Geistlicher Missbrauch

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einsamer Mann mit Bibel in der Kirche
© Public Domain by Pixabay.com

Vor wenigen Tagen habe ich im Deutschlandfunk eine kurze Reportage über das Thema „Geistlicher Missbrauch“ gehört. Ein Thema, welches mich schon seit vielen Jahren begleitet. Ich kenne aus eigenem Erleben drei Seiten davon: Zum Einen als selbst Betroffener, weiter als beobachtendes Gemeindemitglied und zuletzt als Begleitender von Betroffenen als chr. Lebensberater. Kein Wunder also, dass ich auf diese Reportage neugierig war.

Ich möchte mich hier zum Thema „geistlicher Missbrauch“ äußern und erste Tipps zur weitergehenden Beschäftigung mit dem Thema geben. Zudem werde ich mich auch zu dieser Radioreportage äußern.

Geistlicher oder religiöser Missbrauch – was ist das?
Der Begriff „geistlicher Missbrauch“ ist eine „Geistlicher Missbrauch“ weiterlesen

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#metoo und die Christen

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Frau trägt Menschen zu Grabe
© Public Domain by pixabay.com / #metoo trägt seine Opfer zu Grabe

Sind sie ein Christ, der in der Gemeinde aktiv ist? Sind sie ein Mann? Haben sie eine Vergangenheit? Dann sind sie ein mögliches Ziel von #metoo-gnadenlos!

Eigentlich wollte ich es bei meinem vorherigen Artikel zu #metoo belassen. Doch nun eskaliert diese Hexenjagd immer weiter. Nun werden auch bekannte Pastoren angegriffen und diskreditiert. Die Aufdeckung eklatanten sexuellen Fehlverhaltens wäre ja zeitnah völlig in Ordnung. Aber das ist es ja eben nicht, was gerade passiert.

Zwei Meldungen aus Amerika sind zur Zeit in den Medien. Viele ähnliche Fälle „#metoo und die Christen“ weiterlesen

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Ein Fall von Vergebung der empört

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Mahnmal zum Thema Versöhnung in Berlin (Gedenkstätte Bernauer Straße) © Winfrid Vogel / churchphoto.de

Im Oktober 2016 standen die Isländerin Thordis Elva und der Australier Tom Stranger für einen Ted Talk (weiter unten zu sehen) in San Francisco auf der Bühne, um davon zu berichten, wie Opfer und Täter einer Vergewaltigung den mühsamen Weg der Vergebung und auch der Versöhnung geschafft haben.

1996 war Tom Stranger als Austauschschüler aus Australien in Island. Dort lernte der 18-jährige die 16-jährige Thordis Elva kennen und beide wurden ein Liebespaar. Nach einer Party war Thordis so betrunken, dass sie sich nicht mehr selbst helfen konnte. Tom brachte sie nach Hause, nutzte die Lage aus und  vergewaltigte sie. Thordis berichtete aus verschiedenen Gründen niemanden davon und zeigte Tom auch nicht an. Tom ging nach Australien zurück.

Neun Jahre später schreibt Thordis Tom einen Brief und berichtet ihm, was seine Tat in ihrem Leben angerichtet hat. Tom antwortet ihr und ein über acht Jahre dauernder Dialog zwischen ihnen beginnt. Schließlich treffen sie sich in Südafrika (für sie ein Land, welches besonders für Versöhnung steht) um sich von Angesicht zu Angesicht auszusprechen. Sie fanden einen Weg „Ein Fall von Vergebung der empört“ weiterlesen

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Bischof hat keine Ahnung was Vergebung bedeutet?

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Reue
© Lucie Gerhardt / pixelio.de

Die Schauspielerin Veronica Ferres weiß es womöglich besser als der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, was Vergebung ist und was sie gerade für Opfer von Gewalttaten bedeutet. Bei einer Podiumsdiskussion am 25. November in Berlin, anlässlich der Vorstellung des ZDF-Fernsehfilms „Lena Fauch – Vergebung oder Rache“, sagte sie „Einem Täter zu vergeben, ist wichtiger als dessen Verurteilung.“ und spricht damit eine Wahrheit aus, die nicht nur christliche Betreuer und Therapeuten, die mit Opfern von Gewalttaten arbeiten, kennen. Ferres zufolge setzen die Hinterbliebenen einer Gewalttat viel Hoffnung auf ein gerechtes Gerichtsurteil. Entscheidend sei jedoch die Fähigkeit zu vergeben – auch dann, wenn das erhoffte Urteil ausbleibt. (Quelle: idea.de) Diese Wahrheit ist auch bei vielen Therapeuten und anderen, die mit diesen Opfern arbeiten, bekannt, die mit Glauben ansonsten nichts zu tun haben. Denn die weit überwiegende Erfahrung ist hier, dass die erfolgte gerichtliche Verurteilung und die darauf folgende Strafe, den Opfern bei weitem nicht Entlastung ihrer Seele bringt, die davon erhofft wird. Erst Vergebung ist dazu in der Lage.

