verletzt meine Sünde Gott?

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Sünde
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In der Begleitung von Christen begegnet mir immer wieder eine Sorge, die Christen umtreibt. Die Sorge, dass ich als bereits erlöster Christ mit meiner erneuten Sünde Gott verletzen könne oder gar Jesus erneut kreuzigen könnte.

Angesichts der vielen Aufforderungen in Predigten und Lehren, die Sünde zu meiden und nicht wieder zu sündigen, liegt der Gedanke nahe. Steht es doch auch so im Neuen Testament der Bibel. Also was gibt es da zu diskutieren? So Einiges, wie mir scheint.

Vorab eine wichtige Frage: Sind von neuem geborene Christen immer noch Sünder? Wenn man ins Neue Testament schaut, wird es deutlich, dass wir auch weiterhin Sünder sind. Sünder in dem Sinne, dass wir auch weiterhin sündigen werden. Die erfahrene Vergebung und Erlösung befreit uns nicht davon. Nicht umsonst befasst sich z.B. Johannes in seinem ersten Brief damit. Im Kapitel eins, Verse 7 – 10 sagt er klipp und klar:

1Jo 1:7 Wenn wir aber im Licht wandeln, wie <er> im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde. 8 Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 9 Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit. 10 Wenn wir sagen, daß wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. (Rev.Elb.)

Nach seiner Analyse wandeln wir also im Licht Gottes und bedürfen weiterhin (fortlaufend – siehe Zeitform im Grundtext) der Reinigung von neuer Sünde. Vers 8 sollte an Deutlichkeit hier nicht zu übertreffen sein.
Man kann jetzt wiederum Johannes selbst aus Kapitel 3 zitieren, um obige Aussage zu entkräften. Doch in Kapitel 5:16 schreibt er schon wieder, dass Glaubensbrüder sündigen können.
Johannes mit ihm selbst widerlegen zu wollen unterstellt Johannes eine Schizophrenie, womit er sich als Glaubenslehrer disqualifizieren würde. Oder dieser Versuch zeigt einfach nur die mangelnde Kompetenz des Auslegers auf. Denn der Text des Johannes baut aufeinander aus. Im ersten Kapitel legt er die Grundlage, die er weitergehend ausführt. Deshalb kann die Aussage in Kapitel drei nur auf der Grundlage des ersten Kapitels gelesen und ausgelegt werden.

Nun sagt aber der Schreiber des Hebräerbriefs und Paulus doch:

Heb 6:4 Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind 5 und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben 6 und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen.

Heb 10:26 Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig…

Rö 6:15 Was nun, sollen wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Das sei ferne! 16 Wißt ihr nicht, daß, wem ihr euch zur Verfügung stellt als Sklaven zum Gehorsam, ihr dessen Sklaven seid, dem ihr gehorcht? Entweder Sklaven der Sünde zum Tod oder Sklaven des Gehorsams zur Gerechtigkeit? 17 Gott aber sei Dank, daß ihr Sklaven der Sünde wart, aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Bild der Lehre, dem ihr übergeben worden seid! 18 Frei gemacht aber von der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerechtigkeit geworden. (Rev.Elb.)

Der Reihe nach:
– Angesprochen sind solche, die sich, trotz ihrer tiefen Erkenntnis, vom Glauben wieder abgewandt haben und nun mutwillig sündigen. Also solche, die keine Christen mehr sind.
– Auch die zweite Hebräerstelle spricht diese Gruppe Menschen an.
– Paulus spricht hier vom grundlegenden Verständnis in Bezug auf das Gesetz und die Erlösung in Christus. Damit widerspricht er nicht, dass auch Christen sündigen.

Nachdem wir das haben, möchte ich die Aufmerksamkeit auf folgendem Aspekt legen:
Zunächst halten wir fest, dass Gott sich außerhalb der Zeit bewegt. ER ist nicht in der Zeit gebunden, wie wir es sind. (Ok, für manche schwer vorstellbar, aber dennoch …) Darauf weißt z.B. Psalm 139:16 hin.
Kennt Gott alle unsere Tage, bevor diese da sind, weiß Gott auch um alle Sünde, die wir einst getan haben, tun und auch tun werden.
Jesus führt nun an:

Joh 6:44 Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht … (Rev.Elb.)

Das bedeutet, dass sich Niemand bekehren kann oder wird, wenn nicht zuvor der Vater im Himmel ihn via Hlg. Geist dazu zieht. Wenn nun dieser Gott, der um alle Tage deines Lebens weiß, dich zur Bekehrung zieht, tut Er das mit dem Wissen nicht nur der Sünden, die du bereits getan hast, sondern auch der Sünden, die du als erlöster Christ tun wirst.

Kannst du als Christ also Gott mit erneutem sündigen Gott schockieren, verletzen oder IHN dazu bewegen, sich von dir zu trennen? Nein, denn bereits vor deiner Erlösung wusste ER davon. Die Gnade, die dich zur Vergebung und Erlösung gezogen hat, gilt demnach also auch für diese späteren Sünden.
Wie wird demnach also Gottes Reaktion sein, wenn du zu ihm kommst und deine erneuten Sünden, gemäß der Anweisung des Johannes, bekennst? ER wird dir die Vergebung wieder zusprechen, die du bereits schon einmal empfangen hast.

Was nun, sollen wir sündigen, weil wir … unter Gnade sind? Das sei ferne! So schrieb es Paulus oben bereits. Das Wissen, dass unsere Sünde nicht die Fähigkeit besitzt, Gott zu schockieren oder Seine Gnade zu schmälern, sollte uns nicht dazu verführen munter drauf los zu sündigen. Denn Sünde schadet zwar nicht Gott, aber weiterhin immer noch uns selbst. Deshalb sollte und muss weiterhin ein Ziel der Nachfolge Jesu sein, sich der Sünde zu enthalten und sich zu heiligen. Doch dies ist das Ziel und der Weg manchmal beschwerlich und durch unser Scheitern immer wieder gekennzeichnet. Das Wissen um die umfassende Gnade und Barmherzigkeit Gottes sollte uns anspornen, trotz scheitern dem Ziel entgegen zu streben. Nicht die Angst, wieder zu sündigen, sondern die Hoffnung, dass wir in Christus unseren Hang zur Sünde mehr und mehr überwinden werden, sollte uns Kraft dazu geben.

Spr 24:16 Denn siebenmal fällt der Gerechte und steht doch wieder auf, aber die Gottlosen stürzen nieder im Unglück. (Rev.Elb.)

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