Neu in England: Kirche im Café

Lesezeit: 1 Minute

Seit geraumer Zeit habe ich den Wunsch in einer Kneipe ein regelmäßiges Treffen für Christen zu starten. In der Hoffnung, dass dort ein reger Kontakt zu Nichtchristen entsteht und wir Menschen für Christus erreichen. Damit stehe ich sozusagen in den Startlöchern, ich warte darauf, dass auch bei uns in NRW endlich das Rauchen auch in den Kneipen verboten ist.

Jetzt lese ich in der idea, dass Baptisten in England soetwas schon auf ihre Art umsetzen:
Neu in England: Kirche im Café

Anders ist dort, dass sich da eine große Menge von Christen in einem Café versammelt und auch wieder ein Programm durchgeführt wird. (Komisch dass Christen anscheinend immer ein Programm suchen, wenn sie zusammenkommen) Ich stelle mir das eher so vor, dass wir uns als kleine Gruppe treffen und kein Programm haben, außer mit dem Menschen dort in Kontakt zu kommen. Ich traue uns Christen und auch Gott zu, dass Gott auch so zum Zentralthema in unseren Gesprächen wird.

Eventuell lässt sich ja auch so mancher von euch Lesern dazu motivieren so etwas umzusetzen. Wenn ja, würde ich mich über Erfahrungsberichte von euch freuen.

Charly

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Florida Revival – oder wie leicht es doch ist

Lesezeit: 3 Minuten

Dieser Artikel wurde am Freitag, 23. Mai 2008 geschrieben


Ich muss sagen, ich kann es kaum glauben. Ich beschäftige mich nun schon seit geraumer Zeit mit der „Florida Healing Revival“ mit Todd Bentley in Lakeland, Florida.
Es ist überhaupt nicht schwer – aufgrund der Masse an Veröffentlichungen von ihm – sich ein Bild von Todd Bentley zu machen und über das, was er lehrt. Da diese „Erweckung“ auch täglich über God-Tv und per Lifestream im Internet ausgestrahlt wird, ist es eigentlich auch nicht schwer sich ein Bild von dem zu machen, was dort abläuft.

Eigentlich – aber anscheinend nur eigentlich – ist es offensichtlich, das dort lediglich ähnliches zelebriert wird, wie wir es in dem „gelobten Land“ Amerika nun schon so oft hatten, dass es nun wahrlich nicht mehr überraschen sollte.
Offensichtlich ist auch, dass in der ganzen „Erweckung“ nicht nur nicht über das Kreuz Jesu gesprochen wird, geschweige denn über soetwas unbequemes wie Sünde, Buße, Lebensveränderung oder soetwas. (*) Nein es ist auch dermaßen offensichtlich dass dort absolut bibelfremde Lehren über Engel und ähnliches verbreitet werden. Offensichtlich werden dort Irrlehren verbreitet – nur….. es scheint kaum Jemand zu stören!?

Überall – auch auf einzelnen deutschen Hauskirchenblogs – Jubel und fröhliches Erstaunen über die ach so tolle „Erweckung“. Klar, es gibt auch mahnende Stimmen. Diese „Erweckung“ eint die Christen mal wieder nicht, sie zieht einen tiefen Graben zwischen Befürworter und Kritikern. Solche, die nicht nur scharf auf das nächste „Salbungshochgefühl“ sind, sondern sich den Luxus erlauben all dies am Wort Gottes zu prüfen, sind natürlich mit einem „Kritikgeist“ beseelt etc. und werden natürlich an dem „großen Werk“, das dort in Lakeland nun begonnen habe, keinen Anteil haben – wenn sie denn überhaupt tatsächlich Christen sein können, wo sie doch „Gottes Werk“ so kritisch ablehnen.

Ja Richtig, ich bin frustriert. Frustriert darüber wie leicht es doch ist, auch solche Christen wieder ins System einzufangen die sich dem einmal ernüchtert abgewandt haben, nur weil irgendwo „Salbung, Salbung“ gerufen wird. Nichts übrig geblieben von den aufwendigen Studien darüber warum dieses übliche Gemeindesystem enttäuschen muss? Gestern noch Begeisterung über Bücher die aufschlüsseln wie über die Jahrhunderte hinweg sich ein Irrtum nach dem anderen unter die Christen geschlichen hat und Heute kritikloser Jubel über eine Erweckung, die einfach keine ist? Gestern noch zutiefst frustriert über den Hipe um die ganzen „Salbungsgottesdienste“ und den dahinter steckenden oft missbrauchenden Geschichten in den Gemeinden und Heute schon jubeln wir dem wieder zu?

Ganz sicher werden jetzt auch einzelne Leser meiner Gedanken hier denken, dass man sich doch nicht erlauben sollte eine so klare Stellung zu dem dort zu beziehen. Wer weiß? Eventuell ist ja doch Gott dahinter und dann haben wir uns versündigt, weil wir eine klare Meinung dazu hatten.

Zum einen bin ich absolut sicher, dass Gott mir nicht nur bereit ist zu vergeben, wenn es denn doch tatsächlich Gott sein sollte, der hinter dem allen steckt – Nein, Er wird mich dann sogar davon überzeugen, dass dem so ist. Ganz sicher wird eine echte Erweckung alleine aus dem souveränen Entschluss Gottes geschehen und nicht weil irgendwelche Christen nun ganz besonders dafür oder dagegen sind. Dass heißt: eine echte Erweckung wird auf jeden Fall geschehen, ganz gleich wie der einzelne Christ dazu stehen mag. Denn dieser wird dann ja erweckt – deshalb heißt es ja auch Erweckung 😉

Ich bin mir aber auch sicher, dass Gott nicht so ganz zufällig in seinem Wort vor den Verführungen, falschen Propheten und verfälschten Evangelien warnt, die sogar – gepaart mit Zeichen und Wundern – geeignet sind die Auserwählten zu verführen.
Können wir es uns angesichts dieser ernsten Warnungen des NT wirklich leisten, etwas zuzujubeln, was offensichtlich durchzogen ist mit dem Sauerteig falscher Lehren und Versprechungen?

Nein, ich für meinen Teil bin nicht bereit die Augen vor dem Offensichtlichen zu schließen und mitzujubeln, weil es doch einfach so toll ist.
Wenn wir es dann mit Erweckungen zu tun haben, die wieder das Kreuz, die Buße und die radikale Lebensveränderung predigen, wenn dort Christen neu dazu begeistert werden sich in das Wort Gottes zu vertiefen und ihr Leben tatsächlich die Frucht des Geistes widerspiegelt, wenn eine echte tiefe Ehrfurcht vor Gott sich von dort aus verbreitet, bin ich schon eher wieder dabei. Aber für nur noch eine Welle „manifestierender“ Christen bin ich nicht zu haben.

Charly

(*) David Wilkerson hat darüber schon 1996 gepredigt: Sie haben das Kreuz abgeschafft

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The same procedure as every time?

Lesezeit: 4 Minuten

Die Meisten, die zur Zeit in Hauskirchen -gemeinden in Deutschland und anderswo sind, sind Christen die schon eine längere Geschichte mit der traditionellen Gemeindeform hinter sich haben. So unterschiedlich diese auch sind, bewegen sie uns doch. Bei der Hinwendung zu einer Hausgemeinde stellen sie für sich mehr oder weniger in Frage, was sie bisher als Richtig und Wichtig angesehen haben. Manches wird abgelegt, manches behalten.

Man kann verschiedenes beobachten:
Da gibt es solche, die zwar die Gemeindestrukturen verlassen haben, diese aber nun in ihrer Hausgemeinde mehr oder weniger weiterleben.
Dann wieder findet man solche, die mit Vehemenz alles ablehnen, was auch nur den Anschein haben könnte, etwas mit dem zu tun zu haben, was sie verlassen haben.
Dann wiederum solche, die noch weiter gehen und sogar „schon über die Hauskirche hinweg“ sind. Gemäß einer aktuellen Bewegung suchen sie „das wirkliche Christenleben“ außerhalb allen Strukturen und Formen.
Jeder wird ganz sicher irgendwo ein Buch, einen Prediger oder Sonstwen finden, der die jeweilige Haltung unterstützt.

Ist das wirklich Freiheit?
In der Begleitung von Menschen, die eine Scheidung hinter sich haben gibt es bezüglich einer neuen Beziehung etwas wichtiges zu beachten: Solange der Geschiedene in seinem Herzen noch unversöhnt ist, sich noch immer mit dem Identifiziert was vergangen ist oder gar alles ablehnt, was ihn an die gescheiterte Ehe erinnert, ist diese Person nicht wirklich bereit eine neue Partnerschaft einzugehen. Der alte Partner schwebt dann immer irgendwo in der neuen Beziehung mit. Das Alte muss vergangen sein, damit wir offen sind uns wirklich auf etwas neues einzulassen.
So auch mit dem, was wir verlassen haben. Oft war das mit Verletzungen und Schmähungen verbunden. Tragen wir das immer noch in unseren Herzen, so werden wir überall und auf jedem Weg, den wir als Christ zu leben versuchen, das weiterleben was wir verlassen wollten. Entweder wird unsere Hausgemeinde dem sehr ähnlich sein, was wir früher taten oder sie erscheint als der verkrampfte Versuch anders sein zu wollen.
Ist das wirklich Freiheit?