Vergebung wird hier, insbesondere aber gerade auch in der Bibel, nicht als ein Akt des Ignorierens oder einem simplen zudecken der konkreten Schuld des Täters verstanden. Vergebung ist hier vielmehr die konkrete Aufdeckung und Beschäftigung mit der Schuld des Täters und das darauf folgende loslassen desselben. (Dazu habe ich in diesem Artikel genaueres geschrieben.)

Scheint Bischof Dröge hingegen nicht zu wissen, was die Bibel tatsächlich über Vergebung sagt? Denn er erklärte, „Bischof hat keine Ahnung was Vergebung bedeutet?“ weiterlesen

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Reue – immer noch ein Thema

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Reue
© Lucie Gerhardt / pixelio.de

In einem aktuellen Radio-Feature des WDR5 wird das Thema Reue zur Sprache gebracht. Anhand prominenter und unprominenter Beispiele wird aufgezeigt, dass Reue ein durchaus wichtiges Empfinden ist und in unserer Gesellschaft immer noch erwartet wird.

Unter dem Titel „Ach hätte ich doch…“ steht im Begleittext:
Was genau ist eigentlich „Reue“? Woran merken Außenstehende, ob Reue vorgetäuscht wird oder echt ist? Wann wird der Begriff moralisch benutzt und wie geht die Rechtswissenschaft mit dem Begriff der „tätigen Reue“ um?

Hier nur für begrenzte Zeit nachzuhören:

Es wird auch ein Psychologe zu dem Thema befragt – bezeichnenderweise aber kein Theologe. Da fragt man sich doch, wie es zu dieser Auswahl der Fachleute kommt. Ist Reue nicht ein zutiefst christliches, ja gar religiöses Thema?

Hat die Kirche / der Leib Christi ihre stärkste Botschaft der befreienden Reue und der Vergebung von Schuld „Reue – immer noch ein Thema“ weiterlesen

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Keine Panik wegen Sünde

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© Charly Lücker

„Keine Panik wegen Sünde“ vernahm ich während einer Gebetszeit in meinem Herzen. Als guter und bemühter Christ merkte ich gleich auf und wurde sofort skeptisch. Sollen wir nicht der Sünde fliehen, sie meiden wie es auch immer nur geht? Fragend wendete ich mich erneut im Gebet an Gott: „Herr, was soll ich mit solch einem Satz anfangen?“

Folgendes wurde mir im Gebet dann deutlich:
(Zunächst einmal keine Angst, hier wird weder Sünde verniedlicht noch die Vergebung durch Jesus abgeschwächt werden.)

Mir wurde noch einmal deutlich, dass zunächst gilt dass die Sünde uns gemäß der Bibel von Gott trennt:
Jesaja 59:2 sondern eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, daß er nicht hört. (Rev.Elb.)
Gott musste seinen Fokus immer dann auf die Sünde setzten, wenn ER uns anschaut. Nachdem wir allerdings die Vergebung und Erlösung durch Jesus erfahren haben, verlagert sich der Fokus Gottes auf Jesus, wenn ER uns nun anschaut. Damit steht die Sünde nicht mehr zwischen IHM und uns und nicht länger ist die Strafe und der Tod als Folgen der Sünde die bestimmende Komponente. Durch Jesus steht nun der Liebe Gottes zu uns in der Begegnung mit IHM nichts mehr im Wege.

Und doch sündigen wir und sind auch im NT klar aufgefordert nicht mehr zu sündigen. Sünde ist weiterhin nicht harmlos, gebiert sie letztlich immer noch den Tod, wie es uns Jakobus schreibt:
Jakobus 1:15 Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. (Rev.Elb.)

