefunden hat. Er zeigt in den folgenden Versen auf, dass diese sich in der Hinzufügung zum Leib Christi durch den Hlg. Geist, der Berufung durch Gott hierzu in der einen Hoffnung, in einem Herrn, einem Glauben, eine Taufe und ein Gott und Vater aller ausdrückt. Also in dem, dass wir darin übereinstimmen dem einen Gott durch die von ihm gegebene Erlösung zu folgen und sich anderen religiösen Überzeugungen zu enthalten. Damals wie Heute gab es eine Unzahl anderer Götter und Lehren, die angeboten wurden – die Einheit des Geistes oder die Einheit des Glaubens manifestiert sich laut Paulus nun in diesen grundlegenden Punkten.

Wie wir sehen können, ist das weitaus klarer definiert als zwei eher schwammige Ausdrücke menschlicher Emotionen. Laut dem Vers 13 ist diese Einheit offensichtlich etwas, in das wir hineinwachsen müssen und zu dem wir durchaus auch Menschen brauchen, die uns darin in Vorbild und Lehre vorangehen.

Einheit in einer Person, nicht in einer Überzeugung

Ich möchte noch einen Schritt weitergehen. Wenn wir von der „Einheit des Geistes“ reden, reden wir genau nicht von Überzeugungen, Lehrmeinungen oder ähnlichem. Wir reden hier von einer Person, genauer der Person Gottes geoffenbart im Hlg. Geist.

Wenn wir Einheit in Überzeugungen, Lehren oder ähnlichem finden, so ist diese Einheit normalerweise durch verschiedene Punkte klar zu umschreiben, abzugrenzen und zu definieren. Das ist der Fall, wenn wir uns den alten Bund und das Gesetz ansehen. Das Gesetz ist durch Moses ausformuliert worden und über Jahrhunderte hinweg wurde es diskutiert und ausgelegt, beschrieben und überdacht. Diese Einheit aber, die die Menschen darin finden konnten, bracht keine Erlösung, keinen Frieden mit Gott – laut Paulus machte das Gesetz erst die Sünde offenbar von der wir die Erlösung bedürfen. So ähnlich verhält es sich, wenn wir Einheit in Überzeugungen und Lehrmeinungen etc. suchen wollen.

Die Einheit des Geistes hingegen verweist uns auf die Person Gottes und nicht auf ein niedergeschriebenes Gesetz. Gott als Person, in der Art, wie er sich uns individuell offenbart und zuwendet, wie er uns in unserem Leben begleitet, ist nicht in Sätzen festzuhalten, nicht in ausformulierbaren Überzeugungen. Es bleibt unbenommen, dass diese Person Gott sich im Wort Gottes offenbart und darstellt. Nur bleibt auch, dass nicht die Bibel Gott ist, sondern lediglich von unserem Gott berichtet und ihn und seinen Umgang mit den Menschen beschreibt.

So ist die „Einheit des Geistes“ eher damit zu beschreiben, dass wir uns in dem einen Gott treffen, in der Begegnung und Erfahrung mit diesem Gott. Gott ist es, der der Maßstab der Einheit ist, nicht Meinungen oder Überzeugungen. Die Einheit des Geistes ist also nicht darin zu finden, dass wir in einzelnen Punkten darin übereinkommen etwas als Richtig und Gut zu betrachten. Eher finden wir uns in unserer Unterschiedlichkeit und der Unterschiedlichkeit unserer Überzeugungen in dem einen Gott wieder, der uns aus der Sünde erlöst hat. Der Frieden des Christus und die Liebe sind also das Ergebnis davon, dass wir gemeinsam erleben in Gott angenommen, wertgeschätzt und geliebt zu sein.

Kolosser 3:14 Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist! 15 Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib! Und seid dankbar! (rev. Elb)

Gott ist in seiner Person nicht willkürlich oder für jeden anders. Gott wechselt seine Werte nicht und ist greifbar und erkennbar als Person.

Jakobus 1:17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten. (rev. Elb)

Gott ist nicht widersprüchlich und unberechenbar – er ist aber viel größer, als es unser menschlicher Verstand jemals zu ergreifen vermag. So ist also Gott, in der Person die er ist, der sichere Ort, an dem wir zu einer Einheit finden können. Gott ist sicher und nicht lediglich ein weiterer Punkt der Unsicherheit in unserem Leben. Sehr wichtig ist darin die Aussage des Paulus:

Römer 8:31 Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns?…

35 Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?… 38 Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, 39 weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (rev. Elb)

Diese absolute Zusage der Liebe Gottes an uns gibt uns den Punkt, an dem wir echte Einheit finden können. Einheit die verbindet und Sicherheit gibt. Keine schwammige Einheit, keine Einheit die durch Abwesenheit oder Entfernung störender Meinungen und Menschen erlangt wird. Eine Einheit die über alle Unterschiedlichkeit von uns hinausgeht, die es uns ermöglicht uns in unserer Unterschiedlichkeit zu ertragen und zu tragen. Die Einheit des Geistes gipfelt und fusst in der gemeinsamen Erfahrung so über die Maßen geliebt zu sein, wie wir sind und nicht erst wenn wir einen bestimmten Stand erarbeitet und erreicht haben.

Diese Einheit des Geistes ist es wahrlich wert gesucht zu werden. Daher:

Epheser 4:3 Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens…

Kolosser 3:14 Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist! 15 Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib! Und seid dankbar! (rev. Elb)

Vergebung und Versöhnung

Lesezeit: 9 Minuten
Reue
© Lucie Gerhardt / pixelio.de

In einem Gespräch ging es darum, dass Jemand weiterhin Probleme hat, einem nahen Verwandten zu begegnen, ob wohl er, als gläubiger Christ, diesem längst vergeben hätte. was dieser früher einmal getan hat. Gemeinsam dachten wir darüber nach, welche Unterschiede es zwischen Vergebung und Versöhnung gibt.

 

Vergebung
Dieses Thema ist für viele ein echtes Problem. Jemanden vergeben, von dem man sehr verletzt wurde, ist garnicht so leicht. Schon deshalb nicht, weil der Begriff „Vergebung“ oft nicht klar definiert ist. Was also ist Vergebung?