Detektivarbeit
Im Internet findet man im Hauskirchenbereich eine Menge an Informationen darüber, wie sich Kirche über die Jahrhunderte entwickelt hat, usw. Eine gute Sache, wie ich meine. Diese Informationen sind wichtig, um seinen eigenen Stand neu zu bestimmen.
Aber es gibt noch mehr. Nicht nur rein sachliche Informationen darüber, sondern auch viele Seiten und Bücher, die aufzeigen wollen, welche immens schlimmen Folgen diese Veränderungen und Einflüsse zu haben scheinen. Verschwörungstheorien kursieren, Aufdeckungen von „geheimgehaltenen Informationen“ usw.
Ist das ein Phänomen der Hauskirchen? Nein, solche Verschwörungstheoretiker und Aufdeckungsautoren gab es immer und wird es immer geben. Ist das alles falsch, was diese schreiben? Nein, nicht alles. Das was aber an ihnen fast durchgehend falsch ist, ist ihre Sicht der Dinge und ihre Haltung dazu.
Gibt es zum Beispiel heidnische Einflüsse und gar Rituale innerhalb der Christenheit? Ja klar, und? Eine ehrliche Frage von mir an Sie, lieber Leser: sollte Gott so klein sein, nicht auch durch solche Dinge hindurch wirksam sein zu können? Sollte Gott tatsächlich durch die Ahnung irgendeiner alten Gottheit so erschüttert sein, dass ER sich deswegen unbedingt seinem eigenen Volk entziehen muss? Sollten Götzen wirklich so immense Kraft haben, dass sie selbst Gott vertreiben können?
Diese Diskussion ist so alt wie das Christentum. Paulus hatte solche Diskussionen schon mit den griechischen Christen. Damals ging es um Götzenopferfleisch. Erinnern wir uns, was Paulus dazu zu sagen hatte? War Paulus auch nur annähernd so alarmiert, wie diese Autoren uns alarmieren wollen? Nein, er war es nicht. Wie kann das sein? Nun, ich vermute, weil Paulus erkannt hatte, was es bedeutet wirklich frei zu sein.

A different procedure this time
Wenn wir unser Denken und Handeln durch etwas bestimmen lassen, was wir meinen hinter uns zu haben, so sind wir weiterhin gezwungen genau das weiter zu leben.

Entschieden gegen etwas zu sein ist keine Haltung die uns frei macht. In Gott den Freiraum gefunden zu haben, das verlassen zu können, was wir als falsch erkannt haben und nun auch das Gute darin wiederfinden zu können, hat mit echter Freiheit zu tun. Vor allem die Christen mit ihrem ehrlichen Bemühen mit Gott zu leben, darin sehen zu können, hat etwas mit Freiheit zu tun.

Wer innerlich von etwas Vergangenem frei geworden ist, wird nicht auf die Menschen schauen, die weiterhin darin leben und sich selber als Jemanden sehen, der „weiter ist wie diese“. Tatsächlich auf seinem eigenen Weg mit Gott weitergekommen zu sein, ist lediglich das Ergebnis von Gottes Gnade und wahrlich nicht etwas, was wir selber erkannt oder geschafft haben.
Jemand der frei geworden ist, wird in allem frei sein. Auch dann, wenn er sich in einer Hausgemeinde einbringt, in der nicht alles so anders ist, wie es in traditionellen Gemeinden ist. Wer wirklich innerlich frei ist, wird diese Freiheit nicht beständig nach Außen demonstrieren müssen. Wer wirklich innerlich frei ist, wird auch die Freiheit haben, sich anderen, die ehrlich bemüht sind Leitungsaufgaben wahrzunehmen, freiwillig unterordnen zu können. (Ich sprach davon in einem älteren Artikel: „Leiten durch Überzeugen I“)

Wirkliche Freiheit muss nicht beständig alles abschütteln, was unfrei zu machen scheint. Wirkliche Freiheit, die wir in Gott gefunden haben, lässt uns innerlich frei bleiben.
Nicht was wir an äußeren Formen leben bestimmt, ob wir frei sind, sondern was wir innerlich erleben.

Und so sollten wir das, was wir als Hausgemeinden auch immer gemeinsam tun, anders tun. Nicht unbedingt indem wir Ausdrucksformen suchen, die uns nach Außen von „den Anderen“ unterscheiden, sondern indem wir unsere Identität nicht mehr darin suchen, was wir tun. Tun wir also das, was Ausfluss der neu gewonnenen Identität in Gott bedeutet. Selbst wenn wir Altbekanntes tun, so wird es anders sein als zuvor. Ganz von selbst werden sich unsere Gewohnheiten verändern und ganz von selbst werden wir in neue, lebendige Strukturen finden, die jeweils für die konkret anwesenden Personen in unserer Hausgemeinde zutreffend ist.
Ganz von selbst? Naja, nicht wirklich. Von selbst nicht, sondern ganz von Gott. Diese Veränderung wird nicht so spektakulär ablaufen, dass wir es unbedingt sofort merken. Sanft und barmherzig wird es geschehen, eben so, wie Gott selber mit uns umgeht.

Charly

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Knochengerüste

Lesezeit: 2 Minuten

Beim Nachdenken über das, was wohl Gott als normales Gemeindeleben versteht, beschäftigte ich mich nochmals mit Gemeindestrukturen. Darunter verstehe ich hier besonders äußere Formen, in denen versucht wird Gemeinde zu bauen.

Das Problem beginnt schon damit, dass wir alles mögliche Gemeinde nennen. Vor allem aber nennen wir ein Gebäude, und / oder Programmstrukturen Gemeinde oder das was Gemeinde ausmacht. Nicht nur in Kirchengebäuden, auch in unseren Treffen in Privatwohnungen kann es leicht geschehen, dass wir erst dann ein Treffen als geistlich gelungen betrachten, wenn bestimmte Programmpunkte abgespult wurden. Wir werten geistliches dann an äußeren Formen und nicht am geäußerten oder offenbarten Leben.

Gemeinde ist aber nicht gleich Versammlung! Die Versammlung an einem Ort ist lediglich der Ausdruck des lebendigen Leibes Christi – der wirklichen Gemeinde. Denn nur der Gesamtleib Christi wird in der Bibel Gemeinde genannt. Das was wir als „Gemeinde in X“ in der Bibel finden meint entweder die Ekklesia – die Herausgerufene/Gemeinde, die sich zu einem Teil an dem Ort X in einer Versammlung zusammenfindet oder einfach nur die Versammlung in X.

Strukturen sind in einem Körper / Leib aber soetwas wie das Knochengerüst. Notwendig schon, aber das Knochengerüst ist nicht das worum es geht, wenn wir Leben definieren. Das eigentliche organische Leben – um das es bei Gemeinde ja geht – wird lediglich durch das Knochengerüst gestützt. Das organische Leben findet also um die Struktur herum statt. Organisches Leben kann sich auch an allen möglichen Stützgerüsten aufbauen – Strukturen können also durchaus auch sehr unterschiedlich aussehen.

Strukturen werden wir also immer brauchen, aber seit etlichen Jahrhunderten haben wir Christen uns angewöhnt die Struktur Gemeinde zu nennen und nicht das organische Leben, dass durch die Struktur lediglich gestützt wird und Form bekommt.

Es wird meiner Meinung nach Zeit, dass wir uns neu darauf besinnen, was Gemeinde und Gemeindeleben wirklich ist: ein organisches Geschehen das Strukturen lediglich braucht um sich auszudrücken.
Gemeinde versammelt sich überall dort, wo Christen sich versammeln. Nicht das durchlaufene Programm macht eine einzelne Versammlung zur Gemeinde, sondern das Leben, das durch den Geist Gottes in seinem Leib fließt, macht Gemeinde aus.

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Liest du eigentlich deine Bibel?

Lesezeit: 3 Minuten

Liest du eigentlich deine Bibel?

In der letzten Zeit habe ich mehrfach Berichte gelesen, wie in den ersten Gemeinden die Treffen abgelaufen sind. Vieles war sehr einfach und hat mit den uns so bekannten Gottesdienstabläufen wenig gemein. Wenn wir uns z.B. die Wortbetrachtung ansehen, so hat dort Niemand der Versammlung der Christen gepredigt. Jemand aus der Runde las ein Bibelwort vor (oder besser zitierte es aus dem Gedächtnis) oder brachte ein Thema ein. Das konnte Jeder sein, der z.B. lesen konnte oder fähig und mutig genug war etwas vorzutragen, dafür waren keine speziell geschulte Mitglieder notwendig. Dieser brachte dies also ein und sagte ein paar Gedanken dazu. Dann übergab er/sie das Thema der Versammlung und nun war Jeder aufgefordert Kommentare sowie andere Schriftstellen dazu zu ergänzen.

So etwas gefällt mir. Ich mag es eigentlich, wenn Christen reif werden und nicht vorgedachte Lehren einfach nur schlucken. Das müsste man doch auch in den Hausgemeinden gut umsetzen können……….. oder?
Wer die Überschrift gelesen hat, ahnt was jetzt kommt: Ich mache an vielen Plätzen die Erfahrung, dass man so mit Christen kaum arbeiten kann. Warum nicht? Weil sie in ihren Gedanken zu den vorgebrachten Themen keine Verbindung zu anderen Bibelstellen finden. Und warum finden sie diese nicht? Weil sie ihre Bibel nicht kennen, denn sie lesen sie nicht.
Bringe ich ein Thema vor und nenne dazu eine Bibelstelle und frage nun: „Was fällt euch dazu ein?“ folgt oft schlicht Schweigen. Oder ich frage: „da war doch noch eine Stelle, wo ähnliches gesagt wurde, wer weiß grad wo die sein könnte?“ folgt oft auch Schweigen oder ratloses Stirnrunzeln.

Mehr und mehr treffe ich auf langjährige Christen, denn man erst in ihrer Bibel zeigen muss, wo z.B. der Jakobusbrief zu finden ist. Das zeigt mir, dass sie ihr eigenes Buch / ihre eigene Bibel nicht lesen.

