Fundamentalismus philosophisch betrachtet

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Denker
© by Charly Lücker

Heute Abend gab es auf WDR5 eine interessante Sendung aus der Reihe: Das philosophische Radio über die philosophische Sicht auf den Fundamentalismus. Zu Gast war Friedrich Wilhelm Graf, protestantischer Theologe und Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität München (LMU).

Hier nur für begrenzte Zeit nachzuhören:

Zitat WDR5:
Der islamische Fundamentalismus ist das Feindbild der Gegenwart. Dabei wächst das Christentum deutlicher aggressiver als der Islam, und zwar insbesondere auch in der „harten“, fundamentalistischen Prägung. Erleben wir also religionsübergreifend eine Konjunktur des Fundamentalismus?

In Zeiten ökonomischer und gesellschaftlicher Unsicherheit hat der Glauben für viele Menschen eine bindende Funktion, allen Theorien vom Ende Gottes in einer aufgeklärten Welt zum Trotz. Und weil im Zeichen der Globalisierung der Religionen eine Konkurrenzsituation entsteht, in der Deutlichkeit ein Vorteil ist, findet möglicherweise die Rigidität fundamentalistischer Positionen leichter Gehör als die diskursive Struktur „weicher“ Ansätze.

Geprägt wurde der Begriff des „Fundamentalismus“ Anfang des 20. Jahrhunderts – als zutiefst christliches, auf die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift verweisendes Gegenelement zur modernen, aufgeklärten Welt. Heute meint Fundamentalismus generell eine konservative, antiliberale, antimoderne Haltung. Was zeichnet fundamentalistische Positionen aus? Welches sind ihre Vor-, welche ihre Nachteile? Wie ähnlich sind sich islamischer, jüdischer und christlicher Fundamentalismus?

 Wie viel Raum können wir fundamentalistischen Positionen in einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft zugestehen?

Ich muss sagen, dass diese Betrachtung des Begriffs „Fundamentalismus“ sehr interessante und vor allem kommunikationsöffnende Aspekte aufzeigt. Hier wird deutlich das Verstehen des Anderen gesucht und nicht die Abgrenzung. Es wird über die Schwächen und auch Stärken fundamentalistischer Haltungen gesprochen. Aber auch über die Möglichkeit, dass es durchaus auch möglich ist, fundamentalistische Haltungen zu haben, ohne damit einen begrenzten Intellekt zu verbinden.

Diese Sendung gibt gute Gedankenanstöße und regt zur Diskussion an. Eine Diskussion, die zu einem Teil gleich hier beginnen kann … (siehe Kommentarmöglichkeit unter dem Beitrag hier)

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3 Gedanken zu „Fundamentalismus philosophisch betrachtet“

  1. Wenn wir konkret unterscheiden was Fundamentalismus ursprünglich bedeutet hat und wie der Begriff heute verwendet wird, dann möchte ich ihn garnicht erst verwenden sondern deutlich differenzierter vorgehen.

    Ein Fundament zu haben bedeutet zuerst einmal auf etwas Zuverlässiges, Dauerhaftes zu bauen und dadurch eine klare Position beziehen zu können.

    Dabei leitet sich die Klarheit und Zuverlässigkeit der bezogenen Position ziemlich direkt aus der Sicherheit und Verläßlichkeit der Fundamente und der darauf angewandten / aufbauenden Methoden ab.

    Oft fehlt es aber bei dem was inzwischen als „Fundamentalismus“ bezeichnet wird nicht nur an der methodischen Sorgfalt oder gründlichen Verifikation der Basis sondern oft sind viel mehr Manipulation und (geistlicher) Mißbrauch damit verbunden.

    Mit Hilfe dieser Differenzierung könnte man – meistens sogar recht leicht – einen gesunden Fundameltalismus (alte Begrifflichkeit) von den Mißbrauchenden politischen oder religiösen Systemen unterscheiden, die häuhfig mit dem modernen Funadmentalismus-Begriff bezeichnet werden.

  2. Mein Beitrag war schneller verfaßt als es gebraucht hätte die Sendung zu hören 🙂
    UND das Gesagte ist (eigentlich) vollkommen offensichtlich, aber anscheinend interessiert es nur eine denkende Minderheitwährend die Masse den Begriff undifferenziert udn difamierend gebraucht …

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