Vergebung bezeichnet den Verzicht auf eine berechtigte Strafe. Das finden wir anschaulich in dem Gleichnis Jesu über den „Schalksknecht“ in Matth. 18:21-35 wieder. Dieses Gleichnis erwidert Jesus dem Petrus auf seine Frage, wie oft wir einem Bruder vergeben sollen.

Vergebung setzt also voraus, dass Jemand an einem anderen schuldig geworden ist. Derjenige, an dem dieser schuldig geworden ist, hat nun die Möglichkeit diese Schuld vorzuhalten und die Bezahlung der Schuld zu fordern – entweder durch eine materielle Erstattung oder durch eine Bestrafung des Schuldners – oder auf diese Bezahlung oder Strafe zu verzichten.

„Vergebung und Versöhnung“ weiterlesen

Unsere Wahrnehmung

Lesezeit: < 1 Minute

Ich habe mich schon mehrfach mit dem Thema Wahrnehmung unserer Umwelt beschäftigt und bin immer wieder neu erstaunt, wie unser Gehirn funktioniert.

Eben habe ich dazu einen Audiobeitrag über die Wahrnehmung aus dem hr2 Funkkolleg Psychologie gehört, der sehr interessant ist.

Nicht nur, dass wir eigentlich eine Art „Gefangene“ in unserem Körper sind und unsere Umwelt lediglich anhand der Signale deuten können, die unsere Wahrnehmungsorgane uns senden, es ist auch faszinierend mit welcher Geschwindigkeit und auf welche Art wir diese Signale verwerten.
Jegliche Wahrnehmung unserer Umwelt ist nur eine Deutung. Eine Deutung, die zum Teil aus eigenen Entwürfen besteht als auch auf Kompromissen beruht, die wir mit anderen Menschen getroffen haben. So ist der Umstand dass wir in etwa gleiche Lichtreflektionen einer Farbe zuordnen nicht etwa ein Fakt, sondern nur ein Deffinitionskompromiss. Was wir wirklich sehen, wenn wir zB die Farbe Blau sehen, bleibt weiterhin im Dunkeln unserer Wahrnehmung. Wir können technische Beschreibungen dazu liefern, nicht aber wirklich beschreiben, was jedes Individuum tatsächlich „sieht“, wenn es die empfangenen Signale interpretiert.

Unser Miteinander und unserer Kommunikation ist somit ein ewiges Spiel der Kompromisse und der Interpretationen unserer Sinne. Kein Wunder also, wenn dabei soviel schief laufen kann.

Bedürfnis nach Strukturen ist eine Ursache für Aberglauben

Lesezeit: 7 Minuten

Wie es Heute in div. Zeitungen zu lesen ist, haben Forscher von der Northwestern University in Evanston und der University of Texas in Austin im Fachmagazin «Science» (Bd. 322, S. 115) geschrieben, dass Kontrollverlust Menschen stark dazu neigen lässt Aberglauben und Verschwörungstheorien zu entwickeln. Menschen, die eine Situation nicht unter Kontrolle haben, tendieren dazu, überall Muster und Verbindungen zu sehen – selbst dort, wo es gar keine gibt.
Dahinter steckt ein grundlegendes psychologisches Bedürfnis nach klaren Strukturen im persönlichen Umfeld, das so stark ist, dass das Gehirn lieber eine eingebildete Struktur schafft, als sich mit der fehlenden Ordnung abzufinden.
Allerdings gibt es einen Weg, diese verzerrte Wahrnehmung auch unter schwierigen Bedingungen wieder zu korrigieren: Man müsse sich lediglich auf grundlegende persönliche Werte konzentrieren, um das Gefühl des Kontrollverlusts einzudämmen

Falsche Strukturwahrnehmung und Verschwörungstheorien unter Christen
Wer sich unter uns Christen umschaut, findet eine enorme Anzahl solcher verzerrten Sichtweisen. Seien es die Verschwörungstheoretiker, die überall geheime Mächte am Werk sehen, seien es schlicht solche Lehren, die Gesetze und Gesetzmäßigkeiten suchen, wo Gott ganz bewusst keine gegeben hat.

Über die vielen Seiten im Internet, wo wir die abenteuerlichsten Behauptungen finden, wo der Feind unter uns Christen tätig sei oder gar Christen aufgrund zufälliger Handzeichen als Satanisten gekennzeichnet seien, etc., will ich garnicht reden. Das ist einfach zu abstrus, zu kurios. Aber immerhin kann uns diese Erkenntnis der Forscher eine Ahnung geben, was Christen dazu verleitet Mitchristen gar als dem Satan Anheim gefallene zu bezeichnen. Evtl. liegt das garnicht an diesen „bösen Christen“ sondern schlicht an der starken Unsicherheit derer, die solche Theorien vertreten, gegenüber denen, die freier zu leben scheinen wie sie.

Vielmehr möchte ich darüber nachdenken, was uns dazu bewegt, aus dem Leben mit Gott ein Leben unter Gesetzen und straffen Strukturen zu machen. Auch hier gibt es grob gesagt zwei Gruppen:
– die einen leben ein Glaubensleben, dass mit tausenden Verboten befrachtet ist und unter der beständigen Angst in Sünde zu fallen
– die anderen suchen zB in der Frage der körperlichen Heilung nach solchen Gesetzen und Gesetzmäßigkeiten. Auch in der Frage was zB unbedingt dazugehören muss, damit ein Treffen von Christen zu einem Gottesdienst wird. etc.