Wem will ich nun Vorwürfe machen? Ich will Niemanden etwas vorwerfen, ich möchte auf etwas aufmerksam machen.
Wir haben eine Jahrhunderte alte Tradition regelmäßig in einen Gottesdienst zu kommen und dort Lesungen und Predigten vorgetragen zu bekommen. Wir sind es gewohnt, dass wir nicht selber wissen müssen, wo was in der Bibel steht. Und Heutzutage ist es ja noch „besser“, denn Heute wird in vielen Gemeinden nicht mehr aufgefordert seine eigene Bibel aufzuschlagen und mitzulesen. Heute werden dort die Bibelverse per Beamer auf eine Leinwand projiziert. So bleibt es dem Gottesdienstbesucher noch nicht mal in seinem visuellen Gedächtnis verhaftet, wo in seiner Bibel dieser Vers zu finden ist. In so manchen Gemeinden ist es auch schon lange nicht mehr Sitte überhaupt eine eigene Bibel mit zum Gottesdienst zu bringen.
Des weiteren haben wir gelernt uns damit zu begnügen, dass es besonders begabte, geschulte und berufene Leute in unseren Gemeinden gibt, die quasi für uns die Bibel studieren und uns die Ergebnisse mundgerecht servieren. Ja selbst das kauen haben wir verlernt – wir schlucken nur noch.

Eigentlich müssten wir einen Streik ausrufen. Einen Streik Derer, von denen erwartet wird die Bibel zu kennen und ihre Studien häppchenweise zu servieren. Gerade in unseren Hausgemeinden sollten wir anfangen wieder jeden Einzelnen aufzufordern seine Bibel zu lesen und sich am Austausch zu beteiligen.

Hier am Ort gibt es eine kleine Versammlung von Christen, auf die andere Gemeinden in der Umgebung schon seit Jahren etwas arrogant herabschauen. Es gibt verschiedenste Vorbehalte dieser Versammlung gegenüber. Es ist auch eine besondere Versammlung. Denn dort kommen Christen zusammen, die woanders nicht so gerne gesehen werden – deren Leben nicht so strikt fromm geradeaus verläuft. Ich werde dorthin immer wieder zum predigen eingeladen und komme sehr gerne. Denn so konfus das Leben so mancher der Besucher dort auch sein mag, dort brauche ich nicht nach ergänzenden Bibelstellen fragen – sie werden einfach mitten in die Predigt eingeworfen. Halleluja! Diese Christen, deren Leben nicht so fromm-konform erscheinen lesen und kennen ihre Bibel. Immer haben wir angeregte interaktive Versammlungen – zumindest wie ich das beurteilen kann. Bei ihnen ist ein Hunger nach Gottes Wort und Weisung zu spüren, wie ich es in so vielen Gemeinden vermisse. Es mag sein, dass dies dadurch kommt, dass sie für ihre – nicht so gerade verlaufenden – Leben genau das brauchen.
Fast fühle ich mich versucht zu unserem Gott auszurufen: „Gott, mach die Wege der Gläubigen krummer und steiniger. Lass sie über Hürden und Hindernisse stolpern, damit sie wieder Hunger nach deinem Wort und deinen Weisungen bekommen!“

1.Kor.14,28 „Was ist nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Sprache[nrede], hat eine Offenbarung, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung.“ (nach der Elberfelder Übers.)

Charly

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Leiten durch Überzeugen IV

Lesezeit: 7 Minuten

Hingabe statt Verbindlichkeit

Jeder der regelmäßige Treffen wie Hausgemeindeabende organisiert kennt die Situation: Wenn überhaupt melden sich manche Leute kurz vor dem Treffen aus verschiedensten Gründen ab. Sie kommen nicht zu dem Treffen. Ihre Gründe sind so manches mal für die Leiter kaum oder gar nicht nachvollziehbar. Frust baut sich auf und dem Leiter kommt die Frage in den Sinn: „Wozu mache ich das eigentlich alles?“

Wir haben hier ein Spannungsfeld:
Diejenigen die Verantwortung in der Hausgemeinde übernommen haben und / oder Leitung ausüben, sowie Diejenigen in deren Räumlichkeiten die Treffen stattfinden haben sich verpflichtet wenn es irgend geht bei jedem Treffen da zu sein. Entsprechend setzen sie ihre Prioritäten und hoffen auf eine gute Entwicklung dieser Treffen. Sie bereiten sich Woche für Woche auf diese Treffen vor, auch wenn es manchmal echt Mühe bereitet.
Auf der anderen Seite haben wir Christen, die „lediglich“ Besucher dieser Treffen sind. Da sie nicht organisatorisch verantwortlich sind, nehmen sie sich eher die Freiheit individuell zu entscheiden, ob sie zu den konkreten Abend kommen oder dieses eine Treffen auch mal ausfallen lassen. Hier jetzt direkt an Konsumentenhaltung zu denken ist überzogen – auch wenn der Gedanke nahe liegt.

Mir sind schon einige Vorträge, Strategien und Artikel über die Förderung der Verbindlichkeit unter Christen begegnet. Wenige fand ich hilfreich. Aus den USA kennen wir sogar so genannte Verträge, den z.B. Mitglieder von Hausgemeinden miteinander eingehen. Ich für meinen Teil würde unter keinen dieser Verträge meine Unterschrift setzen.

Nimmt diese Unverbindlichkeit in den Augen der Leiter überhand, wird dann auch schon mal neu – mit mehr oder weniger Druck – über die notwendige Verbindlichkeit in der Gruppe gesprochen und darauf gedrungen, dass die Mitglieder sich dem einfügen. Oft haben solche Bemühungen kaum oder keinen Erfolg.

Wo liegt hier das Problem? An unserer mehr und mehr individuell ausgerichteten Kultur, die kaum noch Verbindlichkeit kennt? Aus mangelnder Unterordnung der Einzelnen unter Gott?
Oder liegt das Problem doch ganz woanders? Ich meine, es liegt oft ganz woanders.

Hingabe statt Verbindlichkeit
Machen sie mit mir einmal folgendes Experiment:
Schließen sie die Augen und fühlen sie mal, wie sich folgende zwei Begriffe anfühlen: „Verbindlichkeit“ und dann „Hingabe“.
Was empfinden sie, wenn sie zuerst den einen und dann den anderen Begriff auf sich wirken lassen? Nicht wenige fühlen sich beim Begriff „Verbindlichkeit“ unwohler als beim Begriff „Hingabe“. Dabei ist „Hingabe“ der intensivere Begriff. Hingabe verlangt weit mehr als nur Verbindlichkeit und dennoch wird „Hingabe“ angenehmer empfunden.

Verbindlichkeit
Was verbinden wir mit diesem Begriff? Wir fühlen uns an etwas oder jemand gebunden. Daher mag auch das Unwohlsein kommen, wenn wir diesen Begriff auf uns wirken lassen. Gebunden, nicht frei in seinen Entscheidungen.
Woran binden wir uns denn, wenn wir den Begriff in unser Setting der regelmäßig stattfindenden Treffen stellen? Da wird von Leiterseite ganz schnell vorgebracht, dass man sich hier Gott gegenüber verbindlich zeige. Aber das wird anders empfunden. Wer in einer gesunden Beziehung mit Gott lebt wird durchaus auch hier und da empfinden, dass es nicht Gott ist, der jetzt erwartet, dass man zu dem Treffen kommt. Und das glaube ich gerne.
Es stellt sich eher das Gefühl ein, dass man sich hier an ein Programm oder noch schlimmer an die Leiter binden solle. Ist es Gott der die Treffen einberuft oder doch eher Menschen? Doch die Menschen, oder?
Damit will ich nun wirklich nicht sagen, dass solche Treffen falsch wären! Natürlich sind sie gut und wichtig. Der Schreiber des Hebräerbrief bringt es scheinbar auf den Punkt:
Hebräer 10:25 indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das um so mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!
Aha, also doch, wir sollen die Versammlungen nicht versäumen. Diese sollten Priorität haben vor so vielen Privatinteressen. Ist dem wirklich so? Steht das dort? Sehen wir doch einmal genauer hin, vor allem auf den Zusammenhang:
Hebräer 10:23 Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat 24 und lasst uns aufeinander acht haben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen, 25 indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das um so mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!
Zunächst geht es darum, dass wir fest an dem Bekenntnis der Hoffnung festhalten und uns einander ermutigen, dies zu tun. Dies gründet auf die unwandelbare Treue Gottes zu uns. Wir sollen positiv einander zugewandt sein und ein positives Interesse aneinander zeigen. Zur Liebe und guten Werken sollen wir uns anreizen. Wie tun wir das? Mit der vorwurfsvollen Frage, wo der Andere denn beim letzten Treffen gewesen sei? Wohl kaum. Mit dem erhobenen Zeigefinger Verbindlichkeit mahnend? Eher nicht. Eher doch mit echtem Interesse.

Das echte Interesse kann sich z.B. Darin zeigen, dass man bei einer telefonischen Absage, aufgrund eines Unwohlseins dem Absagenden Freiheit gibt und das schlechte Gewissen nimmt. Ja sogar anbietet für ihn zu beten, jetzt sofort am Telefon oder nachher beim gemeinsamen Gebet in der Gruppe. Begegnet man mir so, wenn ich absage weil es mir an dem Tag nicht gut geht, werde ich mehr Interesse haben, das nächste mal dabei zu sein.

Jetzt erst, nach der Betonung der positiven Zuwendung kommt der Schreiber des Hebräerbrief auf die Treffen zu sprechen. Mir scheint er hebt diese besonders hervor, weil er darin gesunde und wohltuende Gelegenheiten sieht, einander Gutes zu tun und nicht die bloße Pflichterfüllung eines Programms gegenüber.
Er schaut auf solche, die diese Zusammenkommen säumen und regt an, einander zu ermuntern, statt zu ermahnen. Luther übersetzt hier den griech. Begriff „para-kaleo“ mit „ermahnen“ – was man so tun kann – doch passt diese Deutung nicht in den Kontext. So mancher liest hier die Bedeutung des Ermahnen im Sinne von:
jemandem zureden (um ihn zu ermahnen), jemandem ermahnen, zu etw. auffordern, anfachen, aufrufen, antreiben; jemandem etw. einschärfen
Die andere richtige Lesart von „ermahnen“:
Jemand trösten, gut zureden, ermuntern, freundlich und stärkend zu jemandem sprechen
ist hier richtiger. Daher lasst uns einander ermuntern und nicht den Zeigefinger mahnend erheben.

