Just think about I

Lesezeit: 6 Minuten

 

Denker
© by Charly Lücker

Amoklauf / Proteste in Heinsberg / Neues von Todd Bentley / Bibelwissen unter Christen / Hetze gegen Evangelikale

In dieser Woche brachten mich wieder gewisse Dinge und Vorkommnisse zum Nachdenken. Ok, ich denke eigentlich immer über etwas nach, aber dies beschäftigte mich dann doch länger.

Amoklauf
Klar schockte der Amoklauf in Winnenden die ganze Welt. So manche Diskussion darüber ist verständlich, manche drückt die Hilflosigkeit gegenüber solchen Geschehnissen aus und manche ist einfach überflüssig.

Man versucht zu verstehen, was einen so jungen Mann zu einer solchen Tat veranlasst. Man sucht eine Antwort darauf, wer für sowas Verantwortlich zu machen sei. Wo liegt und wer hat Schuld?
Mir scheint dies alles sehr komplex zu sein. Und Schuld mag hier auf vielen Schultern liegen. Dort wo Menschen im Umfeld evtl. mehr beim Täter hätten bemerken sollen. Dort wo wir alle eine Umwelt schaffen die solche Amokläufe erst zu einer möglichen Option machen. In dem, wie wir mit Waffen umgehen, oder besser mit Gewalt überhaupt.
Richtig, solche Ballergames machen keine Täter, aber sie sind Ausdruck einer äußerst gewalttoleranten Gesellschaft. Sollten sie verboten werden? Also meiner Meinung nach sollte nicht nur eine Altersbegrenzung da sein, sondern eine gesellschaftliche Ächtung, so dass sowas nicht erst produziert wird. Was bitte ist mit uns passiert, dass wir zum Freizeitvergnügen massenweise (wenn auch „nur“ virtuell) Menschen ermorden?

Natürlich war ich neugierig darauf wie dieses Thema in den christlichen Blogs besprochen würde. Das Thema wurde wenig aufgegriffen – gut so, weil damit auch nicht lediglich eine Wiederholung all dessen gebracht wurde, was eh in allen Medien breitgetreten wird.
Einzelne lesenswerte Blogbeiträge habe ich gefunden. Leider aber auch Beiträge, die ich schon fast unter die Rubrik: „Was die Welt nicht braucht… und Christen sich verkneifen sollten“ einordnen wollte.

Also nein danke, es ist nichts wirklich „geistliches“ daran, angesichts eines solchen Massakers laut über die Sünde zu schreien, die unter den Menschen herrscht. Selbst dann nicht, wenn man sich selbst dabei nicht ausnimmt. Meine Güte, dass dies Geschehene ein schrecklicher Ausdruck von mancherlei Sünde ist, kann sich sogar der heftigste Agnostiker denken. Viel wichtiger erscheint mir, dass Christen angesichts solchen Geschehens von dem Erbarmen, der Gnade und auch über die Gerechtigkeit Gottes reden.

Der Sexualstraftäter in Heinsberg
Vorher schon brachte der Sexualstraftäter, der nach der Haftentlassung zu seinen Bruder nach Heinsberg gezogen ist, die Medien in Wallung. Hier stellt sich mir bald die Frage, wer eigentlich perverser ist: dieser Straftäter oder die Medien?
Durch die fragwürdige Aktion des Landrats steht ein Thema wieder im Zentrum, das immer schon recht schwierig war. Kennen wir dieses Bloßstellen von Sexualstraftätern bisher nur aus Amerika, so sind wir nun her in Deutschland damit konfrontiert.

Ist es richtig und wichtig die Gesellschaft vor Sexualstraftätern zu schützen? Also ich meine: Ja. Dies mit allen Mitteln? Also da meine ich dann doch eher: Nein.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie sehr die Angst und Wut unmittelbare und mittelbare Opfer solcher Gewalt treibt. Die Wut derer ist mir sehr verständlich. Aber Wut und Angst sind schlechte Ratgeber bei solchen Themen.

So kam es in Heinsberg wie es zu erwarten war: Hassparolen und Morddrohungen wurden dort von dem Mob unter den Demonstranten herausgespuckt. Ich kann mich hinter die Demonstrationen im Ortskern stellen, die das Thema an sich zum Thema des Protest machten. Hinter den „Demonstrationen“ aber, die direkt vor dem Haus des Bruders stattfanden/stattfinden kann ich jedoch keinen rationalen Sinn sehen. Ja vielmehr noch, ich finde sowas schlicht nur abstoßend. Insbesondere wenn in Parolen und Bannern pure, dumme Gewalt abgedroht wird.

Was auffällt ist auch, wie schnell Gerichte in so manchen Fällen handeln können – wie z.B. bei Trittbrettfahrern des Amokslauf oder in der Vergabe eines doch recht milden Urteils gegen einen beliebten Politiker. Hier aber erweisen sich Richter als enorm träge. Bis Ende April dürfen wir noch warten, bis sie sich zu dem weiteren Vorgehen in dem Fall äußern – wenn wir nicht noch länger darauf warten müssen.
Ich kann natürlich nicht wirklich beurteilen, was mit diesem Mann geschehen sollte – denn nur aufgrund recht verstümmelter Informationen aus den Medien ist eine Meinung dazu kaum zu stützen. Durch die jetzt entstandene Situation würde ich eine erneute Inhaftierung, resp. eine Sicherungsverwahrung des Täters jedoch gut heißen wollen. Alleine schon deshalb, damit in der notwendigen Ruhe abgewägt werden kann, wie es mit diesem Mann in unserer Gesellschaft weiter gehen soll.