Gott gibt uns an vielen Punkten keine Strukturen
In der Beschäftigung mit unserem Gott habe ich mehr und mehr festgestellt, dass Gott selbst garnicht so strukturorientiert ist, wie wir Christen es allgemein annehmen. Ganz das Gegenteil scheint oft der Fall zu sein. So ist zB der Glaube nichts, was sich in Regeln und Strukturen packen lässt, denn biblischer Glaube ist schlichtes Vertrauen zu Gott – nicht mehr und nicht weniger. Glaube ist keine fromme Fähigkeit, durch deren Erlangen wir in die Lage kommen div. Glaubenserfahrungen zu machen. Man kann keine Heilung „herbeiglauben“, auch kein Wunder oder sonstiges, was wir gerne von Gott haben wollen. Denn Gott präsentiert sich uns hier als der Gott, der ER ist und fordert uns auf, IHM zu vertrauen. Mit nichts lässt ER sich manipulieren und sein souveränes Handeln ist nichts, was uns als selbst zu verwaltender „Schatz“ zur Verfügung steht. Auch wenn Vertrauen in sich selbst erkennbar und beschreibbar ist, bleibt Vertrauen individuell und muss erlebt, erfahren werden. Vertrauen kann man nur bedingt trainieren – wenn, dann auch nur zwischen dem der Vertrauen lernen will und dem, dem das Vertrauen gelten soll. (Den Bereich des Urvertrauens und dem Vertrauen auf sich selbst, etc. klammer ich hier i.M. bewusst aus, weil es mir hier um unser Verhältnis zu Gott und dem Leben daraus geht)

Gott gibt uns in vielem nichts, was wir durch eigene Leistung aktivieren könnten, auch eigentlich nichts, was wir durch unseren Lebensstil selbst erwerben könnten. Das ist eben das Wesen von Gnade: es kann darin nichts verdient werden. Hier ist auch unser grundsätzliches Verständnis von den Verheißungen Gottes hinterfragt. Verheißungen Gottes sind keine Automatismen, sondern Ergebnisse, die aus dem erfahren Gottes kommen – aus Seiner Persönlichkeit und nicht losgelöst von IHM.

Gott ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit.
Auch wenn Gott uns wenig solcher Strukturvorgaben vorgibt, ist ER doch in sich, in Seinem Wesen, Charakter und Seiner Haltung unwandelbar. ER ist wer ER ist – Gestern, Heute und in alle Ewigkeiten. Das bedeutet, dass wir unsere Hoffnung auf IHN selbst richten können / sollten und nicht auf seine Gaben oder etwas Anderem. ER ist in Seiner Haltung uns gegenüber die Sicherheit, nach der wir suchen. ER lädt uns nicht ein unser Leben unter unserer Kontrolle zu haben, sondern ER lädt uns ein unser Leben unter Seine Kontrolle zu stellen. Das bedeutet im konkreten Fall einer Lebenssituation, die uns verunsichert, dass wir unseren Halt in Gott suchen sollen und nicht in auch noch so fromm wirkenden eigenen Haltungen und Handlungen.

Wenn wir nun unsere Beziehung zu Gott aus diesem Aspekt betrachten, wirkt es geradezu kindlich naiv wenn wir uns durch Proklamationen und selbstsuggestiven Wiederholungen von „Glaubenssätzen“ damit beruhigen wollen, dass wir so etwas zu erlangen vermögen, was uns ansonsten unerreichbar erscheint. Stellen wir uns doch die einzelnen oder auch Gruppen von Christen vor, die „Glaubenssätze“ proklamierend und Schilder hochhaltend vor Gott hin und her marschieren, weil sie so meinen etwas von Gott zu bekommen. Vor unserem Gott, dessen Liebe und Zuwendung zu uns nicht zu übertreffen ist. Ist unser Gott ein Gott, der uns etwas vorenthält oder nur sehr schwer erreichbar machen will? Ist ER nicht vielmehr der Gott, der sein Liebstes – seinen eigenen Sohn – gegeben hat, damit wir wieder in Gemeinschaft mit IHM treten können?
Paulus hat es wunderbar in Worte gefasst:
Römer 8:31 Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? 32 Welcher sogar seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? 33 Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott, der sie rechtfertigt?
34 Wer will verdammen? Christus, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der uns auch vertritt? 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: «Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag, wir sind geachtet wie Schlachtschafe!» 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat! 38 Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unsrem Herrn!

(Schlachterübersetzung)

Worauf wir fokussiert sein sollten
Warum gibt uns Gott nicht solche Lebensmuster in Strukturen und Gesetzen vor? Warum legt ER uns nicht Handlungsanweisungen vor, wie wir in ein paar einfachen Schritten selber das erwirken können, was wir uns so wünschen?
Es geht um unseren Fokus – das worauf wir uns konzentrieren und ausrichten. Es geht um die Frage worum wir uns in unserem Leben drehen: um das Vergängliche oder um das Ewige / um diese Welt oder Gott.

Wenn wir die Heilung körperlicher Krankheiten als Beispiel nehmen: unser Körper, indem wir jetzt noch leben, gehört zu dem Vergänglichen dieser Welt. Wiewohl wir bereits an Geist und Seele erneuert wurden ist unser Körper noch nicht von Gott erneuert worden. Im 2.Kor. 5 spricht Paulus über den himmlischen, unvergänglichen, ewigen Leib, den wir dereinst bekommen werden, wenn wir diese Welt verlassen um bei Gott zu sein. Diese Zusage ist die Zusage der absoluten Heilung aller körperlichen Gebrechen und Krankheiten – dereinst dann, wenn wir bei IHM sind. Und so sind auch alle Heilungszusagen im Wort zu verstehen: alle Heilungen von körperlichen Krankheiten, die wir hier bereits erleben, sind nur ein Angeld, eine Vorschau auf das, was uns erwartet. Es gibt keine 100%ige Heilungszusage Gottes bei körperlichen Krankheiten für Christen, für die Zeit in der wir in dieser Welt leben. Erst durch den Übergang in Gottes ewige Welt werden wir diese absolute Heilung erhalten. (Beachten wir, dass nicht einmal alle Bibelstellen, in denen uns Heilung verheißen wird, tatsächlich die körperliche Heilung meinen. Nicht selten wird Heilung hier als Heilung/Erlösung von der Sünde verstanden.)

