Glaube ohne Zweifel?

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Immer wieder begegnet einem die folgende Aussage unter Christen: „Wer noch nie gezweifelt hat, der hat auch nie wirklich geglaubt.“ Das wird oft reichlich begründet und Zweifel quasi als Maßstab für echten Glauben qualifiziert.

Ich behaupte jedoch: Wer immer noch zweifelt, hat den Glauben an Gott noch nicht verstanden!
Das kann ich wiederum aus der Bibel gut belegen. Ich bin auch der Meinung, dass es sehr wichtig ist, Unglaube und Zweifel deutlich zu unterscheiden, denn diese Unterscheidung macht auch die Bibel. Glaube und Unglaube schließen sich tatsächlich gegenseitig nicht aus. Glaube und Zweifel hingegen sehr wohl. Steile These? Dann wollen wir mal nachsehen:

Wir finden in der Bibel Aussagen wie:

Mt 21:21 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum Geschehene tun, sondern wenn ihr auch zu diesem Berg sagen werdet: Hebe dich empor und wirf dich ins Meer! so wird es geschehen.

Rö 14:23 Wer aber zweifelt, wenn er ißt, der ist verurteilt, weil er es nicht aus Glauben tut. Alles aber, was nicht aus Glauben ist, ist Sünde.

1Ti 2:8 Ich will nun, daß die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung,

Jak 1:6 Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln; denn der Zweifler gleicht einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. (Rev.Elb)

Zweifel ist nach dem griechischen Grundtext:
Doppelt gesinnt: im Denken, Fühlen und Entscheiden hin und hergerissen werdend; unsicher; von verschiedenen Interessen getrieben; daher: wankend, taumelnd und unentschlossen; geteilten Herzens; ungewiß, wankelmütig.
Testen, untersuchen; bestimmen, beurteilen.
Auf zwei Seiten stehend, zaudern, aus Zweifel zögern, wanken. (Aus den Strongs Übersetzungen der bibl. Sprachen)

Diesem Zweifel muss man also folgende Aussage Jesu entgegen halten:
Mt 6:24 Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. (Rev.Elb)

Außerdem finden wir in der Bibel auch folgende Aussagen:

Mt 13:58  Und er tat dort nicht viele Wunderwerke wegen ihres Unglaubens.
Mark 9:24  Sogleich schrie der Vater des Kindes und sagte: Ich glaube. Hilf meinem Unglauben! (Rev.Elb)

Unglaube ist nach dem griechischen Grundtext:
Mangel an Glaube, das Mißtrauen, der schwache Glaube.
Untreue; die Unzuverlässigkeit, die Treulosigkeit.
der Kleinglaube; Mangel an Glaube bzw. Vertrauen; Glaubensschwäche. (Aus den Strongs Übersetzungen der bibl. Sprachen)

Diese Glaubensschwäche finden wir auch, etwas versteckt, im Jakobusbrief wieder.

Jak. 4:14 Ist jemand unter euch [krank und] schwach, [so] lasse er die Ältesten der herausgerufenen [Gemeinde] rufen; sie sollen über ihm beten [und] ihn im Namen des Herrn [mit] Öl einreiben, 15 und das Gelübde des Glaubens wird den Wankenden retten, und der Herr wird ihn aufrichten. Wenn er Sünden (wörtl.: Zielverfehlungen) begangen hat, [so] wir ihm vergeben werden. 16 Bekennet nun einander offen die Sünden (wörtl.: Zielverfehlungen) und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. (Konkordante Übers.)
Nach einem gründlichen Studium dieses Textes, insbesondere im Kontext, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass Jakobus hier eher über im Glauben schwach (Unglaube) gewordene Christen redet, als über körperlich kranke. Beide Übersetzungen sind aber möglich.

Zweifel <-> Unglaube
Der Zweifler  und der Zweifel an sich, wird deutlich von Gott abgewiesen. Jemand, der Unglaube hat, wird dagegen von Gott angenommen und gestärkt.
Denn im Glauben an Gott geht es um Vertrauen. Vertrauen kennt aber das schwache Vertrauen: das Misstrauen /den Unglauben.
Der misstrauische Mensch ist zumindest mit der Überzeugung beseelt, dass das Ziel seines Vertrauens das in ihm gesetzte Vertrauen eigentlich belohnen kann / zu dem fähig ist, was man ihm zutraut.
Der Zweifler hingegen weiß nicht, ob und wem er überhaupt vertrauen kann, außer sich selbst. Der Zweifler traut seinem Gegenüber zunächst einmal nichts zu. Beim Zweifler stellt sich auch die Frage, ob dieser überhaupt fähig oder willens ist zu Vertrauen.

Zu Vertrauen bedeutet nicht, dass man das Ziel seines Vertrauens und seine Überzeugungen bezüglich dieses Ziels nicht hinterfragen dürfte. Das darf man sehr wohl und das sollte man auch unbedingt tun. Denn nur so kann man Denjenigen, den man sein Vertrauen gibt, mehr und mehr kennenlernen und eigenen Irrtümern ihm gegenüber auf die Spur kommen. Um solche Fragen stellen zu können, bedarf es keinen Zweifel.

Deshalb: Wer immer noch zweifelt, hat den Glauben an Gott noch nicht verstanden!

Ergo: Glaube keinem Prediger, der dir Zweifel als Glaubensmaßstab verkaufen will.

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2 Gedanken zu „Glaube ohne Zweifel?“

  1. Das ist mir doch zu simpel gestrickt.
    Hat keine Sinn sich mit diesen schwarz-weiß Gedanken zu beschäftigen.
    Wem es so geht, wie es der Autor beschreibt, Hallelujah.

    1. Zu dem Kommentar habe ich Fragen:
      – Welche schwarz-weiß Gedanken bitte? Weder Zweifel, noch Vertrauen sind schwarz-weiß. Ich habe aufgezeigt, wie anders diese beiden im Wesen sind und deshalb eben nicht gleichzusetzen.
      – Hast du überhaupt verstanden, was ich ausgeführt habe? Denn simpel ist an meinen Ausführungen schlicht nichts. Sie bieten aber einen Einstig in recht komplexe Überlegungen.

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