Salafisten in Mönchengladbach III

Lesezeit: 3 Minuten
© Charly Lücker

Der WDR hat in seiner SendereiheTag 7″ einen Bericht über die Bürgerbewegung: „Bürger für Mönchengladbach“ gebracht, der recht aufschlussreich ist.
(Hier eine begrenzte Zeit im Internet zu sehen)
Dazu begleitete das Team für eine Weile die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Jutta Wimhöfer. Ebenso suchten sie Kommentare von den Salafisten zu erhalten.

Ich finde einiges aus der Reportage erhellend und erschreckend. Denn sie offenbart mit was für eine Art Bürgerbewegung wir es hier zu tun haben.

Angefangen mit einer Aussage von Frau Jutta Wimhöfer, die selbst der WDR so bemerkenswert hielt, dass er dazu ein Bonusvideo auf seine Homepage stellte : „Das waren früher ganz normale Islamisten …“. Erst Muslime, die sich ebenfalls der Bürgerbewegung angeschlossen haben, resp. eine Muslima, die den Infostand besuchte, stellten klar, dass es um den Unterschied zwischen Moslems und Islamisten geht. Und nicht um Islamisten und Extremisten, wie es Frau Jutta Wimhöfer ausführte.
Man sollte doch von der stellvertretenden Vorsitzenden dieses Vereins erwarten können, dass sie zumindest die Grundbegrifflichkeiten verstanden hat um die es geht, ehe sie einen solchen Verein ins Leben ruft.

Offensichtlich geht es der Bürgerbewegung nicht um ein tolerantes Miteinander zwischen den Bürgern unterschiedlicher Herkunft und Glaubensüberzeugung. Es geht um ein plattes: „Wir wollen die hier nicht!“

Weitere Peinlichkeiten, die der Bericht offenbart:
Da finden sich die beiden Vorsitzenden des Vereins vor einer Hinterhof-Moschee anderer Moslems ein, um dort, nach angeblicher Absprache mit dem Imam der Moschee, eine Einladung zur Weihnachtsfeier auf den Eickener Marktplatz loszuwerden.
Da – es kann kaum passender ausgedrückt werden – latschen die Beiden, auf der Suche nach dem Imam,  mit ihren Straßenschuhen in den Gebetsraum. Einen sakralen Raum, in dem es hochgradig um Reinheit geht! Das hätte man nicht wissen können, als Leute die sich so kompetent informiert geben wollen, dass man soetwas nicht tut?

Zu der Weihnachtsfeier kamen dann tatsächlich auch ein paar moslemische Männer aus dieser Moschee, jung und alt, zu dem Fest. Dort gab es – was wieder diese Ignoranz und Arroganz der Bürgerbewegung aufzeigt – dann auch „passenderweise“ Schweinewürstchen vom Grill und Glühwein. Schweinefleisch und Alkohol, wenn man mit Moslems einen respektvollen Umgang pflegen will?? Darüber hinaus wurden die Moslems dann auch noch, samt anwesenden Weihnachtsmann, dazu angehalten ein Nikolauslied mitzusingen.
Die jungen Männer wurden naiv befragt, wo denn die moslemischen Frauen seien. Das auch ganz „normale“ Moslems zu einem guten Teil ihre Frauen nicht nach den Werten unserer Gesellschaft behandeln, ist mal wieder völlig ins Ignoranten-Nirwana versunken. Stichwort Kopftuchdebatte und Isolierung der Frauen von der Umwelt, etcpp.

Offensichtlich ist also was die Bürgerbewegung unter „friedlichen und respektvollen“ Umgang zwischen Nichtmoslems und Moslems zu verstehen scheint: „Die sollen einfach so leben wie wir und unsere Lebensweisen teilen, dann klappt das schon“ oder wie?

Ich habe in der Reportage wiederholt meinen bisherigen Eindruck bestätigt gefunden, dass diese Bürgerbewegung schlicht nicht weiß, wogegen sie da eigentlich sind und sich in der unhaltbaren Phantasie verläuft, es könne ein passendes Ziel sein unbequeme Glaubensgemeinschaften einfach „loszuwerden“. Und das nicht nur in Mönchengladbach, sondern am Besten gleich in ganz Deutschland. Es scheint dort auch in keiner Weise die Notwendigkeit, zu einer qualifizieren Kenntnis über den Islam zu kommen, in der Bürgerbewegung vorhanden zu sein.