Aber warum nicht? Sollte es Gott ein Problem sein unsere Körper zu heilen und uns anhaltende Gesundheit zu schenken? Nein, sicherlich nicht. Es geht um unseren Fokus, um unsere Ausrichtung.
Es gibt wenig, was Christen so dazu verleitet den Blick von Gottes Ewigkeit auf die Vergänglichkeit zu lenken, wie körperliche Krankheiten und der drohende Tod. Gerade deshalb wirft uns Gott hier auf den Glauben (welcher ein Vertrauen ist und kein geistliches Gesetz), auf das Vertrauen zu IHM. Letztlich darf der Zustand dieses vergänglichen Körpers nicht weiter ausschlaggebend für unseren Glauben sein.
Trotzdem können und werden wir in vielen Fällen durch unsere vertraute Zuwendung zu Gott Besserung oder auch partielle Heilung erleben – weil es dem Wesen Gottes entspricht uns Gutes zu tun. Nicht weil wir irgendeinen Anspruch darauf hätten oder uns Heilung „im Glauben erkämpfen“ müssten – sondern schlicht weil ER uns liebt. So liegt es auch alleine in Seiner souveränen Entscheidung ob und wann ER uns Heilung unserer Körper schenkt oder nicht. Heilung unserer vergänglichen Körper hat lange nicht denselben Stellenwert wie es zB die Erlösung von den Sünden hat. Die Erlösung von den Sünden gilt uns, wenn wir sie annehmen, hier und jetzt im vollen Umfang. Diese Erfahrung dessen ist kein Angeld auf Kommendes, sondern die Grundlage unseres Lebens mit Gott. Heilung bei körperlichen Krankheiten hingegen ist etwas, was uns auch ausreichend dereinst in der Ewigkeit geschenkt werden kann. Ein Kranker erlöster Mensch ererbt das Heil und ewiges Leben genauso wie ein gesunder erlöster Mensch – da gibt es keinen Unterschied. Ist der Mensch aber nicht von der Sünde erlöst ist es für die Ewigkeit schlichtweg völlig egal, ob er am Körper krank oder gesund ist.

An diesem Beispiel können wir sehen, dass die Konzentration auf das Vergängliche uns unsere gute Sicht des Ewigen berauben kann. Das ist bei fast allen Strukturen, Gesetzen und selbst Erarbeitbaren so. Das Erlangen dieser Dinge selbst, wird zum Zentrum unseres Streben und Denken – nicht länger Gott, der dahinter mehr und mehr als reiner Ausrüster aus dem Fokus verschwindet. Als Jünger Jesu zu leben bedeutet mehr und mehr zu lernen unseren Blick auf Gott als der Ewige zu richten, auf IHN zu schauen und aus IHM alle Hoffnung zu schöpfen und in IHM allen Halt zu finden, wenn unser Leben unseren Händen entgleitet. Erleben wir Kontrollverlust sollte unser Blick zu Gott gehen, unsere Erwartung auf IHN gerichtet sein und nicht länger auf unseren, wenn auch noch so frommen, Fähigkeiten. Das bedeutet nicht dass wir einen Fatalismus verfallen, das wäre wieder nur völlig falsch verstanden. Wer auf Gott so zu schauen gelernt hat, wird nicht untätig bleiben und wird mehr und mehr sein Leben zu gestalten wissen.

Ein reifer Jünger zu sein bedeutet nicht alle möglichen Strategien zu kennen, wie man sich etwas fromm erarbeiten kann, sondern wie es Johannes im 1.Joh. 2:13+14 schreibt: Ich schreibe euch, Väter, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist…. (Rev. Elberfelder)

Ein letzter Gedanke: Jünger zu trainieren bedeutet demzufolge auch nicht in erster Priorität jede Menge Wissen zu vermitteln, sondern den Jüngern die Liebe und das Wesen Gottes zu vermitteln, ihnen dabei zu helfen Gott selbst zu erfahren. Die Liebe, die solche Jünger dann treibt, treibt sie ganz von selbst dazu, mehr über den zu erfahren, dem ihre Liebe gilt.

10/08

Hemmnisse beim Start von einfachen Gemeinden

Lesezeit: 7 Minuten

In Gesprächen mit Christen, die über Hausgemeinden nachdenken, stelle ich immer wieder fest, dass oft sehr simple Dinge einem Start einer einfachen Gemeinde oder Hausgemeinde im Wege stehen. Oft sind es nicht einmal theologische Bedenken, die die Gründung verhindert.
Hier ein paar Beispiele die genannt wurden:

Das Haus öffnen
Tatsächlich ist der Gedanke, einfach einmal ein paar Bekannte (ob nun Christen oder Nichtchristen) zu einem Essen einzuladen oder dies gar regelmäßig zu tun, für Manche eine fast unüberwindliche Hürde. Nicht dass sie das nicht tun wollten oder es nicht zu genießen wüssten, wenn sie eingeladen werden. Nein, wenn sie selber die Einladenden sein sollen, steht ihnen ihr eigener Sinn für (ihre Vorstellung) von Gastfreundschaft im Wege. Für Manche bedeutet eine Einladung an zwei, drei andere zu einem gemeinsamen Abendbrot, ein Planungs- und Arbeitsaufwand von mehreren Tagen. Sie haben es nie gelernt entspannt und flexibel ihr Haus für Besucher zu öffnen.
Meine Empfehlung:
Wagen sie den Sprung ins kalte Wasser. Evtl. gemeinsam mit einem anderen Christen zusammen. Entlassen sie sich selbst aus der Hauptverantwortung und geben sie Gott und ihren Gästen die Möglichkeit an solchen Abenden gestalterisch mit tätig zu sein. Fragen sie nach, ob der eine oder andere Gast auch etwas zu dem Essen beitragen will, ob Jemand beim Abwasch helfen möchte, etc. IdR sind die meisten gerne bereit etwas beizutragen, ja so manchen entlastet das auch von dem schlechten Gewissen, es sich auf Kosten des Gastgebers gemütlich gemacht zu haben.
Gerade die Treffen der einfachen Gemeinde sollen durch die gemeinsame Gestaltung geprägt werden. Das beschränkt sich nicht alleine auf die Frage der geistlichen Dienste, sondern betrifft auch all das, was den Rahmen schafft.

Angst um bestehende Beziehungen
Ein solches regelmäßiges Treffen in den privaten Häusern wirkt auf Manche für ihre familiären Beziehungen bedrohlich. Wird das regelmäßige Zusammenkommen von Christen im eigenen Haus / in der eigenen Wohnung gewohnte Abläufe der Familie stören? Evtl. empfindlich in die Privatsphäre der Familienmitglieder einbrechen? Oder werden die Nachbarn sich daran stören?
Manche haben bereits zu zweit oder zu dritt solche regelmäßigen Treffen und scheuen nun davor zurück, diese auch für andere regelmäßig zu öffnen. Aus Angst davor, dass diese gewonnene Freundschaft darunter zerbrechen könnte oder sie dieser gewinnbringenden Treffen beraubt werden könnten.
Meine Empfehlung:
Wie so oft ist der beste Rat den ich hier geben kann, miteinander zu reden. Beziehen sie ihre Familie und Freunde in ihre Überlegungen und Planungen mit ein. Vereinbaren sie zunächst ein paar (zwei, drei) Probetreffen, um zu sehen wie es tatsächlich ist, wenn solche Treffen stattfinden.
Haben sie Angst darum, was ihre Nachbarn denken könnten, reden sie mit diesen. Evtl. laden sie sie sogar zu einem gemeinsamen Grillen oder ähnliches ein.
Vereinbaren sie mit ihrer Familie und Freunden, dass die bestehenden Beziehungen in der Priorität über diese Treffen stehen und dass Jeder zu Jederzeit evtl. Bedenken äußern darf.