Als Christ und Nachfolger Jesu freimütig mit der Sünde umzugehen ist also nicht Kern des Satzes, den ich hier vernommen hatte. Was aber dann? „Keine Panik wegen Sünde“ weiterlesen

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Gnade – was das ist

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Geh unter der Gnade
© Ilse Dunkel (ille) / pixelio.de

Wenn man Heute Menschen befragt was denn Gnade sei, muss man feststellen, dass viele mit diesem Begriff nichts mehr anfangen können. Mit dem Begriff „Gnadenlos“ schon viel eher. Fragt man Christen danach, die ja spätestens durch Luther in dem Bewusstsein leben sollten allein aus Gnade errettet zu sein, stößt man ebenso auf reichlich Sprachlosigkeit.

Gnade, was ist das?
Zunächst möchte ich auf einen Beitrag von WDR5 hinweisen, der sich mit dem Thema beschäftigt:
„Gnade wem Gnade gebührt / Von Marietta Morawska-Büngeler WDR3 & 5, vom 19.04.09“ (Download leider nur begrenzte Zeit verfügbar)
In dieser Sendung wird erwähnt, dass einmal Konfirmanden gefragt wurden das Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ aus Luk. 15:11-32 einen eigenen Titel zu geben. Die Konfirmanden einigten sich darauf dieses Gleichnis das „Gleichnis vom ungerechten Vater“ zu nennen. „Gnade – was das ist“ weiterlesen

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Vergebung und Versöhnung

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Reue
© Lucie Gerhardt / pixelio.de

In einem Gespräch ging es darum, dass Jemand weiterhin Probleme hat, einem nahen Verwandten zu begegnen, ob wohl er, als gläubiger Christ, diesem längst vergeben hätte was er früher einmal getan hat. Gemeinsam dachten wir darüber nach, welche Unterschiede es zwischen Vergebung und Versöhnung gibt.

 

Vergebung
Dieses Thema ist für viele ein echtes Problem. Jemanden vergeben, von dem man sehr verletzt wurde, ist garnicht so leicht. Schon deshalb nicht, weil der Begriff „Vergebung“ oft nicht klar definiert ist. Was also ist Vergebung?

Vergebung bezeichnet den Verzicht auf eine berechtigte Strafe. Das finden wir anschaulich in dem Gleichnis Jesu über den „Schalksknecht“ in Matth. 18:21-35 wieder. Dieses Gleichnis erwidert Jesus dem Petrus auf seine Frage, wie oft wir einem Bruder vergeben sollen.

Vergebung setzt also voraus, dass Jemand an einem anderen schuldig geworden ist. Derjenige, an dem dieser schuldig geworden ist, hat nun die Möglichkeit diese Schuld vorzuhalten und die Bezahlung der Schuld zu fordern – entweder durch eine materielle Erstattung oder durch eine Bestrafung des Schuldners – oder auf diese Bezahlung oder Strafe zu verzichten.

„Vergebung und Versöhnung“ weiterlesen

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Liebe unter den Brüdern / Geschwistern?

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Das ist schon so eine Sache mit den Christen unter sich.
Welch ein Potential sollte hier sein, wo wir Christen doch alle die unglaubliche Liebe Gottes erfahren haben und allesamt ohne eigenes Zutun durch Gottes Gnade errettet wurden. Sollten solche, die derart Gnade erfahren haben, nicht auch untereinander von dieser Gnade geprägt sein? Sollten eigentlich…….. eigentlich sollten sie……..

Wir reden von Geboten, fragen nach den höchsten Geboten und suchen unseren Weg in dem, was uns überliefert wurde und was wir als Reden Gottes empfinden. Wir überlegen wie wir die Welt für unseren Herrn erreichen können und übersehen einen der bekanntesten Aussprüche Jesu:
Johannes 13:34 Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. 35 Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. (rev. Elb.)
Sollte gerade das das schwerste Gebot von allen sein?

Ist Liebe willkürlich?
Immer wenn man von Liebe redet, kommen all die Argumente, Liebe sei dass man alles stehen lässt, jede Meinung, jede Lehre, jedes Gehabe und über alles einen „Mantel der Liebe“ deckt und Harmonie um jeden Preis sucht.
(Nur als Gedankenanstoss: Harmonie um jeden Preis tötet alles Leben! Denn nichts kann leben, wenn nichts gelten darf)
Auf die Frage, ob und was Jesus mit Liebe meint, gibt es eine einfache und klare Antwort: Jesus selbst!
War Jesus jemand der Harmonie um jeden Preis suchte? Nein, also das ganz sicher nicht. Was zeichnete die Liebe Jesu aus? Unter anderem auch die unbedingte Liebe zur Wahrheit und diese Verbunden mit göttlicher Gnade. Jesus sprach Krummes offen an, verurteilte aber den Menschen dahinter nicht, sondern bot diesem Erlösung, Vergebung und Heilung an.