Passenderweise wurde in der Reportage dann auch öffentlich der schon früh von der Bürgerbewegung abgespaltenen Gruppe unterstellt, rechtes Gedankengut zu verbreiten – was diese Gruppe wohl ganz anders sehen wird.

Da frage ich mich was wohl schlimmer ist, Salafiten in der Stadt oder eine solche „Bürgerbewegung“? Um es nochmal klar zu sagen: Ich bin durchaus mit einer Bürgerbewegung gegen die drohende Gefahr, die von Salafisten ausgehen kann, einverstanden, wenn sie intelligent geführt wird und realistische Ziele verfolgt werden. Aber das was zur Zeit in Mönchengladbach aktiv ist, ist für Niemanden ein Gewinn.

Fortsetzung

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2 Gedanken zu „Salafisten in Mönchengladbach III“

  1. Kirchen suchen den Dialog mit Salafisten
    Na endlich gibt es in MG Initiativen, die einen demokratischeren Weg in der Frage suchen.
    Die RP meldet heute u.a.:
    Kirchen suchen den Dialog mit Salafisten
    … Nun möchte die katholische Kirche im Raum Mönchengladbach vermitteln. Unter dem Titel „Muslimisch-christlicher Dialog“ werden am 15. und 22. Februar zwei Informationsabende veranstaltet. Ziel ist es, Verständnis und Toleranz auf beiden Seiten zu fördern….
    … Dirk Sasse, evangelischer Pfarrer in Eicken, möchte das Problem in erster Linie sachlich angehen und klar Position beziehen. In vielen Dingen seien sich die Kirchen und die Bürgerinitiative einig. Ein Dissens bestehe aber in der Art des Protestes. Laut Sasse bringt es nichts, mit Parolen um sich zu schmeißen. Ein Slogan wie „Gladbach gehört uns“ ist für ihn nicht tragbar….
    …Wolfgang Bußler, katholischer Pfarrer der Gemeinde St. Vitus, betont, dass die Kirche in ständigem Dialog mit muslimischen Gemeinden steht. „Das klappt mit vielen ganz hervorragend.“ Das Problem beim Verein „Einladung zum Paradies“ sei aber, dass einfach die Basis fehle….
    …In einem Punkt sind sich die Initiatoren einig: Es muss ein Weg gefunden werden, mit dem Verein auszukommen….

    Wollen wir hoffen, dass dies auch den „Bürgern für Mönchengladbach“ bessere und realistischer Wege aufzeigt.

  2. Eigentlich freut es einem ja, wenn ein Blogbeitrag viel Aufmerksamkeit findet und dieser sogar an anderer Stelle zitiert wird. Gerade dieser Beitrag von mir hat bisher sehr viel Aufmerksamkeit erregt und nun wurde er fast vollständig zitiert. Auf einer islamische Seite.

    So weit, so nett. Wäre es nicht so, dass – entgegen meiner ausdrücklichen Angaben zum Copyright auf meinem Blog! – mein Beitrag nur unvollständig zitiert wurde. Gerade der letzte Abschnitt, der meine ebenso kritische Haltung zu der Gefahr, die aus solchen salafistischen Kreisen durchaus kommen kann, beschreibt, wurde herausgelassen.
    Schon zweimal habe ich per Kommentar dies bemängelt, was aber einfach ignoriert wird.

    Liebe muslimische Mitbürger: Wenn ihr Ernst genommen werden und nicht nur als Polemiker verschrieen werden wollt, solltet ihr solche Aktionen schlicht unterlassen. Ich bin kein Sympathisant eurer Sache und möchte auch nicht als ein solcher dargestellt werden! Ich bemühe mich um einen kritischen Blick auf die Dinge, die mich umgeben. Ich respektiere, als gläubiger Christ, den Glauben anderer und erhoffe mir im Gegenzug ebenfalls den angebrachten Respekt.

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