Wie gestalten wir die Treffen?
Eine der häufigsten Fragen ist die Frage nach dem Programm des Treffens. Wie läuft soetwas ab? Wer gestaltet die einzelnen Programmpunkte? Was können wir selber tun und was dürfen wir überhaupt tun?
Meine Empfehlung:
Machen sie es so einfach wie möglich. Wagen sie das Experiment einfach mit einem gemütlichen Beisammensein beim Essen zu beginnen und fragen sie die Anwesenden, was sie an einem solchen Abend gerne gemeinsam tun möchten. Erwarten die Besucher tatsächlich ein Programm ähnlich wie in Sonntagsgottesdiensten? Fragen sie sich gemeinsam, ob Gott ihnen nur in solchen Programmen begegnen möchte. Oder könnte es sogar sein, dass Gott mehr Interesse daran hat, dass sie ihr Leben ein Stück weit miteinander teilen, resp. mitteilen? Gibt es Glaubensfragen, die Einzelne schon länger bewegen? Was hat der eine oder andere dazu zu sagen? Usw.
Denken sie auch darüber nach, ob tatsächlich der eine Punkt erst beendet werden muss, bevor der nächste beginnt. Also muss tatsächlich das gemeinsame Essen beendet und der Tisch abgeräumt sein, bevor sie über Glaubensfragen reden?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass selbst das regelmäßige Singen im Lobpreis und Gebet nicht mehr den Schwerpunkt hatte, wie es das normalerweise in Gottesdiensten hat. Das zu tun ist gut. Es dann zu tun, wenn wir es gemeinsam auch tun wollen ist weitaus gewinnbringender und mehr aus ehrlichen Herzen, als wenn es nur der übliche Programmpunkt ist.
Machen sie es sich zur Angewohnheit, dass Jeder, der zu den Treffen kommt, schon im Vorfeld darüber nachdenkt, was er beim Treffen beitragen könnte, etwas vorlesen könnte, eine Frage beisteuern könnte, etc.
Und nicht zuletzt: Trauen sie Gott zu, dass ER durch den Hlg. Geist gegenwärtig sein will und sich auch einbringen möchte. Das es Gott ist, der sie durch diese Abende führen wird.

Was tun, wenn sich Menschen bekehren?
„An wen vermittle ich denn diese Menschen, wenn sie sich tatsächlich bekehren sollten? Wer macht die Nacharbeit und führt sie weiter im Glauben?“ wurde ich gefragt. Hier spüre ich die Prägung der propgrammorientierten Gemeinden und Zweifel an der eigenen Kompetenz.
Meine Empfehlung:
Trauen sie sich selbst und Gott mehr zu! Heutzutage gibt es dermaßen viel Unterstützungsmaterial um Neubekehrte im Glauben weiterzuführen, dass sie das gut gemeinsam tun können. Sie brauchen keinen „Fachmann“. Und wenn doch, warum nicht dann und wann einen einladen? Hier möchte ich auf die apostolischen Dienste verweisen – also auf Diejenigen, die Gott in seinem Reich dazu ausgerüstet hat, auch anderen Gruppen und Gemeinden in bestimmten Dingen zu helfen und dort zu dienen.
Letztlich obliegt die Hauptverantwortung für jeden, der sich zu Gott bekehrt zunächst bei Gott. Wir sind immer nur Christen, die ihre Hilfe und Dienste anbieten können. Der Neubekehrte ist für sich vor Gott verantwortlich, ob und wie er sein Leben mit Gott gestaltet. Das ist auch in programmorientierten Gemeinden nicht anders.
Wenn die Neubekehrten nach anderen Gemeinden oder Programmen fragen, geben sie freimütig Antwort. Bieten sie evtl. sogar ihre Begleitung bei Besuchen anderer Gemeinden an. Vergessen sie nicht, kein Neubekehrter „gehört“ irgendeiner Gemeinde, jeder Christ gehört alleine nur Gott. Vertrauen sie auch hier Gott, dass er seine Kinder zu leiten weiß, sowohl die Neubekehrten wie auch sie, wenn sie konkret vor solchen Fragen stehen.

Wer trägt die Verantwortung?
Ganz schnell bekommen Manche die Frage, wer denn nun die Verantwortung tragen soll. Wer leitet dies alles und trägt die Verantwortung vor…ja wem eigentlich? Anderen Gemeinden oder Pastoren? Muss es einen Leiter geben, eine Art Pastor oder Ältesten?
Meine Empfehlung:
Brechen wir es einmal auf die Frage herunter, wer denn die Verantwortung tragen muss, wenn sie ein paar Freunde zu einem Geburtstagskaffee einladen? Brauchen sie hier einen Generalverantwortlichen oder ergibt sich soetwas nicht meist ganz von selbst?
Zunächst bleibt natürlich die einladende Familie oder Wohnungsinhaber verantwortlich, was eben die Verantwortungen eines Gastgebers betreffen. Diese können gerne zum Teil delegiert werden oder einfach auch von mehreren getragen werden.
Dann ist es eine ganz normale Entwicklung, dass sich mit der Zeit ganz von selbst herauskristallisieren wird, wer bei den Treffen der Gruppe leitend tätig ist und ob das von der Gruppe auch angenommen wird.
Einen Pastor brauchen sie nicht, und über die Frage von Ältesten können sie einmal nachdenken, wenn sich ihre Treffen verfestigt haben, ein reges Gemeindeleben stattfindet und sie anfangen sich mit anderen einfachen Gemeinden zu vernetzen. Bis dahin bleiben sie entspannt. Titel sind weitaus weniger wichtig. Wichtig ist, dass Gott unter ihnen die Gaben der Teilnehmenden einbringen und entwickeln kann.