Mancher nimmt die unmittelbar folgenden Verse zu der Bibelstelle noch hinzu:
Hebräer 10:26 Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, 27 sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird.
Aber Vorsicht! Hier findet ein Gedankensprung statt. Der Schreiber bezeichnet nicht das Versäumen der Treffen als mutwilliges sündigen. Es geht hier wieder darum unwandelbar an dem Bekenntnis der Hoffnung festzuhalten und nicht um die Versammlungen.

Hingabe
Wie sieht es nun mit der Hingabe aus? Würden wir Christen auffordern sich einer Gemeinde, einer Organisation oder einem Programm hinzugeben, ernten wir zurecht heftige Ablehnung. Hingabe ist zu stark, als das wir dies auf Menschen und deren Versammlungen anwenden wollten. Sich aber Gott, unserem Retter, Erlöser und liebenden Vater hinzugeben ist ein gänzlich anderer Gedanke. Etwas was wir aus Liebe zu Ihm tun wollen und wozu wir uns auch gegenseitig ermuntern können / sollen.
Hingabe kann nicht eingefordert werden, so wie Verbindlichkeit. Jemand gibt sich entweder Gott hin oder er tut es nicht. Zwingen können wir keinen und er wird auch nicht von Gott gezwungen. Gott umwirbt uns beständig und ermuntert uns zur Hingabe, er zwingt uns nicht dazu.
So schreibt Paulus:
Römer 12:1 Ich ermahne (ermuntere) euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. 2 Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Gebe ich mich Gott nun hin, so hat das natürlich Auswirkungen auf meine Prioritäten. Das kann sehr wohl die Auswirkung haben, dass auch die Versammlungen eine hohe Priorität bekommen, unabhängig davon, wie wichtig diese Versammlungen denen sind, die sie organisieren. Hingegebene Jünger haben den natürlichen Wunsch sich zu versammeln, miteinander Gott zu loben, Gottes Wort zu studieren und liebevolle Gemeinschaft untereinander zu pflegen. Hingegebene Jünger muss ich nicht ermahnen, es reicht ihnen Gelegenheiten anzubieten.

Und wieder: Leiten durch Überzeugen
Wieder geht es darum, dass wir durch ein positives Vorbild leiten. Wenn Leiter vorbildlich in der positiven Hinwendung zum Anderen handeln und den Anderen begegnen, ist dieser attraktiv für die Jünger. Ein solcher wird durch eigene Hingabe und der damit verbundenen freudigen Verbindlichkeit Vorbild sein. Begegnet der Einzelne im Leiter einem angenehmen Vorbild, der auch noch ehrliches Interesse zeigt, wird dieser dem Leiter eher folgen wollen.
Bedenken wir, wie Gott mit uns handelt. Er, der nun wirklich alles Recht hätte von uns zu fordern, umwirbt uns mit Freundlichkeit und Liebe. Er zeigt Langmut und Sanftmut mit uns. Er setzt uns nicht unter Druck, weil wir Versammlungen versäumen. Sollten wir nicht diesem Vorbild nachahmen?

Nicht gerufen Gemeinden zu gründen
Richard Schutty schrieb letztens, dass Gott uns nicht geboten hat, Gemeinden zu gründen. Das ist sehr wahr! Gott hat uns geboten Jünger zu machen (Matth. 28:19+20) Machen wir uns noch einmal deutlich: Gott hat uns nicht beauftragt in die Städte der Welt zu gehen und dort regelmäßige Versammlungsprogramme anzubieten. Gott hat uns nicht zu Programmen gerufen, sondern zu den Menschen. Ihnen, den Menschen, zu begegnen verlangt auch ihnen in ihrer Individualität zu begegnen. Das mag sich dann evtl. auch darin ausdrücken, dass nicht immer alle brav beisammen sind.
Ich meine es ist immer wieder wichtig, dass wir uns das ins Gedächtnis rufen – gerade dann, wenn uns Frust übermannt, weil wieder einmal Einige für die Versammlung abgesagt haben.
Die Menschen der Gemeinde und damit die eigentliche Gemeinde gehört nicht den Leitern, sie gehören alleine nur Gott. Machen wir nicht den Fehler unsere Versammlungen mit der Gemeinde zu verwechseln. Jesus allein ist es der die Gemeinde gegründet hat und der diese formt und prägt. Unsere Versammlung ist nicht die Gemeinde, sondern nur das Zusammenkommen eines Teils der Gemeinde – ein sichtbarer Ausdruck des Leibes Christi. Programme sind hier lediglich Hilfsmittel und nicht der Sinn und Zweck der Versammlungen.

Hingabe statt Verbindlichkeit
Lasst uns nun einander ermuntern uns Gott hinzugeben und darin positiv anreizende Vorbilder sein. Gerade, wenn wir in Leitungsverantwortung stehen, sollte der liebevolle Charakter Gottes durch uns scheinen. Und wenn uns wieder der Frust übermannt fragen wir uns erneut, wem wir uns hingegeben haben: unserem liebenden Gott oder einem Programm.
Lasst uns einander anreizen uns Gott konsequent hinzugeben, so werden wir auch in unserem Denken verändert und die gemeinsamen Zeiten werden ganz natürlich für jeden von uns an Wichtigkeit gewinnen.

Teil I
Teil II
Teil III
Zur Diskussion über dieses Thema…

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Leiten durch Überzeugen III

Lesezeit: 9 Minuten

Fehler und Fehlverhalten des Leiters

Einige vorlaufende Gedanken
Zunächst sei erwähnt, dass es nicht nur so ist, dass Leiter schlichte Menschen sind und somit auch Fehler haben bzw. auch sich falsch Verhalten, es ist sogar sehr gut so, dass dem so ist.
Eine geistliche Aufgabe zu haben andere Christen zu leiten ist eine Verantwortungsvolle Aufgabe und so ist es nicht verwunderlich, wenn Paulus an seine Jünger Timotheus und Titus einen ganzen Kriterienkatalog schreibt, nach denen sie Leiter aussuchen sollen. Diese finden wir in 1. Tim. 3:1-13 und Tit. 1:5-9.
Bei näherer Betrachtung stellen wir fest, dass ein guter Teil dieser Kriterien auf den Charakter des Leiters und die Lebenserfahrung anspielt.

Unser Ausgangsgedanke war ja: „Leiten durch Überzeugen”. Was also überzeugt Christen jemanden eine Leitungsaufgabe zu übertragen? Nicht in erster Linie eine Fachkompetenz, also z.B. umfassendes Bibelwissen oder ähnliches, sondern eher die Person des Leiters selber. Das sich diese Person im Umgang mit den anderen Christen und auch im vorbildlichen Umgang mit den grundlegenden Kriterien des Christseins bewährt hat. Hier geht es z.B. darum, ob dieser Leiter nicht nur eine nötige Sachkompetenz für sein Leitungsgebiet aufweist, sondern auch ob er diese auch an Andere vermitteln kann, bzw. diese nicht nutzt um sich über Andere zu erheben. Er hat in seiner Lebensart als Jünger Jesu überzeugt indem er Treue, Fleiß, Kenntnisse in theoretischer und praktischer Art bewiesen und dies mit gottgeprägten Charakter vereint hat. Er hat alles in allem Überzeugt.

Leider muss man zu häufig beobachten, dass der Sympathiefaktor für die Wahl eines geistlichen Leiters weit überwiegt und so nicht selten Christen in Leitungsaufgaben gestellt werden, die kaum oder gar keine Fachkompetenz aufweisen. Hier wird gerne das Modeschlagwort „Gott beruft nicht die Begabten, sondern er begabt die Berufenen” als Leitlinie erhoben, welches aber tatsächlich so nicht als biblische Wahrheit erkannt werden kann. Es stimmt schon, dass Gott offensichtlich mehr Wert auf Charakterstärken legt, was aber im Gegenzug nicht bedeuten kann, dass Fachkompetenz völlig vernachlässigt werden darf. Bringen wir uns dafür wieder die Kriterienlisten von Paulus in Erinnerung.
Zum Ausgleich werden auch nicht wenige Fachleute mit mangelnden Charakterstärken in Leitungsaufgaben gesetzt. Sie haben zwar teils sehr gute Kenntnisse, vermögen diese aber nicht in guter Weise an die Gemeinde weiterzugeben. Solche leben nicht selten in einer Art akademischer Distanz zu den anderen Gemeindegliedern.
Wenn also Gott Berufene begabt, dann tut er das bevor diese in Leitungsaufgaben gestellt werden und nicht erst mühsam danach.

Wie kommt es, dass nicht selten Christen in Leitungsaufgaben kommen, die nicht dafür geeignet sind? Eine der Hauptgründe sehe ich darin, dass die Gemeinde nicht weiß und keine Sensibilität dafür entwickelt hat, welche Kriterien Gott wichtig sind. Das ist nicht außergewöhnlich. Denken wir z.B. an die Wahl der ersten zwei Könige Israels im A.T. Der erste König Saul, gewählt nach menschlichen Maßstäben, wurde dem Volk sehr schnell eine schwer zu ertragende Last. Der zweite König David, gewählt nach den Kriterien Gottes, brauchte lange, bis er überhaupt als König Anerkennung vom Volk bekam. Diese beiden Charaktere in Bezug auf Leiter zu untersuchen ist sehr gewinnbringend. Zeigt die Geschichte dieser zwei Könige doch sehr gut auf, was einen Leiter in Gottes Augen qualifiziert und wie lange Gott sich manchesmal Zeit lässt, diese Leiter zu schulen und zu formen, bevor er sie in Leitungsaufgaben setzt. Dieses Studium möchte ich nun dem Leser überlassen, denn das kann leicht Bücher füllen.