Neues von Todd Bentely
Ach ja, Amerika…. Da kommt die Nachricht, dass der Skandalprediger – bekannt nicht zuletzt aus dem „Erweckungs“-Desaster in Lakeland – Florida, schon geschieden ist und sofort seine Geliebte geheiratet hat. Nun ja, was war anderes zu erwarten? Nach und nach wurde in den letzten Monaten ein Detail nach dem anderen über ihn öffentlich. So hatte er diese Geliebte wohl schon im Januar letzten Jahres und scheute sich dennoch nicht davor zurück sich als „Erweckungsprediger“ in Lakeland zu präsentieren. Aber das ist im Vergleich mit den Irrlehren, die Bentley schon vor Lakeland verbreitete, eher weniger verwunderlich.

Die Meldung von der Hochzeit Bentelys lies Lee Grady, Herausgeber der amerikanischen „Charisma„, einen Kommentar veröffentlichen, den ich recht gut und notwendig finde: „The Tragic Skandal of Greasy Grace“ was soviel heißt wie: „Der traurige Skandal der schmierigen / billigen Gnade“. Darin bemängelt er völlig zurecht, dass es nicht sein kann das Bentley so einfach meint wieder in den Dienst als „Evangelist“ zurück zu kommen. Ebenso prangert er an, dass unter den Charismatikern, zu denen er sich ja selbst zählt, zu leicht biblische Werte angesichts einer angeblichen „Salbung“ verworfen werden. Damit zielte er auch deutlich auf Rick Joyner, der Todd Bentley auf seinem „Heilungsweg“ begleitet. Rick Joyner ist selbst äußerst umstritten und mehr und mehr bekannt für recht seltsame, bibelfremde Lehren und Praktiken.

Rick Joyner nun ließ sich nicht lumpen und Schrieb Lee Grady einen Erwiderung, in der er Grady arg beschimpft und ihn zu einer öffentlichen Entschuldigung nötigt. Würde Grady dem nicht entsprechen, würde Joyner dies öffentlich machen – Grady kam ihm zuvor. Tja, schlecht gelaufen Herr Joyner. Wenn ich diese Erwiderung lese kommt mir vor allem ein Gedanke: Wie arrogant und der Wirklichkeit enthoben Rick Joyner und Co. doch sind.
Dazu ein weiterer Gedanke von mir: „Thank you, Mr. Grady for your straightness and boldnsess and your clear words in this affair!“ Mögen Ihre Worte auch deutsche Christen erreichen.
R. Joyner meint in dem ersten Video (sie wollen jetzt wöchentlich auf der Homepage von Joyners Gemeinde ‚Morningstar‘ ein Video mit Joyner und Bentley veröffentlichen) dass Todd doch nun sicherlich ebenfalls Geschiedene und Wiederverheiratete Christen kompetent helfen könne. But sorry: da Todd nicht schnell genug geschieden werden konnte und keine Zeit verlor – um etwa seine Geschichte aufzuarbeiten – wieder zu heiraten, eignet sich Todd nunmal garnicht dazu Jemanden in ähnlichen Situationen zu helfen. Wer anderen in Bereichen helfen will, die er selbst erlebt hat, sollte seine eigene Geschichte auch wirklich verarbeitet haben und sich nicht durch sein Flucht- und Vermeidungsverhalten hervorheben.

Das Bibelwissen unter den Christen
Das bringt mich mal wieder dazu darüber nachzudenken, wie wenig viele Christen – auch und gerade so manche recht
begeisterten Christen – ihre Bibel kennen. Die Tage hatte ich Gelegenheit eine Gruppe von Christen darum zu bitten in eigenen Worten das Gleichnis vom Schalksknecht zusammenzufassen. Ich traf auf betretenes Schweigen. Komisch, sollte ein solch beliebtes Predigtthema nicht bekannt sein? Sollten Christen, die sich häufig bis regelmäßig mit ihrer Bibel auseinandersetzen diese Geschichte nicht aus dem Effeff erzählen können?
Nun falls Sie, lieber Leser, gerade ins stocken kommen: Sie finden das Gleichnis in Matthäus 18:21-35.

Dass diese Geschichte bei vielen Christen anscheinend nicht wirklich bekannt ist, mag noch nachzusehen sein. Das ist aber, angesichts so mancher Reaktionen zu den zuvor genannten Themen offensichtlich mangelnde Wissen über die Bibel und damit über den chr. Glauben, an sich mehr wie traurig.

Hetze gegen Evangelikale
Ich habe ja schon früh auf das neue Buch „Mission Gottesreich“ hingewiesen, das offensichtlich nur eine Fortsetzung der wenig intelligenten und sträflich oberflächlichen und uninformierten Hetze gegen Evangelikale darstellt. Allerlei Fakten gesammelt zu haben ist (dies an die Autoren des Buchs) stellt noch kein echtes Wissen, geschweige denn ein echtes Verstehen über das Thema dar.
Interessant zu verfolgen wie mit dem Thema im Internet umgegangen wird und was für Leute sich dazu zu Wort melden. Ich habe diesem Blog manch Kommentar von Leuten erspart, für die ich hier ganz sicher keine Bühne bieten werde.

Es ist geradezu erbärmlich zu hören und zu lesen, wie extrem einseitig und sträflich uninformiert div. Leute meinen sich dem momentanen Trend gegen Evangelikale zu hetzen einzureihen. Mein Gedanke dazu, dem ich mich nicht erwehren kann: „Wer keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten!“

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Ein Gedanke zu „Just think about I“

  1. zum Amoklauf und Schuld kann ich dir nur zustimmen…ich selber denke auch sehr viel drüber nach und habe bei mir auch eine eventuell etwas zu knallharte Schuldthese veröffentlicht. Lies es einfach, Das waren meine Empfindungen zu dem Thema in dieser Woche.

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