Angst vor Aburteilung durch andere Christen
Was werden Christen aus anderen Gemeinden sagen, wenn wir anfangen uns zu treffen? Diese Frage ist leider berechtigt. Denn nicht selten werden einfache Gemeinden zunächst von Mitgliedern programmorientierten Gemeinden als minderwertige Treffen, wenn nicht gar völlig überflüssige Treffen angesehen. Das würde aber auch den meisten Neugründungen von üblichen Gemeinden so ergehen.
Die Treffen der einfachen Gemeinde werden anhand der Maßstäbe der programmorientierten und hierarchischen Gemeinden gemessen und werden nicht passen.
Meine Empfehlung:
Machen sie das Urteil anderer Christen nicht zum Maßstab dafür, ob sie sich mit einzelnen Anderen zum Austausch über Gott, gemeinsamen Gebet und gelebten Beziehungen treffen wollen. Achten sie darauf, dass sie ein offener Kreis bleiben und Niemand von irgendeiner anderen Gemeinde bewusst abgeworben wird. Wer kommen möchte sollte möglichst willkommen sein, wer nicht mehr kommen möchte sollte von ihnen mit Segen entlassen werden. Sollten sich tatsächlich Christen in ihren Treffen wohler fühlen als in einer programmorientierten Gemeinde, so machen sie sich bewusst, dass hier mündige Menschen eine eigene Entscheidung treffen. Lassen sie sich nicht einreden, sie wären damit ein „Schäfchendieb“.
Machen sie sich immer wieder bewusst, dass sie gemeinsam vor Gott kommen und dass es letztlich Gott sein sollte, der das letzte Wort darüber hat, wo und wie sich seine Kinder treffen können. Und sein Wort war und ist: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich mitten unter ihnen!“

Wir werden keine Glaubensthemen finden, über die wir sprechen können
Diese Befürchtung, keine Themen zu finden oder nicht auf Dauer genügen Programmvorgaben zu haben, hat man immer zunächst. Zumindest die meisten haben diese Bedenken. Eigentlich ist das eine Frucht daraus, dass wir Gemeindeleben mit der Absolvierung von vorgegebenen Programmen verbinden. So lernen wir es seit Jahrtausenden, so sind wir es gewohnt.
Immer wieder höre ich auch von Hauskreismitgliedern oder -leitern bestehender Gemeinden die Befürchtung, dass sie ohne vorgegebenes Programm ganz leicht in Alltägliches abrutschen werden.
Meine Empfehlung:
Woran mag das liegen, wenn Christen bei gemeinsamen Treffen nicht auf Glaubensfragen zu sprechen kommen oder ganz leicht immer wieder auf Themen ausweichen, die mit Glauben scheinbar nichts zu tun haben? Liegt es tatsächlich daran, dass Christen ohne Programmdruck nicht über Gott zu reden und nachzudenken in der Lage wären? Oder kann es sein, dass die vorgegebenen Programme selten etwas mit ihrem konkreten Leben zu tun haben?
Meine Erfahrung ist, dass Christen, die ihren Glauben bewusst leben, nicht zusammenkommen können ohne nicht doch irgendwann auf Gott und das Leben mit Gott zu reden. Aber das muss eben nicht immer so aussehen, wie wir es aus den sonst üblichen Gemeinden kennen. So kann es sein, dass sich das Gespräch über Gott und die Bibel eben erst aus dem Gespräch übers Einkaufen, die Kinder, Politik usw. entwickelt. Jeder Christ bewegt die Frage in dem allen, wie er als Christ damit umgehen soll oder was wohl Gott darüber denken mag.
Manchmal reicht auch der Einwurf einer simplen Frage dazu, was wohl Gott dazu zu sagen hätte, aus, um das Gespräch auf Glaubensinhalte zu bringen.
Wagen sie es ihr Glaubensleben nicht mehr von ihrem Alltagsleben abzugrenzen und gar zwei Leben parallel zu leben. Gehen sie gemeinsam auf das Abenteuer ein, Gott in ihrem ganzen Leben zu finden und sich genau auch darüber auszutauschen.
Nehmen sie die Nöte des Anderen ernst. Suchen sie selbst auch und besonders Antworten darauf bei Gott. Erwarten sie nicht auf alle Fragen Antworten zu finden, vertrauen sie aber gemeinsam darauf, dass Gott involviert ist und bringen sie diese Nöte gemeinsam im Gebet zu Gott. Betrachten sie ihre Treffen als das gemeinsame Abenteuer Gott in ihrer aller Leben anzutreffen und IHN wirken zu sehen.

Es mag auch noch andere Hindernisse geben. Wer dies hier liest kann gerne in einem Kommentar solche aufzeigen und wir können gemeinsam darüber nachdenken, wie wir damit umgehen können.

Charly

Redundante Offenbarungsquellen Gottes

Lesezeit: 4 Minuten

In Diskussionen über Lehrfragen stößt man immer wieder auf die Frage, woher wir wissen können, ob eine theologische Lehre tatsächlich richtig und gottgegeben ist. Die einen argumentieren mit vielen Bibelstellen, andere berufen sich auf die Leitung durch den Hlg. Geist.
Letztlich kann man aber feststellen, dass beide Seiten dazu neigen, auf Irrlehren hereinzufallen. Neuerdings tauchen auch wieder Gruppen auf, die für sich gar die „Offenbarungslehre“ beanspruchen und damit ganz sicher sein wollen, die „Geheimnisse Gottes“ zu erkennen. Wer genau hinsieht, findet bei ihnen lediglich ein Aufwärmen alter gnostischer Ansichten.

Nun gehen wir davon aus, dass Gott sich einem jeden seiner Kinder offenbart und sogar den persönlichen Kontakt und Dialog sucht. Da muss es doch auch eine Art Gewissheit über das geben, was Richtig und was falsch ist. Immerhin lesen wir im Wort Gottes:
Johannes 14:26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
1 Korinther 2:13 Davon reden wir auch, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, indem wir Geistliches durch Geistliches deuten.
1 Johannes 2:27 Und ihr! Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr habt nicht nötig, daß euch jemand belehre, sondern wie seine Salbung euch über alles belehrt, so ist es auch wahr und keine Lüge. Und wie sie euch belehrt hat, so bleibt in ihm!