Nicht nur, dass Christen oft nicht wissen welche Kriterien Gott an Leiter stellt, häufig wählen sie auch noch Leiter nach weltlichen Kriterien. Die Meinung, dass jemand, der erfolgreich im Beruf eine Leitungsfunktion bekleidet, als fähig angesehen wird auch eine Gemeinde zu leiten – was leicht völlig danebengehen kann – ist weit verbreitet. Dazu kommt aber auch, dass Gemeinden Leiter in ihre Aufgabe als eine Art Vorgesetzte der Gemeinde betrachten. Das ist aber schon am eigentlichen Wesen der geistlichen Leitungsaufgabe vorbei gedacht.
Hier werden dann gerne Vergleiche aus dem Königtum des A.T. gezogen um geistliche Leiter zu charakterisieren. Nur wird dabei etwas allzu leicht übersehen:
Gott wollte im A.T. kein Königtum vom Menschen sondern Er sollte der König des Volkes sein. Zu Samuel sagt Gott, als das Volk unbedingt einen König nach Muster der sie umgebenden Völker haben wollte:
1 Samuel 8:7 Der HERR aber sprach zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen! Denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll.
Wenn wir Könige über uns wählen, verwerfen wir Gott, der unser einziger König sein soll.
Ist Gott also schon im A.T. gegen menschliche Könige in seinem Volk, so ist er es im N.T. noch viel mehr. Denn im N.T. hat Gott seinen Sohn Jesus als alleinigen Herrscher über Alles gesetzt:
Matthäus 28:18 Und Jesus trat zu ihnen und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.
Johannes 3:35 Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.
Philipper 2:9 Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, 10 damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, 11 und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. (und viele viele Stellen mehr!)
Gott wollte keine menschlichen Könige für sein Volk und will sie Heute erst Recht nicht!

Daher ist es verhängnisvoll, wenn Gemeinden sich Könige in Leitungsämter wählen, statt bewährte Christen in Leitungsaufgaben zu stellen.
Beachten sie bitte hier nochmals den wesentlichen Unterschied zwischen Amt und Aufgabe! Ämter gibt es im N.T. nicht mehr, es gibt Aufgaben für die Gemeinde.

Halten wir fest: wir können zwar aus den Charakteren der alttestamentlichen Königen viel über den Charakter eines geistlichen Leiters lernen, aber hier dürfen wir Amt und Aufgabe nicht verwechseln. Könige werden als Herrscher auf Lebenszeit gewählt, eine Aufgabe aber erfüllt Jemand so lange, wie er diese gut erfüllt. Könige können nur gestürzt werden, Aufgaben können auf Andere neu delegiert werden. Gefallene Könige können nur noch im Exil leben, wobei jemand der eine neue Aufgabe bekommt, keinerlei gesellschaftliche Schmach deswegen erleiden muss. (Auch wenn ein Solcher solche Schmach zu oft ertragen muss)

Fehler oder Fehlverhalten von Leitern
Geistliche Leiter werden also Idealerweise deshalb von einer Gemeinde in diese Aufgabe gewählt, weil diese Leiter überzeugt haben. Dies bedeutet nicht, dass diese Leiter unfehlbar oder perfekt wären. Nein, es sollte eigentlich bedeuten, dass diese Christen auch darin überzeugt haben, wie sie mit ihren Fehlern und evtl. Ermahnungen umgehen.
Ein Leiter, der keine Fehler macht kann kein Vorbild für Christen sein, die immer wieder Fehler machen. Fehlerfrei ist alleine nur einer: Gott selber. Also kann ein geistlicher Leiter auch nur hier Vorbild sein, wenn er ebenso Fehler macht. Wenn er sie macht muss er vorbildlich aufzeigen, wie ein Christ mit berechtigter Kritik umgeht und was Bußfertigkeit bedeutet. Bußfertigkeit bedeutet nicht nur Fehler als solche anzuerkennen und dafür um Entschuldigung zu bitten, sondern es bedeutet sein Verhalten auch nachhaltig zu ändern, bzw. sich eine Stütze durch andere Leiter zu suchen – Jemand der den Leiter in diesem Bereich jederzeit ermahnen darf.

Darf denn ein Christ geistliche Leiter in Frage stellen?
Natürlich! Er darf nicht nur, sondern er sollte es immer wieder tun. Das bedeutet nicht, dass man dem Leiter keinerlei Leitungsautorität gibt, sondern es bedeutet dass die Gemeinde sich immer wieder neu fragen muss, ob der Leiter weiterhin überzeugt.
Daher darf auch jeder Christ geistlichen Leitern offen sagen, wenn er Probleme mit der Art oder dem Stil der Leitung hat.
Es ist nicht die Frage das Leiter hinterfragt werden, sondern die Frage ist, wie geht der Leiter damit um?
Verbindet der Leiter eine Kritik an seiner Aufgabenerfüllung sofort mit einer Infragestellung seiner Person, hat er ein nicht unerhebliches Problem, dass sich unweigerlich negativ auf die Gemeinde auswirken wird. Er muss sich fragen lassen, ob er so wirklich geeignet ist, dem Leib Christi als Leiter zu dienen.
Um so mehr muss ein Leiter fähig sein Kritik darin anzunehmen, wo er in Sünde gefallen ist. Denn eine solche Sünde will sich zwischen ihn und Gott drängen und ihn von Gott entfremden. Ein bußfertiger Leiter hingegen wird eher fähig sein andere Christen darin anzuleiten ebenso bußfertig zu sein.
Ich rede hier nicht davon, dass geistliche Leiter gleichsam mit entblößter Seele vor allen anderen Christen wandeln sollten. Auch für Leiter gilt das Recht auf Intimsphäre und das er nicht als willkommenes Opfer für die Kritiksucht Mancher herzuhalten hat. Aber auch er ist gehalten Buße in dem Rahmen zu tun, wo er gefehlt hat. Hat er im Privaten gefehlt, so soll er wie jeder Andere der Gemeinde unter vier Augen ermahnt werden. Hat er vor der Gemeinde gefehlt, muss er auch dort Buße tun – so wie jeder andere Christ auch. (Unnötig zu sagen, dass auch dies zu oft in Gemeinden nicht so für alle Christen gehalten wird.)

Also darf ein geistlicher Leiter Fehler machen? Ja! Es ist Teil seines Menschseins und es gehört zu seiner Aufgabe damit als Vorbild umzugehen.
Haben wir also Gnade mit denen, die unter uns in Leitungsaufgaben dienen und machen uns immer bewusst, dass wir alle Sünder sind die der Gnade Gottes bedürfen.

Kontinuierliches Fehlverhalten von Leitern
Was aber, wenn ein Leiter ein kontinuierliches Fehlverhalten aufzeigt?

Es kann bei aller Umsicht und ehrlichen Absichten immer wieder vorkommen, dass ein Mensch durch die Autorität, die ihm zugestanden wird, dazu verleitet wird, daran zu scheitern oder diese zu missbrauchen. Auch das ist nur Menschlich. Das ist noch nicht wirklich eine Katastrophe, sie kann es aber leicht werden, wenn sowohl Leiter wie Gemeinde damit nicht umsichtig umgehen.

Machen wir uns noch einmal deutlich: geistliche Leitung ist eine Aufgabe, kein Amt. Fehlt Jemand in der Ausübung der Aufgabe, sollte diese ihm partiell oder für eine Zeit lang entzogen werden.
Sinnigerweise würde wohl kaum einer ernsthaft diskutieren wollen, dass ein Arbeiter, der eine Maschine nicht richtig zu bedienen weiß und damit Schaden verursacht, zunächst von dieser Aufgabe wieder entbunden werden sollte und ggf. nochmals darin neu angeleitet werden sollte, bevor man ihm eine neue Chance in dieser Aufgabe gibt. Geht es aber um geistliche Aufgaben wird sehr oft so getan, als müsse nun die Gemeinde damit leben, dass der Leiter hier etwas nicht beherrscht, sondern dieses Etwas womöglich gar ihn beherrscht. Welch ein Unsinn!
Könige darf man nicht hinterfragen. Leiter in der Ausführung ihrer Aufgabe aber sehr wohl.

Leitungsaufgaben sollen dazu dienen, dass der Leib Christi in Liebe Erbaut wird:
Epheser 4:16 Aus ihm wird der ganze Leib zusammengefügt und verbunden durch jedes der Unterstützung dienende Gelenk (hier auch die Leitungsaufgaben), entsprechend der Wirksamkeit nach dem Maß jedes einzelnen Teils; und so wirkt er das Wachstum des Leibes zu seiner Selbstauferbauung in Liebe.

Zeigt also ein geistlicher Leiter ein kontinuierliches Fehlverhalten in seiner Aufgabe auf und ist nicht bereit sich darin ermahnen zu lassen und auch Buße zu üben, muss dieser Leiter seiner Leitungsaufgabe entbunden werden. Tut die Gemeinde das nicht, willigt sie wissentlich ein, dass dem Leib Christi geschadet wird.
Machen wir uns auch nichts vor: die Geschehnisse in einzelnen Gemeinden betreffen nie nur die einzelne Gemeinde, sondern werden auch darüber hinaus wahrgenommen und werden beispielhaft für viele Gemeinden wahrgenommen. Die Gemeinde kommt also nicht umhin zu handeln, wenn sie Gott treu sein will.

In der Realität entziehen Christen tatsächlich solchen Leitern nach und nach die Leitungsautorität über sie. Leider viel zu häufig, indem sie sich durch Gemeindewechsel der Leitung entziehen und viel zu selten, indem Leiter, die sich kontinuierlich fehlverhalten, ihrer Aufgaben entbunden werden.