Diese auch christliche Sucht jeden Konflikt zu vermeiden und in jedem Konflikt unbedingt das zerbrechen geschwisterlicher Gemeinschaft zu sehen, ist schlimm, ist in meinen Augen alles andere als Christusgleich.

Pseudodemut als Liebesbeweis
Kennt ihr ihn, den „unteren Weg“? Klar, wer nur lange genug Christ ist, hat von ihm gehört – den Weg den immer nur andere zu gehen haben. Hier wird etwas verlangt, was in der Regel nur einem menschlichen Denken entspringt und zumeist lediglich dazu dient den Anderen zu demütigen. Ich habe mich ein paar mal in meinen Jahren als Christ darauf eingelassen, den „unteren Weg“ zu gehen – also etwas als Beweis meiner Demut zu tun, was Menschen sich so vorstellten. Was kam dabei heraus? Nun, es gab meinen Peinigern…… ähm…. ich meine: meinen Brüdern eher noch Kielwasser mich noch mehr „in Demut zu üben“. Liebe, wie sie uns Jesus und die Bibel zeigt, entstand daraus nicht – wie sollte sie auch?
Bezeichnenderweise hat Jesus mich in 30 Jahren leben mit Ihm nicht einmal aufgefordert einen „unteren Weg“ zu gehen. Jesus tat das genaue Gegenteil: ER ging mir bei schweren Wegen beispielhaft voran, ER trug vor mir, was zu tragen mir aufgebürdet wurde. ER stellte sich unter dasselbe Joch, dass ich zu tragen hatte und ließ mich bei dem allen nie allein. Das ist wahre Demut, selbst bereit zu sein den Weg zu gehen, den ein anderer gehen muss!

Vergebung und Versöhnung
Klar, wo Menschen sind, gibt es Meinungsverschiedenheiten und Streit. Das ist soweit normal. Und das ist auch nicht wirklich schlimm. Paulus geht bei den Korinthern darauf ein, indem er von Spaltung und Parteiungen redet.
1 Korinther 11:18 Denn erstens höre ich, daß, wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, Spaltungen (griech.: schisma) unter euch sind, und zum Teil glaube ich es. 19 Denn es müssen auch Parteiungen (griech.: airesis) unter euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden. (rev. Elb.)
(An anderer Stelle, zB Röm 16:17, spricht Paulus auch von „dichostasia“ welches fälschlicherweise in einigen Bibeln mit „Parteiungen“ übersetzt wird – tatsächlich aber Spaltung, Entzweiung“ meint)
Paulus zeigt hier etwas auf, was ihm aus der Rabbinerschule noch sehr bekannt war: Spaltung (schisma) – also unüberwindbare Trennungen – sollen zwischen Christen nicht vorkommen, sind nicht nach Gottes Willen. Unterschiedliche Meinungen (airesis) und die damit auch teils heftig geführten Streitgespräche hingegen sind weder verwerflich noch schlecht – sie machen, laut Paulus, die bewährten Christen offenbar.

In den Rabbinerschulen gab und gibt es eine Übung, die uns Christen recht gut tun würde: Die Jünger lernen dort über Sachfragen zu streiten und diesen Streit loszulösen von der Person, mit der sie streiten. Also die Sachfrage bestimmt nicht die Beziehung. Zudem wird gelehrt andere Meinungen, in denen man nicht übereinkommen kann, stehen zu lassen – allerdings in klarer Abgrenzung zur Irrlehre, die nicht eine Meinung zum Wort Gottes darstellt, sondern das Wort Gottes zu negieren oder zu pervertieren versucht.