Hier lesen wir, dass wir durch den Hlg. Geist belehrt werden. Wie geschieht das, ist nun die Frage. Zum einen sicherlich durch den direkten Dialog zwischen uns und Gott. Aber auch durch das Zeugnis des Wort Gottes.
Psalmen 1:2 sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! 3 Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm.
2 Timotheus 3:16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, 17 damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.

Ja wir lesen sogar, dass Gott sich mit seinem Wort mehr als nur identifiziert, ja Jesus selber das Wort Gottes ist:
Johannes 1:1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.2 Dieses war im Anfang bei Gott.3 Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. 4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt.

Dies bedeutet nun nicht, dass das, was wir Heute zwischen zwei Buchdeckel finden und als Bibel bezeichnet wird, mit diesem Wort Gottes synonym ist. Dennoch ist die Bibel das offenbarte Wort Gottes, welches uns zunächst als „Logos“ – als reine Wortinformation zur Verfügung steht. Erst wenn uns der Hlg. Geist das Wort aufschließt, wird es zu dem offenbarten Wort Gottes.

Redundante Quellen
Aus meinem ursprünglichen Beruf kenne ich noch den Fachbegriff der Redundanz. Damit kam ich Berührung, als ich redundante Stromversorgungen gebaut habe. Hier schaltet man zwei gleiche Stromquellen zusammen, mit denen ein Gerät, eine Maschine versorgt wird, die auf keinen Fall stehen bleiben darf. ZB dürfen manche Webmaschinen nicht stehen bleiben, weil in dem Fall sofort ein Schaden in enormer Höhe entstehen würde. Fällt die eine Stromversorgung aus, wird die Maschine ohne jegliche Unterbrechung von der zweiten Stromversorgung betrieben. Diese beiden Stromversorgungen müssen natürlich gleich gepolt sein. Wären sie es nicht, würde zwischen den beiden Stromversorgungen ein sehr hoher Strom fließen, die Kabel glühen und die Stromversorgungen durchbrennen.

Wenn wir nun auch eine Redundanz in den Quellen, woraus wir Gottes Weisheit suchen, anwenden, kommen wir zu einer hohen Sicherheit, mit unserem Verständnis im Sinne Gottes zu liegen.
Die beiden Quellen, die uns zur Verfügung stehen sind das Reden Gottes durch den Hlg. Geist zu uns und das Wort Gottes, das uns ebenfalls vom Hlg. Geist aufgeschlossen wird. Beschäftigen wir uns mit der Frage, ob eine Lehre im Sinn Gottes ist, prüfen wir sie an diesen zwei Quellen. Finden wir in beiden Quellen eine Bestätigung dieser Lehre, können wir uns relativ sicher sein.
Haben wir aus einer dieser beiden Quellen aber nicht die Bestätigung, die wir suchen, so können wir uns sicher sein, dass wir weiter im Gebet und Lesen der Bibel suchen und studieren müssen, um die echte Aussage Gottes zu finden. Widersprechen sich unsere beiden Quellen, so können wir wissen, dass wir sprichwörtlich falsch gepolt sind. Hoffentlich glühen dann unsere geistlichen Sensoren und lassen uns aufmerksam werden.

Wir erkennen stückweise
Wir können trotz allem aber nur relativ sicher sein, weil wir ja in unserer Wahrnehmung immer beeinflusst sind.
1 Korinther 13:9 Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen stückweise; 10 wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden…. 12 Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin.

In allem, womit wir uns beschäftigen, unterliegen wir verschiedenen Filtern. Filter wie unsere kulturelle Prägung, vorgefasste Meinungen und Vorlieben, die wir haben – um nur einzelne zu nennen. Es ist gut, dass wir alle nur stückweise zu erkennen in der Lage sind. Das macht uns als Kinder Gottes voneinander abhängig, wenn wir die Tiefen der Weisheit Gottes erforschen wollen. Kein einzelner Mensch kann für sich beanspruchen, alle Weisheit zu haben und alleine die allein gültige Auslegung des Wort Gottes zu haben. Erst in der Gesamtheit seines Volkes, offenbart sich Gott umfassender – wiewohl Gottes Weisheit sich uns hier auf Erden weiterhin nicht vollständig offenbaren wird. Gott bleibt letztlich für uns unergründlich.
Somit sollten wir auch weiterhin unter dem Korrektiv der Gemeinschaft der Christen stehen. Sondern wir uns mit unserer Auffassung bestimmter Lehrmeinungen ab und entziehen uns dem Dialog mit unseren Geschwistern, stehen wir ebenfalls in der Gefahr unser Herz falschen Lehren zu öffnen. Dieser Dialog gestaltet sich oft nicht einfach und wir stoßen auf viele Meinungen und oft harte Herzen. Dennoch können wir uns dem nicht entziehen.

Ich möchte jeden ermutigen für sich die redundanten Offenbarungsquellen Gottes reichlich in Anspruch zu nehmen und aufmerksam zu bleiben, ob wir weiterhin auch „richtig gepolt“ sind.

Charly

The same procedure as every time?

Lesezeit: 4 Minuten

Die Meisten, die zur Zeit in Hauskirchen -gemeinden in Deutschland und anderswo sind, sind Christen die schon eine längere Geschichte mit der traditionellen Gemeindeform hinter sich haben. So unterschiedlich diese auch sind, bewegen sie uns doch. Bei der Hinwendung zu einer Hausgemeinde stellen sie für sich mehr oder weniger in Frage, was sie bisher als Richtig und Wichtig angesehen haben. Manches wird abgelegt, manches behalten.

Man kann verschiedenes beobachten:
Da gibt es solche, die zwar die Gemeindestrukturen verlassen haben, diese aber nun in ihrer Hausgemeinde mehr oder weniger weiterleben.
Dann wieder findet man solche, die mit Vehemenz alles ablehnen, was auch nur den Anschein haben könnte, etwas mit dem zu tun zu haben, was sie verlassen haben.
Dann wiederum solche, die noch weiter gehen und sogar „schon über die Hauskirche hinweg“ sind. Gemäß einer aktuellen Bewegung suchen sie „das wirkliche Christenleben“ außerhalb allen Strukturen und Formen.
Jeder wird ganz sicher irgendwo ein Buch, einen Prediger oder Sonstwen finden, der die jeweilige Haltung unterstützt.