Leiter, die um sich Gruppen scharen um sich von berechtigter Kritik abzuschirmen, die gar anfangen die Christen in der Gemeinde zu verfolgen, die auf ihr Fehlverhalten zeigen, versündigen sich schwer am Leib Christi. Geistliche Leiter sind gerufen Gruppenkämpfen in der Gemeinde entgegenzustehen und nicht selber solche zu initiieren.
Leider erlebt man zu oft, dass dies dennoch in Gemeinden geschieht.

Ich möchte hier noch einmal betonen, dass ich hier von geistlichen Leitern rede, die sich kontinuierlich Fehlverhalten bzw. ihre gegebene Macht missbrauchen. Ich rede jetzt nicht davon, dass Leiter auch mal Fehler machen! Nicht dass wir uns hier falsch verstehen.

Ich bin mir sicher, dass ich mit diesem Thema ein Tabu in manchen Reihen des Leibes Christi anspreche. Ich halte es allerdings für nötig, dass dieser Teil bibelorientierter Lehre angesprochen werden muss – ob sie biblisch ist mögen sie für sich entscheiden.

Fragen sie sich selber, wie sie geistliche Leiter bisher gesehen haben: als treue Diener in einer Aufgabe oder als Könige oder gar „kleine Götter” in der Gemeinde. Und wie sehen ihre Geschwister in ihrer Gemeinde das? Haben sie an dem, was ich hier ausgeführt habe womöglich schwer zu schlucken? Wenn ja warum?
Fragen sie sich noch einmal: Was ist der Unterschied zwischen Aufgabe und Amt? Warum gibt es im N.T. kein Amt in der Gemeinde mehr? Warum ist es so wichtig, dass Leiter deshalb leiten sollten, weil sie Überzeugen und nicht weil sie einen Sympathiewettbewerb gewonnen haben oder überzeugend als „Gesalbte” auftreten oder von Anderen so präsentiert werden. Warum ist es so wichtig, dass bei geistlichen Leitern ein jesusähnlicher, demütiger und dienender Charakter sichtbar wird, bevor man ihnen Leitungsaufgaben überträgt?
Ich meine, weil so dem Leib Christi, Gemeindegliedern und auch den Leitern viel Leid erspart bleibt. Und weil es, wichtiger noch, Gott die Ehre gibt, die alleine nur Ihm gebührt.

Ich meine, dass auch dieser Abschnitt geeignet ist ein Reihe Gedanken anzustoßen und Fragen in den Raum stellt, die sie für sich beantworten müssen. Nur tun sie sich den Gefallen die Gedanken dieses Artikels nicht einfach zu verwerfen.

Es gibt immer noch so manches zu überdenken, wenn wir über Leiten durch Überzeugen nachdenken.

Charly

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Leiten durch Überzeugen II

Lesezeit: 8 Minuten

Die Autorität des Leiters

Immer wieder ist die Autorität von Leitern in der Gemeinde ein Thema. Die Frage, welche Autorität sie haben und wer sie ihnen gibt.

Im ersten Teil habe ich ja schon ausgeführt, dass ein ganzer Teil der Leiterautorität durch die gegeben wird, die sich freiwillig der jeweiligen Leitung unterstellen. Hier haben wir also schon eine erste Ebene der Autoritätsvermittlung: durch die Gemeinde.

Die zweite Ebene der Autoritätsvermittlung ist die Vermittlung von Autorität durch Gott.
Gott bestätigt hier durch sein Wirken, dass er den geistlichen Leiter als solchen mit der Aufgabe des Leitens betraut hat. Wie aber genau verhält es sich hier in dieser Ebene? Was heißt das genau?

Die Aufgabe des Leitens

Es wäre falsch davon auszugehen, dass Gott zunächst und zuerst Autorität an Leiter vermittelt. Leiten ist kein Amt, Leiten ist eine Aufgabe. Somit vergibt Gott zunächst die Aufgabe des Leitens an reife und bewährte Christen.
Reif und bewährt sollen sie sein, führt Paulus an:
1 Timotheus 3:2 Der Aufseher nun muss untadelig sein, Mann einer Frau, nüchtern, besonnen, sittsam, gastfrei, lehrfähig, ……….. 4 der dem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder mit aller Ehrbarkeit in Unterordnung hält…………. 6 nicht ein Neubekehrter, damit er nicht, aufgebläht, dem Gericht des Teufels verfalle. 7 Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind, damit er nicht in übles Gerede und in den Fallstrick des Teufels gerät.
Titus 1:9 der an dem der Lehre gemäßen zuverlässigen Wort festhält, damit er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.

Gott vergibt hier eine Aufgabe, wie er sie im Gespräch zwischen Jesus und Petrus in Joh. 21:15ff erläutert. (Nicht verwunderlich also, dass Petrus sich in seinem Brief, 1.Petr. 5:1-4, genau darauf wieder bezieht) Hier nimmt Jesus wiederum Bezug auf sein Reden über die Schafe und den Hirten in Joh. 10:1ff. Hier zeigt er auch ab Vers 11 den Unterschied zwischen guten Hirten und Mietlingen – Tagelöhner, die sich um Schafherden kümmern – auf. Der Hirte, der für seinen Herrn die Schafe hütet, hat keinen Besitzanteil an den Schafen. (Auch der „den Hirten anvertraute Anteil der Herde“ im 1.Petr. 5:3 ist kein Besitzanteil, sondern drückt lediglich aus, dass dies ein Teil der gesamten Herde Gottes ist.) Er hat kein Amt, er hat eine Aufgabe. Die Ausführung seiner Aufgabe definiert ihn als Hirten und nicht ein Titel.
Gott gibt seinen Hirten aber auch eine Beglaubigung mit, dass sie zurecht diese Herde hüten. Gott bestätigt die Aufgabe des Hirten indem er ihm eine Autorität vermittelt.

Hier kommen wir zu dem Wesen der geistlichen Autorität
Das Wesen der geistlichen Autorität ist, dass sie niemals genommen, sondern immer verliehen wird. Sie wird zum einen von Gott und zum anderen von dem Gemeindegliedern verliehen. Wann immer sich ein geistlicher Leiter eine Autorität nehmen will, handelt er entgegen dem Wesen göttlicher Leitung.
Jegliche Autorität, die ein Leiter also hat, ist eine Ausstattung um die Aufgabe tun zu können.

Gerne wird hier eine besondere Autorität der Leiter im geistlichen Bereich, insbesondere im Gebet für seine Leute angeführt. Es wird davon gesprochen, dass Christen mit einen geistlichen Schutz durch Leiter abgedeckt sein müssten. Leider ist es nicht selten so, dass die Gläubigen eher Schutz vor div. Leiter benötigten, als das sie Schutz durch Leiter erfahren.

Die innerweltlichen Aufgaben der Leiter sind i.d.R. Leicht erkennbar: es geht hier um das Vermitteln und das Achten auf die richtige Lehre, dem Achten darauf, dass innerhalb der Gemeinde die Beziehungen untereinander in Gottes Sinne gelebt werden, zu vermitteln, aufzuerbauen und zu trösten, usw.
Ich möchte hier auch erwähnen, dass der Leiter auch eine Schutzaufgabe für seine Gemeindemitglieder nach Außen hin hat. Werden Gemeindeglieder von Außen in Frage gestellt oder gar mit Vorwürfen angegriffen o.ä., so erwartet Gott hier eine Loyale Haltung des Leiters zu seinen Gemeindegliedern. Allzu oft wird aber auf den Klatsch und Tratsch unter Leitern gehört und dem Gemeindeglied weniger geglaubt, als den Worten anderer Leiter. Klatsch und Tratsch, oder wie Luther es nannte: „Afterreden“, gibt es schon viel zu viel im Leib Christi. Welch ein Vorbild geben Leiter hier ab, wenn sie dem Klatsch Gehör schenken oder gar dies sogar noch unter sich zu tun pflegen?
Nicht nur, dass der Leiter selber von Außen her einen guten Ruf haben soll (1.Tim. 3:7), so soll er auch die Gemeindeglieder dazu anhalten auch außerhalb der Gemeinde einen guten Ruf zu erwerben.

Wie aber sehen die geistlichen Aufgaben des Leiters aus?

Die geistliche Autorität des Leiters

Auch hier haben wir zunächst eine Aufgabe, die der Leiter von Gott her hat. Wir können dies insbesondere am Beispiel des Paulus sehen: Röm. 1:9ff, Eph. 1:14ff, Phil. 1:9ff und 1.Thess. 1:2 – das Gebet für die Gläubigen.
Paulus betete regelmäßig und mit voller Hingabe für die, die ihm anvertraut wurden. Dies ist eine vornehmliche Aufgabe der Leiter, die leider zu oft vernachlässigt wird. Zu oft empfinden geistliche Leiter nicht im Ansatz die Leidenschaft für ihren anvertrauten Teil der Herde, wie wir es im Beispiel des Paulus erleben können. Paulus rang im Gebet für jeden Einzelnen in all den Gemeinden, die er gegründet oder betreut hat. Oft, so schreibt er, betet er unter Tränen und innerem Ringen für diese Christen.

Wie verhält es sich nun hier? Hat der Leiter im Gebet besondere Autorität in Bezug auf seine Christen?
Halten wir nochmals fest: Autorität wird verliehen, nicht genommen. Auch hier wird besondere Autorität von Gott als Reaktion auf das aufrichtige und hingebungsvolle Gebet des Leiters erwidert. Durch Gottes Reaktion vermag der Leiter auch Gebete in Vollmacht für seine Gemeindeglieder zu sprechen. Aber ist diese Vollmacht eine besondere Vollmacht? Nein! Jeder Christ, der aufrichtig und hingebungsvoll für andere Christen betet, wird dieselbe Vollmacht durch die Reaktion Gottes erhalten. Denn nicht der Beter ist hier ausschlaggebend, sondern Gott, der die Gebete hört und entsprechend reagiert. Autorität im Gebet fußt ausschließlich auf der Reaktion Gottes, nicht auf den Beter selber – das sollten wir immer im Hinterkopf behalten. Gott ist der Handelnde und nur Ihm gebührt alle Ehre dafür. Fürbitte füreinander zu tun ist ein Gebot an den gesamten Leib Christi. Für geistliche Leiter ist es zusätzlich noch Bestandteil ihrer Aufgabe. Sie haben also nicht nur das allgemeine Gebot der Fürbitte, sondern auch die besondere Aufgabe für ihre Gemeindeglieder zu beten.

