
Immer wieder ist die Aufforderung Jesu in der Offenbarung des Johannes an die Gemeinde in Ephesus ein beliebtes Predigtthema. Kehre zurück zur ersten Liebe, die du verlassen hast.
Die allermeisten Predigten hinterlassen beim Hörer den Eindruck, dass, bei allen frommen Leistungen, mehr Leidenschaft dafür erwartet wird. Sprich: frommer Druck!
Aber ist es das, wovon Jesus da spricht?
Lesen wir einmal das Sendschreiben an Ephesus:
Offenb. 21:1 Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe: Dies sagt der, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt: 2 Ich kenne deine Werke und deine Mühe und dein Ausharren, und dass du Böse nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die sich Apostel nennen und es nicht sind, und hast sie als Lügner befunden; 3 und du hast Ausharren und hast vieles getragen um meines Namens willen und bist nicht müde geworden. 4 Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. 5 Denke nun daran, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, so komme ich ⟨zu⟩ dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust. 6 Aber dies hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hasst, die auch ich hasse. 7 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist. (RevElb)
Die Gemeinde hat sicherlich nicht alles falsch gemacht. Jesus lobt sie ja ausdrücklich. Also Christen, die sich viel Mühe geben, ihren Glauben richtig auszuleben und nicht müde darin zu werden. Und das trotz aller Bedrängnis, die sie erfahren. Wo kommt dann der Tadel her, den Jesus anfügt? Leben sie ihren Glauben zu formell? Ohne die Leidenschaft, die Verliebte sonst aufzeigen? Ist ihr Glaube zur Form, zu religiös, zu kraftlos geworden? Oder steckt da doch noch etwas völlig anderes hinter?
Du hast die erste Liebe verlassen – was meint Jesus damit? Wessen Liebe?
Traditionell wird dies so ausgelegt, dass wir unsere eigene erste Verliebtheit in Gott / Jesus verloren haben. Damit auch ein gutes Stück unserer Leidenschaftlichkeit. Stimmt das?
Hier mal, was uns das NT zu dem sagt, wer zuerst geliebt hat und wohin wir zurückkehren sollten:
Johannes 3:16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.
Epheser 2:3 Unter diesen hatten auch wir einst alle unseren Verkehr in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren wie auch die anderen. 4 Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, hat um seiner vielen Liebe willen, womit er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht durch Gnade seid ihr errettet!
1 Johannes 4:10 Hierin ist die Liebe: nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden.
1 Johannes 4:19 Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. (alle RevElb)
Die Rückkehr zur ersten Liebe ist also keine fromme Anstrengung um ein geheiligtes Leben, einer selbst bewirkten frommen Leidenschaft zu führen. Vielmehr ist sie die Rückkehr dazu, die bedingungslose Liebe Gottes zu uns wieder zu erfahren. Das sind die ersten Werke: die Liebe Gottes erfahren und darauf reagieren. Diese Erfahrung bewirkt erst in uns die Lust zu einem geheiligten Leben und ist damit weit von einem frommen Leistungsleben entfernt.
Jesus beschreibt das in dem Gleichnis der beiden verlorenen Söhne. Lukas 15,11–32
Beide Söhne haben die Liebe des Vaters verlassen. Der eine, indem er fortzog. Der andere, indem er zwar treu seinem Vater diente, aber nicht verstand, wie der Vater ihn wirklich liebte. So ähnlich wie die Gemeinde in Ephesus. Der jüngere Sohn kehrte aber in die Arme seines Vaters zurück. Der ältere muss wohl erst lernen, was es bedeutet, aus der Liebe seines Vaters zu leben.
Magnus Malm, ein schwedischer Prediger und Leiter von Einkehrzeiten definiert in seinem Buch: „Gott braucht keine Helden“ was die Bibel unter Berufung und Sendung versteht. Damit beschreibt er die erste Liebe und die ersten Werke sehr gut.
Er zeigt auf, dass wir als Christen eine einzige Berufung haben, dass es nur einen Ruf gibt, der an uns ergeht: Komm zu Gott und erfahre Seine Liebe.
Das, was wir gemeinhin unter Christen als Berufung umschreiben ist vielmehr eine Sendung aus der Berufung hinaus. Wir werden aus der Gegenwart Gottes ausgesandt etwas zu tun, um danach wieder in unsere Berufung, zu Gott selbst zurückzukehren.
Ist das nicht zu wenig, sich einfach nur von Gott lieben zu lassen?
Dies kann man nur annehmen, wenn man nicht bedenkt, was die Erfahrung der Liebe Gottes zu uns mit uns als Menschen macht.
Sogar die Verliebtheit in einen anderen Menschen verändert uns. So stark, dass unser soziales Umfeld das unschwer erkennt. Wie sehr verändert uns also die bedingungslose Liebe Gottes, die nicht wie eine Verliebtheit wieder nachlässt? Welche Leidenschaft erweckt sie in uns, welche Lust mit unserem Leben Gott zu gefallen? Nicht zuletzt finden wir dazu im NT folgende Aussagen:
Johannes 3:27 Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts empfangen, auch nicht eins, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben.
1 Korinther 4:7 … Was aber hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber auch empfangen hast, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?
Jakobus 1:16 Irret euch nicht, meine geliebten Brüder! 17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten. 18 Nach seinem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gewissermaßen eine Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien.
Johannes 6:44 Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht … (alle RevElb)
Alles, was wir an Frucht in unserem Leben in Gott vorzeigen können, kommt auch von Gott und nicht aus unserer eigenen frommen Anstrengung. Alles das kommt aus der liebevollen Gemeinschaft mit Gott, zu der wir berufen sind.
In Johannes 14 bringt Jesus zweimal ein ähnliches Statement. Genau betrachtet reden diese auch über unser Thema.
Johannes 14:15 Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; …
Johannes 14:21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. (Rev.Elb)
Genau betrachtet spricht Jesus in diesem Kapitel von der Entwicklung eines Nichtchristen zu einem Jünger. Zunächst reagiert der junge Christ auf die erfahrene Liebe Gottes, indem er Lust entwickelt, auch Gottes Gebote zu halten. Bleibt er dabei, so kann man die Liebe des Jüngers zu Gott daran erkennen, dass er Gottes Gebote hält. Jakobus greift das in seinem Brief ausführlicher auf. Auf die erwiderte Liebe Gottes vom Jünger reagiert Gott mit der zunehmenden Vertiefung der gemeinsamen Beziehung.
Also, streng dich weniger an aus eigenem Bemühen gottgefällig zu leben. Auch nicht, wenn du darin nicht einmal so ganz falsch liegst, so wie die Epheser. Gott ist es wichtiger, dass wir aus Seiner Liebe heraus leben und wirken. Ihm geht es nicht um Perfektionismus. Gott geht es um die erneuerte Gemeinschaft mit uns durch Jesus. Sei dir sicher, Gott wird dann schon in deinem Leben bewirken, was Ihm gefällt und dir und durch dich für andere zum Segen ist.