Ist das wirklich Freiheit?
In der Begleitung von Menschen, die eine Scheidung hinter sich haben gibt es bezüglich einer neuen Beziehung etwas wichtiges zu beachten: Solange der Geschiedene in seinem Herzen noch unversöhnt ist, sich noch immer mit dem Identifiziert was vergangen ist oder gar alles ablehnt, was ihn an die gescheiterte Ehe erinnert, ist diese Person nicht wirklich bereit eine neue Partnerschaft einzugehen. Der alte Partner schwebt dann immer irgendwo in der neuen Beziehung mit. Das Alte muss vergangen sein, damit wir offen sind uns wirklich auf etwas neues einzulassen.
So auch mit dem, was wir verlassen haben. Oft war das mit Verletzungen und Schmähungen verbunden. Tragen wir das immer noch in unseren Herzen, so werden wir überall und auf jedem Weg, den wir als Christ zu leben versuchen, das weiterleben was wir verlassen wollten. Entweder wird unsere Hausgemeinde dem sehr ähnlich sein, was wir früher taten oder sie erscheint als der verkrampfte Versuch anders sein zu wollen.
Ist das wirklich Freiheit?

Detektivarbeit
Im Internet findet man im Hauskirchenbereich eine Menge an Informationen darüber, wie sich Kirche über die Jahrhunderte entwickelt hat, usw. Eine gute Sache, wie ich meine. Diese Informationen sind wichtig, um seinen eigenen Stand neu zu bestimmen.
Aber es gibt noch mehr. Nicht nur rein sachliche Informationen darüber, sondern auch viele Seiten und Bücher, die aufzeigen wollen, welche immens schlimmen Folgen diese Veränderungen und Einflüsse zu haben scheinen. Verschwörungstheorien kursieren, Aufdeckungen von „geheimgehaltenen Informationen“ usw.
Ist das ein Phänomen der Hauskirchen? Nein, solche Verschwörungstheoretiker und Aufdeckungsautoren gab es immer und wird es immer geben. Ist das alles falsch, was diese schreiben? Nein, nicht alles. Das was aber an ihnen fast durchgehend falsch ist, ist ihre Sicht der Dinge und ihre Haltung dazu.
Gibt es zum Beispiel heidnische Einflüsse und gar Rituale innerhalb der Christenheit? Ja klar, und? Eine ehrliche Frage von mir an Sie, lieber Leser: sollte Gott so klein sein, nicht auch durch solche Dinge hindurch wirksam sein zu können? Sollte Gott tatsächlich durch die Ahnung irgendeiner alten Gottheit so erschüttert sein, dass ER sich deswegen unbedingt seinem eigenen Volk entziehen muss? Sollten Götzen wirklich so immense Kraft haben, dass sie selbst Gott vertreiben können?
Diese Diskussion ist so alt wie das Christentum. Paulus hatte solche Diskussionen schon mit den griechischen Christen. Damals ging es um Götzenopferfleisch. Erinnern wir uns, was Paulus dazu zu sagen hatte? War Paulus auch nur annähernd so alarmiert, wie diese Autoren uns alarmieren wollen? Nein, er war es nicht. Wie kann das sein? Nun, ich vermute, weil Paulus erkannt hatte, was es bedeutet wirklich frei zu sein.

A different procedure this time
Wenn wir unser Denken und Handeln durch etwas bestimmen lassen, was wir meinen hinter uns zu haben, so sind wir weiterhin gezwungen genau das weiter zu leben.

Entschieden gegen etwas zu sein ist keine Haltung die uns frei macht. In Gott den Freiraum gefunden zu haben, das verlassen zu können, was wir als falsch erkannt haben und nun auch das Gute darin wiederfinden zu können, hat mit echter Freiheit zu tun. Vor allem die Christen mit ihrem ehrlichen Bemühen mit Gott zu leben, darin sehen zu können, hat etwas mit Freiheit zu tun.

Wer innerlich von etwas Vergangenem frei geworden ist, wird nicht auf die Menschen schauen, die weiterhin darin leben und sich selber als Jemanden sehen, der „weiter ist wie diese“. Tatsächlich auf seinem eigenen Weg mit Gott weitergekommen zu sein, ist lediglich das Ergebnis von Gottes Gnade und wahrlich nicht etwas, was wir selber erkannt oder geschafft haben.
Jemand der frei geworden ist, wird in allem frei sein. Auch dann, wenn er sich in einer Hausgemeinde einbringt, in der nicht alles so anders ist, wie es in traditionellen Gemeinden ist. Wer wirklich innerlich frei ist, wird diese Freiheit nicht beständig nach Außen demonstrieren müssen. Wer wirklich innerlich frei ist, wird auch die Freiheit haben, sich anderen, die ehrlich bemüht sind Leitungsaufgaben wahrzunehmen, freiwillig unterordnen zu können. (Ich sprach davon in einem älteren Artikel: „Leiten durch Überzeugen I“)

Wirkliche Freiheit muss nicht beständig alles abschütteln, was unfrei zu machen scheint. Wirkliche Freiheit, die wir in Gott gefunden haben, lässt uns innerlich frei bleiben.
Nicht was wir an äußeren Formen leben bestimmt, ob wir frei sind, sondern was wir innerlich erleben.

Und so sollten wir das, was wir als Hausgemeinden auch immer gemeinsam tun, anders tun. Nicht unbedingt indem wir Ausdrucksformen suchen, die uns nach Außen von „den Anderen“ unterscheiden, sondern indem wir unsere Identität nicht mehr darin suchen, was wir tun. Tun wir also das, was Ausfluss der neu gewonnenen Identität in Gott bedeutet. Selbst wenn wir Altbekanntes tun, so wird es anders sein als zuvor. Ganz von selbst werden sich unsere Gewohnheiten verändern und ganz von selbst werden wir in neue, lebendige Strukturen finden, die jeweils für die konkret anwesenden Personen in unserer Hausgemeinde zutreffend ist.
Ganz von selbst? Naja, nicht wirklich. Von selbst nicht, sondern ganz von Gott. Diese Veränderung wird nicht so spektakulär ablaufen, dass wir es unbedingt sofort merken. Sanft und barmherzig wird es geschehen, eben so, wie Gott selber mit uns umgeht.

Charly

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