Im Gebet hat der Leiter dann auch die Autorität zu binden und zu lösen (Matth. 18:17 und Joh. 20:23 im Kontext der Sündenvergebung) oder um Heilung der Seele und des Körpers zu beten (Jak. 5, etc.). Aber immer ist es so, dass der Leiter hier etwas als Aufgabe hat, was dem Gesamtleib Christi als Gebot gegeben wurde, somit also auch von jedem anderen Christ ausgeübt werden kann. Im Besonderen hat der Leiter eher die Aufgabe Andere in solchen Gebeten anzuleiten, als sie alle selber zu tun.

Weiter hat auch der neutestamentliche Leiter geistliche Aufgaben und Autorität in rituellen Handlungen wie Salbung mit Öl, Taufe und Abendmahl. Aber auch hier: neben dem dass Alle aufgerufen sind solche Handlungen aneinander zu tun, ist der geistliche Leiter besonders dazu beauftragt. So wird keine dieser Handlungen erst durch die Hand des Leiters besonderen Wert zuteil. Jede Tauf in der richtigen Haltung vor Gott ist eine gültige Taufe, jedes Abendmahl in der richtigen Haltung eingenommen ein würdiges und vor Gott gültiges etc. Dem Leiter ist auch hier keine besondere Autorität zugeordnet, es sind aber seine besonderen Aufgaben, diese zu tun und darin anzuleiten. Man bedenke, das Paulus von sich im 1.Kor. 1:14 sagt, dass er lediglich zwei Mitglieder der Korinther Gemeinde getauft hat. Offensichtlich wurden die Taufen auch durch andere Gemeindeglieder ausgeübt – so wie auch im Beispiel des Diakons Philippus in Apg. 8:36ff
Hier muss auch noch das Vermitteln von geistlichen Gaben oder Aufgaben durch Handauflegung erwähnt werden. Auch hier unterstehen solche Handlungen nicht der Willkür des Leiters, sondern bedürfen immer der Bestätigung durch Gott und der Gemeinde. Die Handlung der Handauflegung ist auch nur eine Symbolische und von geringem Wert, wenn sie nicht durch Gottes Reaktion bestätigt wird.

Ebenso gibt es besondere Segnungshandlungen, die im Aufgabenbereich eines geistlichen Leiters gegeben werden. Diese Aufgaben werden i.d.R. Durch die Gemeindeglieder vermittelt. Dies können Trauungen, Kindersegnungen, etc. Sein. Wir finden solche Handlungen kaum im Wort Gottes wieder, dennoch haben sie sich nach und nach in die Gemeinde eingefunden.

Der neutestamentliche Leiter im Vergleich zum alttestamentlichen Priester

In unschöner Regelmäßigkeit kommen Zeiten unter den Christen wieder, wo geistliche Leiter sich mit den Priestern und Propheten des alten Testaments vergleichen, deren besondere Aufgabe es war, Mittler zwischen Gott und den Menschen zu sein. Kaum ein Opfer, das nicht durch einen Priester dargebracht werden musste, kaum ein Segen, der nicht von einem Priester gesprochen werden musste, kaum ein Wort Gottes an sein Volk, das nicht von einem Propheten weitergegeben wurde. Aber dies ist das alte Testament! Wir befinden uns im neuen Testament und haben nur noch einen Mittler zwischen Gott und Menschen: Jesus Christus.
1 Timotheus 2:5 Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, 6 der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit.
Durch die Erlösungstat am Kreuz durch Jesus Christus sind wir in den neuen Bund gekommen, in dem wir nun alle Priester und Könige unter Jesus sind:
1 Petrus 2:5 lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus! ……… 9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat

Dies sollte eigentlich klar sein und wurde u.a. Durch Luther wieder im Besonderen betont, dass es kein spezielles Priestertum mehr gibt, sondern dies durch ein allgemeines Priestertum abgelöst wurde. Dennoch erlebt der Leib Christi immer wieder, dass Leiter sich über den Leib erheben wollen und für sich Autorität beanspruchen, die dem gesamten Leib gegeben wurde und nicht mehr einzelnen Personen im Besonderen.
Klar, es erscheint leichter zu sein in einem Amt mit besonderen Autoritäten die Aufgabe des Leitens auszuüben, aber dies hinterlässt immer nur destruktive Spuren. Jeder Leiter, der sich als Mittler – wenn auch nur im Speziellen – zwischen Gott und Menschen versteht, will sich an die Stelle Jesu setzen. Jede Leitungsaufgabe muss im Lob Gottes münden, muss den Gläubigen auf Gott zentrieren und fokussieren. Der Leiter muss hinter seiner Aufgabe des Leitens verschwinden um dem Ruhm Gottes Raum zu geben.
Das entbindet die Gemeinde aber nicht, dem Leiter lobende Anerkennung für seine gute und treue Ausübung seiner Aufgabe zu geben: 1.Tim. 5:17-19

Leiten durch Überzeugen im Umgang mit der anvertrauten Autorität

Kommen wir zum eigentlichen Thema zurück, denn dies soll und kann hier keine abschließende Aufzählung der Aufgaben von geistlichen Leitern sein. Autorität ist also verliehen und gegeben, damit die Aufgabe, zu der die geistlichen Leiter beauftragt sind, in guter Weise ausgeübt werden kann.
Es bleibt: Jede Autorität wird erst als solche wirksam, wenn sie als solche erkannt und anerkannt wird. Neutestamentliche Leiter haben nicht die Aufgabe zu richten und damit Autorität Gottes über die Anerkennung durch den Leib Christi hinweg wirksam auszuüben. Gott mag und wird durch von Ihm berufene Leiter durch besondere Wirkungen und geistlichen Gaben seine Berufung der Person bestätigen. Aber dies ist alles zum Zeugnis gegeben und nicht zum manipulieren, zum Machterhalt oder gar zum richten des Volk Gottes. Und jeder Leiter darf nicht vergessen: egal wie außergewöhnlich die geistliche Gabe sein mag, in der er wirken kann, sie wird niemals dazu gegeben, damit der Leiter an die Stelle Gottes rücken darf. Ich betone das so, weil dies ein sehr sensibles Gebiet ist. Allzu schnell werden Leiter dazu verführt, sich in den Mittelpunkt zu stellen und den Fokus von Jesus auf sich zu verbiegen. (Apg. 20:30)

Ein geistlicher Leiter wird also im Leib Christi seinen Platz finden und Anerkennung finden, wenn er seine Aufgabe in überzeugender Weise ausübt, sich darin bewährt und sorgsam mit der ihm verliehenen Autorität umgeht. Jeder der darin gut zu arbeiten weiß, wird nicht um Anerkennung ringen müssen. Und selbst wenn sie ihm verweigert wird, so wird ein solcher Leiter nicht im Zorn reagieren, wissend dass nicht er beschnitten wird, sondern Gott beschnitten wird (1.Sam. 8:7). Auch hier ist Paulus ein gutes Beispiel eines neutestamentlichen Leiters. (2.Tim. 14-18)

Charly
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Voreilender Gehorsam und voreiliger Gehorsam

Lesezeit: 3 Minuten

„Ich muss alles tun, um mit dem Rauchen aufzuhören! Denn sonst kann ich Gott nicht gefallen!“

Keine Angst, ich habe nicht angefangen zu Rauchen 😉 Das ist kein Ausspruch von mir, der kommt von einem Christen (was sag ich: von einem? – von zig) den ich kenne. Das ist ja auch nur ein Beispiel von dem, woran sich das festmacht, was ich in der Überschrift erwähnt habe.

Also von Anfang an:
Jeder Christ, der wirklich einer ist, hat sein Leben unter die Herrschaft Gottes gestellt und will natürlich Gott gehorsam sein. So weit, so gut.
Und genau hier geht es schon los.

Ich habe jetzt etwas von Klaus Vollmer über den Römerbrief betreffs Sünde gelesen, was mich begeistert hat, in seiner Klarheit.
Er sagt: „Nicht die Sünde ist das Schlimme an der Sünde, sondern dass Gott aktiv auf Sünde reagiert, das ist das Unheimliche und das Beklemmende. Daher musste geschehen, was geschehen ist: Der Mensch ist Gott losgeworden, weil Gott ihn losgelassen hat. Nun hat der Mensch nicht mehr seinen ewigen Halt, sondern muss sich am Zeitlichen und Vergänglichen festhalten. Wer die Anbetung Gottes aufgibt, den entlässt Gott in die Anbetung der Dinge, der Gaben und der Menschen. Gott gibt den Menschen preis! Er lässt ihn los. Der Mensch wird nun sein eigener Gott.“ (über Röm. 1:18-32 – Überschrift: „Dahingegeben“)

Darüber haben wir gesprochen und prompt kam obige Antwort.
Da wir ja nun Gott gehören, sind wir schuldig Ihm auch gehorsam zu sein und geben uns alle Mühe die Gebote, oder das was wir dafür halten, einzuhalten. Wenn wir das nicht tun, die Gebote einhalten, gefallen wir Gott nicht und fallen aus seiner Gnade.
Tatsächlich, tun wir das?

