Ein Buch aller Religionen

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Altes Buch der Geheimnisse
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Jüngst habe ich mal wieder eine Folge Star Trek Discovery gesehen. Von Staffel zwei die zweite Folge: „New Eden“.
Die Crew der Discovery folgt einem mysteriösen Signal aus dem Beta-Quadranten. Dort findet sie einen erdähnlichen Planeten vor, auf dem Menschen der Erde zu finden sind, die vor 200 Jahren, mitten im dritten verheerenden Weltkrieg, auf unerklärliche Weise dorthin geraten sind. Diese Kultur entspricht noch der sogenannten Präwarp-Gesellschaft, zu der also nicht offen, sondern nur verdeckt Kontakt aufgenommen werden darf.

Die Crew findet dort ein altes Kirchengebäude vor, welches hier mein Interesse weckt.
In dieser Kirche, die laut den Glasfenstermotiven allen möglichen irdischen Religionen gewidmet ist, liegt auf einer Kanzel ein offensichtlich zusammengestelltes heiliges Buch und auf einer anderen eine alte ebenso zusammengestellte Schriftrolle. Sie beinhalten Zitate und Essenzen aller möglichen Religionen. Also eine heilige Schrift für alle Religionen? Ist so etwas realistisch? Könnte man eine solche tatsächlich zusammenstellen?

Meiner Meinung nach könnte eine solche Schriftensammlung maximal die Qualität von Kalendersprüchen haben. Warum, was lässt mich zu dieser Meinung kommen?
Bei manchen der heiligen Bücher der Religionen handelt es sich um gesammelten Texte und Zitate weiser, als heilig geltender Personen. Hier würde das Prinzip gegebenenfalls noch funktionieren. Doch bei anderen soll es sich um Texte handeln, die den Autoren offenbart worden sind und/oder die sich auf eine personale Gottheit beziehen. Hier haben wir also bestimmte Bezugspersonen, auf die sich diese Texte beziehen. Spätestens bei den drei Religionen: Judentum, Christenheit und Islam ist das konkret so.

Nehmen wir zur beispielhaften Betrachtung die heiligen Bücher dieser drei Religionen und schauen, was hierbei herauskommt.
Die Bibel der Christen stellt sich aus den heiligen Büchern der Juden im Alten Testament und den neueren Schriften der christlichen Autoren im Neuen Testament zusammen. Die Begleitschriften der Juden zu den heiligen Büchern fallen hier weg. In diesen begleitenden Kommentaren sind Deutungen zu finden, die mit den Lehren des Neuen Testaments nicht oder nur schwer kompatibel erscheinen. Vergleicht man das Gottesbild des Alten und des Neuen Testaments, wird, bei einem seriösen und intelligenten Studium der Bücher, deutlich, dass sie von dem gleichen Gott berichten.

Der Koran berichtet zwar auch zum Teil von denselben Begebenheiten des Alten Testaments, fügt aber Offenbarungen hinzu, die Mohammed bekommen haben soll. Vergleicht man nun das sich daraus ergebene Bild des dargestellten Gottes, kommt man um erhebliche Diskrepanzen nicht herum. Der Gott des Koran kann aus ersichtlichen Gründen nicht der Gott der Tanach, der hebräischen Bibel, und des Neuen Testaments sein, obwohl das im Koran behauptet wird. Es sei denn, man will sich mit einer Gottheit, neben der keine weiteren Götter existieren, zufrieden geben, die sich gerne auch mal komplett widerspricht. Doch mal ehrlich, was will man mit einem solchen Gott? Will man also alle drei Religionen harmonisieren, geht das nur, wenn man den Grundanspruch der Offenbarungen des einen und einzigen Gottes komplett verwirft. Erschreckenderweise, versuchen heutzutage viele Menschen das und wundern sich, dass sie damit nicht wirklich vorankommen und auf viel Kritik stoßen.

Was kann also eine solche Zitatesammlung aus heiligen Büchern verschiedenster Religionen, monotheistischer und polytheistischer Natur, tatsächlich noch an Sinnvollem ergeben? Wohl nicht mehr als eine Art Kalenderspruchsammlung ohne wirklichen religiösen Anspruch. Denn man kann ein solches Buch nicht irgendwie sinnvoll zusammenstellen, ohne die grundlegenden Ansprüche der jeweiligen Religionen auszuklammern. Denn die unterschiedlichen Vorstellungen von Gott oder ähnlichem kann man nicht harmonisieren.
Tatsächlich ergibt hier ein humanistischer Ansatz, wie er als Grundlage der Sternenflotte zumeist zu finden ist, mehr Sinn. Eben der Verzicht auf Götter und Religionen als Grundlage der Gesellschaft, in der Annahme, dass der Mensch fähig ist, selbst Werte und Prinzipien zu entwickeln, auf deren Grundlage ein gelingendes Miteinander aufgebaut werden kann. Ein Ansatz, der sich aber nicht gegen Religionen und dessen Überzeugungen stellt. Solange die Anhänger solcher Religionen nicht die Gemeinschaft der Spezies in der „Vereinigten Föderation der Planeten“, bedrohen.