Worin zeichnet sich nun diese Bewährung aus, die anhand von Meinungsunterschieden offenbar werden soll? Meiner Meinung nach darin, dass eben diese bewährten Christen dazu in der Lage sind, den Bruder ungemindert hinter der anderen Meinung zu sehen. Darin, dass solche nicht darin abgleiten sein Gegenüber auf persönlicher Ebene anzugreifen, wenn einem selbst die Argumente ausgehen. Darin, dass diese bewährten Christen immer wieder die offene Hand zu dem ausstrecken, mit dem sie in Sachfragen nicht einer Meinung sein können. Und letztlich sicherlich auch darin, dass diese in echter Liebe zu begründen wissen, warum sie welcher Meinung sind.

Hier trifft auch zu, dass wir bereit sein sollen zu vergeben. Nur ist Vergebung unter Glaubensgeschwistern nur der erste Schritt. Gott fordert von uns Versöhnung – welches mehr ist als „nur“ zu vergeben. Vergebung verzichtet auf Strafe – Versöhnung sucht den anderen.
Auch wenn Versöhnung nicht bedeuten muss, dass die zuvor Zerstrittenen wieder in dieselbe enge Beziehung treten müssen in der sie möglicherweise zuvor waren, bedeutet sie doch, dass man wieder miteinander ins Gespräch kommt, dass man sich annimmt und einander stehen lässt – etwas was wohl für div. Christen die schwerste Übung zu sein scheint, die sie kennen.

Machtspiele
Sehen wir es uns nüchtern an: Auch wenn unter einfachen Gemeinden die Leitung keine Hierarchie darstellen soll und alle auf einer Ebene versammelt sind, so kommen sie doch weiter vor: die Machtspiele. Immer noch müssen wir sehen, wie durch Einfluss und Machtgehabe Christen versuchen andere Christen abzukanzeln. Immer noch finden wir unter uns dieses Gerangel darum, wer „besser“, „wichtiger“ etc. wäre.

Auch dazu sagt Jesus uns etwas, was allerdings Heute nicht so leicht offenbar wird, wie es damals allen offenbar war. In Matth. 5:21ff spricht Jesus darüber welche Folgen es haben wird, wenn Christen Christen mit bestimmten Schimpfwörtern belegen. Was wurde um dieses Bibelwort nicht alles ausgelegt und spekuliert. Klar verständlich wird diese Passage aber erst dann, wenn wir lernen, dass Jesus hier Machtausübung unter Rabbinern anspricht.*1 So war es höher gestellten Rabbinern möglich, durch solche in der Öffentlichkeit ausgesprochenen Schimpf- oder Schmachworte andere Rabbiner, die ihrem Rang nach unter ihnen standen, unter einem Bann zu legen – bis dahin, dass der gebannte Rabbiner das Land verlassen musste und für alle Juden als unrein galt.
Aus diesem Hintergrund betrachtet finden wir ähnliches immer wieder in den Reden Jesu, so wie in Matth 20:25+26, Matth. 23:8ff, etc.
Diese Worte stehen unter dem großen Vorzeichen: „So soll es unter euch nicht sein!“

Klar, es ist um etliches leichter Einfluss und Macht gegen einen Bruder oder eine Schwester anzuwenden als zuzugeben, dass die eigenen Motive nicht so koscher waren wie man dachte. Geschweige denn zu eben diesem Bruder oder Schwester hinzugehen und die Hand zur Versöhnung zu reichen.
Eine Anmerkung dazu: Es ist unmöglich die Hand zur Versöhnung schweigend zu reichen – dazu gehört auch das Bekenntnis zur eigenen Fehlbarkeit.

Woran also werden wir erkannt?
Erinnern wir uns?
Johannes 13:34 Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. 35 Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. (rev. Elb.)

Hier greife ich nun wieder den Begriff auf: „Demut“. Aber eben nicht in der menschlichen, heuchlerischen Art, sondern in dem, wie Jesus uns Demut vorlebte.
Hierzu was Jesus uns sagte und wie es Johannes aufgegriffen hat:
Johannes 15:13 Größere Liebe hat niemand als die, daß er sein Leben hingibt für seine Freunde.(rev. Elb.)
1 Johannes 3:16 Hieran haben wir die Liebe erkannt, daß er für uns sein Leben hingegeben hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben. (rev. Elb.)

Nein, keine Angst, ich fordere hier nicht zum Märtyrertod auf. Aber ich greife auf, was die Bibel uns darüber lehrt, dass wir uns selbst und der Welt sterben sollen. Wir sind aufgefordert mit Christus zu sterben, damit wir mit Ihm zu einem neuen Leben auferstehen können – schon jetzt und hier.