Klaus Vollmer schrieb noch weiter:
„Erst wenn das gesehen und erkannt wird, begreift man, warum Paulus auch dem Gehorsam gegenüber den Geboten, dem Gesetz, keine Chance einräumt (so, als ob man mit dem Gesetz wieder vor Gott zurecht käme). Auch das Gesetz schafft niemals das Preisgegebensein, den Zorn Gottes aus der Welt und aus dem menschlichen Herzen……….
So hebt das Kreuz von Golgatha, das Opfer Jesu, sowohl die Sünde des Menschen als auch den Zorn Gottes auf!“

Was kann wohl der Mensch aus sich heraus tun, was Gott gefallen könnte? Ich sag’s direkt: Nichts! So werden wir nichts damit erreichen, wenn wir im voreilendem Gehorsam Gottes Gebote halten wollen, um damit Gunst und Gnade Gottes zu erlangen. Dieser voreilende Gehorsam ist ein voreiliger Gehorsam – zu schnell gedacht, zu schnell gehandelt, am Ziel vorbei.

Wir werden Gott nicht gefallen und dadurch Gottes Gnade erlangen, wenn wir Seine Gebote halten (oder das, was wir dafür halten). Kommen wir aber schlicht so zu Ihm wie wir sind, ungeschönt, in unserer Ohnmacht das aus uns tun zu können, was vor Gott etwas gilt, dann gefallen wir Gott. Und dann wird Gott in uns bewirken, dass wir seine Gebote halten können, dass wir so leben, wie es Ihm gefällt.
Statt voreilenden Gehorsam also nacheilender Gehorsam. Darüber muss man mal nachdenken.

Für meine rauchenden Freunde bedeutet das: Nicht mit dem Rauchen aufhören, damit du Gott gefällst, sondern in deiner Ohnmacht zu Gott kommen, denn dann gefällst du Ihm. Und dann hilft Gott dir mit dem Rauchen aufzuhören – dem Einen früher, dem Anderen später – eben dann, wenn es Gottes Meinung nach dran ist.
Ok, wenn Gott uns dann befähigt hat, dann sollten wir es aber auch tun, dann wollen wir Gehorsam sein.

Charly

Zitate aus dem Buch:
Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes (Glaubenskurs Römerbrief)
R. Brockhaus Taschenbuch Band 377 (ABC-Team), vergriffen

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Leiten durch Überzeugen

Lesezeit: 4 Minuten

Vorwort

Schon länger bewege ich dieses Thema und will dazu einen Artikel schrieben. Desto mehr ich darüber nachdenke, desto länger scheint mir dieser Artikel zu werden. Irgendwann muss man irgendwo damit Anfangen und somit starte ich jetzt einfach mal und werde wohl mit der Zeit mehr und mehr Teile hinzufügen.

Leiten durch Überzeugen

Eine der am häufigsten genannten Bibelstellen zur Leitung in der Gemeinde ist folgende:
Hebräer 13:17 „Gehorcht und fügt euch euren Führern! Denn sie wachen über eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre nicht nützlich für euch.“

Viel Leid kann man von Christen berichtet bekommen, wenn man sie zu ihren Erfahrungen mit dieser Bibelstelle befragt. So mancher berichtet dann von erlebten geistlichen Missbrauch und anderen Bibelversen in der Art von: „Taste meinen Gesalbten nicht an“
Und tatsächlich lesen wir hier nicht etwas von bedingungsloser Unterordnung unter Leitern der Gemeinde?

Schauen wir in den Grundtext:
Für „Gehorcht“ steht im Griechischen: „peitho“

was bedeutet: sich binden, trauen, vertrauen; zustandegekommen
aufgrund von Überredung bzw. Überzeugung, daher: sich auf etw. oder jmd. verlassen

Hier die üblichen Verwendungen dieses Wortes (aus den Strongs)
I.) Akt. tr.: überzeugen
1) jmdn. zu oder von etw. überreden bzw. überzeugen; Überzeugungskraft
anwenden (konatives Präsens). {Ac 18:4 19:8,26 26:28} ua.
2) jmdn. bereden, beschwatzen, jmdn. durch bitten zu etw. überreden.
{Mt 27:20 Ac 13:43 26:28 2Co 5:11 Ga 1:10}
3) jmdn. besänftigen, beruhigen; jmdn. auf seine Seite ziehen, sich
jmdn. gefügig machen. {Mt 28:14 Ac 12:20 14:19 Ga 1:10 1Jo 3:19}
II.) Akt. und Pass. von Pf.2 und Plpf. (mit Präs. Bedeutung):
sich verlassen auf…
1) Vertrauen gefaßt haben, fest vertrauen, seine Zuversicht auf etw.
oder jmdn. setzen, gewiß und sicher sein, d. Überzeugung haben…;
sich auf etw. verlassen, glauben an…;
{Mt 27:43 Php 1:14 2Th 3:4} ua.
III.) Pass.: überzeugt sein
1) sich überreden bzw. überzeugen lassen; Glauben haben in etw. oder
an jmdn.; glauben, zum Glauben kommen. {Lu 20:6 Ro 8:38 Heb 6:9} ua.
2) sich fügen, jmdm. (bereitwillig) Folge leisten, auf jmdn. hören,
gehorchen, folgen.
{Ac 5:36,37,40 23:21 27:11 Ro 2:8 Ga 5:7 Heb 13:17 Jas 3:3}

Wie wir also leicht sehen können hat neutestamentliche Leitung nichts mit Hierarchie zu tun, die einfach gesetzt wird und der man sich, aufgrund ihres Bestehens, unterzuordnen hat.
Gerade Hebräer 13:17 würde eigentlich richtiger oder vollständiger so ähnlich übersetzt sein: „Gehorcht und fügt euch freiwillig euren Führern, die euch aufgrund ihrer Worte und Taten überzeugt haben!“ Denn das bedeutet das Wort „peitho“ eigentlich.

Folgende ebenfalls bekannte Bibelstelle unterstreicht diesen Aspekt nochmal:
1 Petrus 5:1 Die Ältesten unter euch nun ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden des Christus und auch Teilhaber der Herrlichkeit, die geoffenbart werden soll: 2 Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist nicht aus Zwang, sondern freiwillig, Gott gemäß, auch nicht aus schändlicher Gewinnsucht, sondern bereitwillig, 3 nicht als die, die über ihren Bereich herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde werdet! 4 Und wenn der Oberhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr den unverwelklichen Siegeskranz der Herrlichkeit empfangen. 5 Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter! Alle aber umkleidet euch mit Demut im Umgang miteinander! Denn «Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade».

Für Missbrauch keinen Raum

Verstehen wir also, dass Leitung durch Überzeugen geschieht, so nehmen wir möglichen Missbrauch durch Machtgehabe jeglichen Raum. Macht hat hier keine Relevanz, denn Macht wird über hierarchische Ordnungen ausgeübt. Hier steht der Leiter aber auf derselben Ebene wie der Geleitete. Die Leitung wird nicht gesetzt, sondern der Leiter bekommt vom Geleiteten das Vertrauen zugesprochen, Leitung auszuüben. Leitung wird also nicht „von Oben her“ definiert, sondern „von Unten her“. Niemand muss sich also Jemanden unterordnen, weil dieser in ein Amt eingesetzt wurde. Jeder darf sich aber freiwillig entscheiden sich einem Leiter unterzuordnen, weil dieser ihn überzeugt hat.

Durch Überzeugung Unterordnen

Damit kommen wir zur anderen Seite der Hebräerstelle: das freiwillige Unterordnen, weil man überzeugt wurde.
Durch Unterordnung / Gehorsam gegenüber einem Leiter spricht man ihm Vertrauen aus. Man tut es in biblischen Sinne also immer dann, wenn man von der Person des Leiters durch seine Worte und Taten überzeugt ist, das dies ein guter Leiter ist.
Man könnte jetzt auf die Idee kommen, dass mich der Leiter immer erst von einer Idee für die Gemeinde überzeugen muss und erst dann ordne ich mich dem ggf. Unter. Das wäre allerdings völlig falsch verstanden. Im Hebräerbrief lesen wir: „Gehorcht euren Leitern“ und nicht eine demokratische Idee der Entscheidungsabstimmung.
Wir Ordnen uns einem Leiter also unter, weil wir es freiwillig tun, weil wir von seinen Worten und Taten überzeugt wurden. Das beinhaltet auch, dass wir diesem Leiter vorlaufendes Vertrauen aussprechen. Also auch bereit sind uns in bestimmten Dingen ihm unterzuordnen, wenn wir diese noch nicht ganz verstehen oder noch nicht davon überzeugt sind. Eben in dem Vertrauen dass dieser Leiter fähig ist gute Entscheidungen zu treffen. Indem wir dadurch immer wieder erleben, was die Entscheidungen dieses Leiters bewirken, bewerten wir immer wieder neu, ob und wie weit wir uns ihm unterordnen – ihm Gehorsam sind.

Überzeugen braucht Zeit

Ich höre schon div. Leiter stöhnen. So etwas braucht doch ewig lange Zeit und kann man dann noch effektiv Gemeinde leiten? Ja, man kann!
Es geht hier nicht darum mit jedem einzelnen Gemeindemitglied einen Überzeugungsprozess durchzugehen um dann erst Entscheidungen in der Gemeinde umsetzen zu können. Leiter werden nach der Bibel bestätigt und nicht eingesetzt. Das bedeutet, dass jeder Leiter schon im Vorfeld durch seine Worte und sein Handeln überzeugt hat. So können neuere Mitglieder der Gemeinde auch der Gemeinde vertrauen, dass dieser Leiter aufgrund seines überzeugenden Reden und Handelns bestätigt wurde und ihm somit auch vorlaufendes Vertrauen aussprechen.
Dies funktioniert erst recht, wenn wir das biblische Modell der Hausgemeinde wählen, in der die Gemeindegruppe immer überschaubar bleibt und Jeder Jeden kennen kann. Will man aber große Gemeinden bauen, so wird dieses Leiten durch Überzeugen mehr und mehr nicht mehr funktionieren.

Es gibt noch mehr Bibelstellen, die eindrückliche Aspekte auf das Leiten durch Überzeugen werfen. Dazu will ich später hier noch mehr ergänzen.

Charly

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