Offenbar findet nach über zweihundert Jahren diese neue Religion auf New Eden immer weniger Anhänger. Was kaum verwundert, da eine solche Mischreligion kaum, wenn überhaupt sinnstiftend und damit auch nicht Hoffnung gebend sein kann.

Die Serie Star Trek greift hier also wieder ein gesellschaftliches Phänomen auf. Wie so oft wird eine aktuelle Entwicklung aufgegriffen und kritisch zum Thema gemacht. In dieser Folge findet dieser Aspekt aber noch keinen Abschluss, da schon seit der ersten Folge der zweiten Staffel, ein Wesen aktiv zu sein scheint, welches Ähnlichkeiten mit Q, aus „Next Generation“ etc. und dem „Fürsorger“ aus Voyager aufzeigt. Ein Wesen, welches weit über den verschiedenen Spezies der „Vereinigten Föderation der Planeten“ steht, aber dennoch ebenso weit von dem einen Gott der Juden und Christen entfernt ist.
Unser gesellschaftliches Phänomen ist, dass es tatsächlich erhebliche Bemühungen gibt, die verschiedensten Religionen miteinander zu harmonisieren. Weitaus klüger wäre es hingegen, die unterschiedlichen Religionen so weit in ihrer Eigenständigkeit zu belassen, solange dessen Anhänger die Gemeinschaft der Menschen auf unseren Planeten nicht bedrohen. Das Ergebnis solcher Harmonisierungsbemühungen kann auch nur in einer Sinn- und Hoffnungslosigkeit enden. Damit ergeben solche Bemühungen kein wirklich erstrebenswertes Ziel. Sucht man aber die Religionen in ihrem Streben zu verstehen, wird man auf viel mehr Verbindendes stoßen, als man anfangs möglicherweise vermuten mag.

Eins ist jedenfalls sicher: Ich bin nicht deshalb Christ, weil mich die Lehren des Christentums so überzeugt hätten oder weil ich so erzogen worden wäre. Ich bin Christ, weil ich persönliche Begegnungen mit meinem Gott erfahren habe. ER ist der Grund meines Glaubens. Aus dieser Erfahrungsgrundlage ergibt sich auch mein Gottesbild, welches eben nicht mit den Gottesbildern anderer Religionen vereinbar ist. Gerade dieser Glaube ist auch der Grund, dass ich mit den gesellschaftlichen Grundlagen der „Vereinigten Föderation der Planeten“ sympathisieren kann. Denn eins sagt mir die Bibel eindeutig: Es wird hier auf Erden keine einheitlich christlich geprägte Gesellschaft geben, solange Jesus nicht selbst wiederkommt und die Regierung über die Welt übernimmt. Es kann aber eine gesellschaftliche Wertegrundlage geschaffen werden, auf deren Basis eine gelingende Gemeinschaft geben kann. Möglich wäre es zumindest theoretisch. Ob aber der Mensch an sich jemals dazu in der Lage sein wird? Ich habe starke Zweifel daran.

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Zu der Folge „New Eden“ selbst, hätte ich doch einige Kritikpunkte anzumerken. Die scheint mir nicht so durchdacht zu sein, wie man es aus vorherigen Produktionen der Star Trek-Reihe ab „The next Generation“ kennt.
Wie kann es sein, dass diese Menschen zwar perfekt die Herstellung von Glasfenstern beherrschen, unter sich auch Wissenschaftler hat, die sich offensichtlich mit Elektrik und Elektronik auskennen, aber keine Stromerzeugung als Energiequelle benutzt?
Woher haben die Überlebenden die ganzen Bücher der anderen Religionen, wenn sie in einer, offensichtlich christlichen, Kirche von der Erde wegtransportiert wurden?
Wieso gibt es dort niemanden, der astronomische Interessen verfolgt und zumindest den Himmel mit Teleskopen beobachtet?
Wieso sind diese Menschen zum großen Teil derart rückständig?
Zuletzt bewegt mich die Frage, entsteht nun, aufgrund der Lösung der akuten Bedrohung des Planeten ein neuer Mond? Danach sah es doch eigentlich aus, oder?

Und ganz zuletzt noch was zum Schmunzeln:


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