Charlie Hebdo verbreitet Bombenstimmung

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Charlie Hebdo zündelt
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Wut über Mohammed-Karikaturen / Erneut Tote bei Protesten in Niger Quelle: tageschau.de

Im Niger sterben zehn Menschen bei Protesten gegen die Mohammed-Karikatur des französischen Satiremagazins – viele davon in Kirchen. Quelle: welt.de

Niger: 72 Kirchen zerstört – wegen Karikaturen Quelle: Open Doors

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Ein Gedanke zu „Charlie Hebdo verbreitet Bombenstimmung“

  1. Hier ein lesenswerter Beitrag aus der FAZ
    Auszüge:

    Soll jeder zu allem seinen Senf dazu geben – oder hat Meinungsfreiheit auch etwas mit Zurückhaltung zu tun? Über die Satire als vermeintliche Speerspitze der Aufklärung….

    Es gibt keine Meinungsfreiheit. Genauer: Es gibt keine Meinungsäußerungsfreiheit. Genauer: Es gibt keine absolute, schrankenlose Meinungsäußerungsfreiheit. Die gibt es nur als spätpubertäres Hirngespinst, in das man sich natürlich einspinnen kann, dem man aber weder Verfassungsrang noch Lebenstauglichkeit zubilligen sollte. Wer äußert schon an jedem Ort zu jeder Zeit jede Meinung, die er hat? Nur Vollidioten, sollte man meinen. Leute, die die Gesetze, die für alle gelten, nicht kennen (siehe Volksverhetzung, Beleidigung). Oder die gern Chefs und Ehepartner wechseln, weil ein Zwang auf ihnen liegt, gerade jenen Menschen, von denen sie in irgendeiner Hinsicht abhängen, ordentlich die Meinung zu geigen. Jetzt erst recht und je länger, desto lieber. Anders gesagt: Auch das Grundrecht der Meinungsfreiheit ist ein solches, das seine Schranken in anderen Grundrechten respektive Klugheitsregeln findet. Eine „Verabsolutierung von Rechtspositionen“ jenseits des Menschenwürdeartikels „ist der staatlichen Rechtsordnung fremd“, erläuterte unlängst noch einmal das Bundesverfassungsgericht. Rechtsverständnis (und Lebenserfahrung) bewähren sich in der Güterabwägung…..

    Ist es trivial, daran zu erinnern? Durchaus nicht. Nach den jüngsten Terroranschlägen konnte man manchmal den Eindruck haben, als hingen unsere westlichen Freiheitsrechte an einer Mohammed-Karikatur, die als Emblem der Aufklärung nicht nur jeder handwerklichen Kritik entzogen schien, sondern auch repetitiv weiterzudrucken sei, so man auf der Seite der Meinungsfreiheit stehe. …

    Natürlich darf Satire als Lackmustest der Meinungsfreiheit mehr als das. Sie darf nicht nur vorgeschützte, sondern auch echte Gefühle verletzen. Sie darf grottenschlecht und geschmacklos sein, bieder und altherrenhaft, ästhetisch unterste Schublade. Qualität ist nicht Kriterium ihrer Legitimität. Aber gerade deshalb fragt sich, ob sie das Zeug hat, jene Speerspitze der Aufklärung zu sein, als die sie sich nach Paris und Kopenhagen geriert. Wenn es nicht wichtig ist, ob der Witz zündet, ein Gedanke transportiert wird, eine Pointe aufgeht, ein Strich verfängt, wenn, mit anderen Worten, Satire nicht intelligent zu sein braucht, um ihr Genre abzudecken, dann sollte man sich von ihrem aufklärerischen Gehalt vielleicht nicht zu viel versprechen. Und öfter mal von Groteske statt immer gleich von Satire reden….

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