#metoo und die Christen

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Frau trägt Menschen zu Grabe
© Public Domain by pixabay.com / #metoo trägt seine Opfer zu Grabe

Sind sie ein Christ, der in der Gemeinde aktiv ist? Sind sie ein Mann? Haben sie eine Vergangenheit? Dann sind sie ein mögliches Ziel von #metoo-gnadenlos!

Eigentlich wollte ich es bei meinem vorherigen Artikel zu #metoo belassen. Doch nun eskaliert diese Hexenjagd immer weiter. Nun werden auch bekannte Pastoren angegriffen und diskreditiert. Die Aufdeckung eklatanten sexuellen Fehlverhaltens wäre ja zeitnah völlig in Ordnung. Aber das ist es ja eben nicht, was gerade passiert.

Zwei Meldungen aus Amerika sind zur Zeit in den Medien. Viele ähnliche Fälle wird es wohl geben, die nicht auch noch in den Medien breitgetreten werden. (Hier Meldung eins und zwei)
In beiden Fällen sind die Vorwürfe zum Teil zu Vorfällen die Jahrzehnte her sind. Vereinzelt sogar schlicht erlogen. In einem Fall ist der Pastor von seinem Dienst zurückgetreten.

Es gibt tatsächlich immer wieder Fälle, wo Pastoren oder andere chr. Leiter ihre Stellung missbrauchen um sexuelle Übergriffe auszuüben. Das will ich sicher nicht verschweigen und ganz sicher auch nicht schönreden. Wann und wo immer solches passiert, gehört das auch offen angeklagt!
Doch hier bei #metoo geht es ja längst nicht mehr um tatsächliche sex. Übergriffe. Es geht z.B. in einem der obigen Fälle um „zu lange Umarmungen“ oder um eine vermeintlich anzügliche Einladung. Und in dem Fall auch um eine erlogene Anklage.

Besonders bemerkenswert finde ich den Umstand, dass es hier um jahrzehntealte Vorfälle geht. Und das wir hier von Christen reden. War da bei der Sache mit Jesus nicht auch irgendetwas mit Vergebung? Mit Neuanfang? Mit Gnade?
Und nun? Darf ein Mann, der in seinem gesamten Leben irgendwann einmal sich einer Frau gegenüber nicht zu 100% richtig verhalten hat, seinen Dienst als Pastor behalten? Gibt es irgendwann mal auch auf dieser Ebene Gnade und Vergebung?

Es nervt, aber ich muss mich wohl immer wieder wiederholen, damit träge Leser auch diesen Fakt abspeichern: Wenn es tatsächlich einen eklatanten sex. Übergriff gegeben hat, unter dem das Opfer immer noch leidet, soll sich der damalige Täter auch diesem Leiden des Opfers stellen. Und keine Gemeinde sollte über maßgebliche Vorfälle schweigen oder sie gar vertuschen wollen. Das Ziel sollte gerade unter Christen aber die Vermittlung der Gnade Gottes und die Wiederherstellung der Opfer sein.

Hier reduziert sich die tatsächliche Natur der #metoo-Debatte  auf ein Wort: Gnadenlos.
Bei #metoo gibt es kein Gestern und Heute, keine Vergebung, keine konstruktive Aufarbeitung – es gibt nur Anklage in Opfer- / Täterkategorien, in Schwarz-Weiß, in Gut und Böse.
Damit wird das Gegenteil vom dem erreicht, was angeblich eigentlich angestrebt wird. Wenn solche, zum Teil schlicht lächerlichen, Anklagen überhand nehmen, werden tatsächliche eklatante sex. Übergriffe nur noch mehr auch in chr. Kreisen nicht gebührend behandelt werden. Zum einen, weil kein Unterschied mehr in den angeklagten Taten gemacht wird, zum anderen weil sich bei dem Druck Niemand einer Hexenjagd aussetzen will.

Innerlich kann ich mir die Abkündigung in einem Gottesdienst folgendermaßen vorstellen:
Leider müssen wir euch, liebe Geschwister, mitteilen, dass unser langjähriger Pastor von seinem Dienst zurücktreten musste. Er hat von Jahrzehnten als Teenager einmal ein Mädchen zu lange angeschaut und muss heute die Konsequenzen dafür tragen. Wir als Gemeindeleitung bedauern es zutiefst, dass unsere Gemeinde eine solche Schande ertragen muss. Erfreulich ist aber, dass wir für die heutige Predigt Bruder Bob gewinnen konnten, der vor vielen Jahren vier Menschen ermordet und im Gefängnis dann zu Jesus gefunden hat. Wir freuen uns schon auf deinen Bericht der vergebenden Gnade Gottes, Bruder Bob.

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