———

Johannes 17:11 Und ich bin nicht mehr in der Welt, und diese sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater! Bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, daß sie eins seien wie wir! 12 Als ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast; und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ist verloren als nur der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde.
….. 20 Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben, 21 damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast. 22 Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, daß sie eins seien, wie wir eins sind 23 ich in ihnen und du in mir daß sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, daß du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast. (rev Elb)

Ja, das ist wohl so: als Jesus noch unter seinen Jüngern war, musste ER unter ihnen schlichten und vermitteln. Da Er nun wusste, dass er gehen muss, betet ER (nicht ganz zufällig) darum, dass nun der Vater uns bewahren soll und dieser nun uns helfe eins zu sein. Warum? „Damit die Welt erkenne…“

Ich bin froh zu wissen, dass Jesus immer noch zur Rechten des Vaters sitzt und weiterhin für uns eintritt – denn wahrlich: wir haben es nötig!
Römer 8:34 Wer ist, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet. (rev Elb)

Solange wir uns geistlicher wie andere Christen vorkommen, obwohl wir nicht aufhören können uns über sie zu beschweren, brauchen wir dass Gebet Jesu dringend.

Charly

*1 „Jesus der Jude” Susanne Schmid-Grether, JCFV – Wetzikon, CH

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„Wer in Christus gestorben ist, kann nicht mehr beleidigt werden“

Lesezeit: 2 Minuten

„Wer in Christus gestorben ist, kann nicht mehr beleidigt werden“
oder: „Wenn Christus in mir lebt und ich beleidigt werde, so wird auch Christus beleidigt und ich kann diese Beleidigung an Christus abgeben und Ihm vertrauen, dass Er das Richtige damit macht und Ihm allen Ärger darüber einfach abgeben.“

Schöne Sätze, die ich eben gehört habe, oder? So erst einmal oberflächlich gelesen wirken die doch toll, oder nicht?

Aber sind sie auch wahr? Halten diese Sätze auch der Realität stand?
Ich meine: Nein, sie halten der Realität nicht stand. Und ich denke darüber nach, ob das Menschenbild dahinter nicht eher etwas pervers ist?
Also für mich leuchtet hier ein Menschenbild durch, indem der Mensch als Christ Puppengleich an den Fäden Gottes hängt. Christen sind hier Menschen ohne eigenes Selbstwertgefühl, lohnendes Ziel aller Unverschämtheiten, offensichtlich in ihren Emotionen vollkommen erstarrt.
Erlöst zu sein bedeutet anscheinend aller Menschenwürde verlustig gegangen zu sein.

Nun glaube ich ja, dass wir in unserer Bekehrung alle Rechte an uns selber an Gott abgeben, Ihm uns völlig hingeben und eben „in Christus sterben“. Aber hier bleibt es ja nicht stehen, denn wir „stehen mit Christus auch wieder von den Toten auf!“ Daher meine ich, dass wir gerade in Gott vermittelt bekommen, dass wir sehrwohl wertvolle Menschen sind – wertvoll genug, dass der eine allmächtige Gott sich selber dem Tod ausgesetzt hat, damit wir leben. Für mich bedeutet das, dass wir sehrwohl ein gesundes Selbstwertempfinden haben sollen und uns durchaus von Beleidigungen zB getroffen fühlen dürfen.

Diese Sätze oben fielen im Zusammenhang mit dem Thema „Vergebung“.
Für mich ist so zu denken aber keine Vergebung.
Vergebung fängt mMn damit an, dass wir den Schmerz, den Frust, unsere Emotionen auch haben, sie erleben und sogar (zumindest vor Gott) ausdrücken dürfen. Erst indem wir in Gott ein Gegenüber finden, der uns nicht nur nicht verwirft, sondern auch versteht und uns weiterhin zugewandt bleibt, finden wir Raum diesen erlebten Schmerz etc. loszulassen und letztlich zu vergeben.

Also: ich bin zwar in Christus gestorben, aber auch mit Ihm wieder auferstanden. Ich lebe und empfinde sehrwohl. Mich kann man beleidigen und ich zucke, wenn Jemand es tut – denn ich bin keine „Leiche in Christus“. Schmerz und Frust erlebe ich sehrwohl. In Gott aber habe ich ein Gegenüber, der mir die Freiheit schenkt nicht im Schmerz und Frust stehen zu bleiben oder gar zu versinken, ja sogar vergeben zu können.

Charly

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