Aktive Sterbehilfe bei Star Trek

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Todesspritze
© public domain / Reimund Bertrams by pixabay

Bestimmte Themen werden durch die Medien immer präsenter gemacht und damit in eine scheinbare, eben nicht der Realität entsprechenden Normalität gebracht. So auch die Sterbehilfe.

Zuletzt habe ich das in Star Trek Discovery Folge 4/2te Staffel „Der Charonspfennig“ sehen können. (Hier könnt ihr nachlesen, was es mit dem Charonspfennig auf sich hat.)

Durch äußere Begebenheiten wird bei einem Crewmitglied der Sterbeprozess ausgelöst. Dieser bittet dann Michael Burnhham, die Hauptdarstellerin der Serie, um aktive Sterbehilfe. Ihm würden sonst sehr starke Schmerzen und massives psychisches Leiden drohen. Dazu begeben sich die Beiden, mit Wissen des Captains und der Brückencrew in das Privatquartier des Sterbenden. Dort soll sie dem Sterbenden mittels eines Messers die todbringenden Schnitte versetzen.
Dem geht eine hochemotionale Szene voraus, in dem sich beide zugestehen, dass sie nicht nur zu Freunden, sondern auch zur Familie geworden sind. Die starke psychische Belastung ist Michael anzusehen, als sie dann zur Tat ansetzen will. Soweit genug Teaser.

Was gibt es nun an dieser Darstellung zu kritisieren? Ist das nicht ein starker Ausdruck von Humanität und Freundschaft? Wirklich? Steckt da nicht viel mehr hinter, als man uns als Zuschauer zumutet? Wie ist das in der Realität?

Sterbehilfe ist nicht nur unter Christen ein viel diskutiertes Thema. Ich habe zum Thema schon diverse Beiträge und Diskussionen verfolgt. Doch wenige Beiträge und Diskussionen beschäftigen sich mit der harten Realität, die eine Sterbehilfe begleitet. Meistens bewegen sich die Diskussionen um ethische Fragen und der konkreten Form der Sterbehilfe. Sehr selten wird aber auf die immense psychische Belastung für die Begleitenden geschaut. Die sind aber zum Teil enorm – wie ich es hier schon einmal betrachtet habe. Wer meint, man könne diese psychischen Folgen vernachlässigen oder solche gar übertrieben dargestellt findet, muss sich fragen lassen, ob mit seiner Psyche noch alles im Lot ist. Ja, harte Worte. Doch notwendig angesichts des starken Drucks, mit dem uns beigebracht werden soll, dass Sterbehilfe gar etwas Edles, ungemein humanes sei.

Hier sei noch einmal festgehalten, dass Sterbehilfe etwas gänzlich anderes ist, als eine palliative Sterbebegleitung. Die erste ist eine aktive Tötung des Menschen. Die zweite will lediglich helfen, den Sterbeprozess mit weniger Leid verlaufen zu lassen.

Eine Abwägung des Lebens zum vorzeitigen Tod ist schwer zu handhaben. Wobei immer auch die Frage im Raum steht, inwieweit dürfen wir diese Abwägung eigentlich machen? Steht das von Gott gegebene Leben uns wirklich zur eigenen Verfügung? Eine ehrliche, nicht rein ideologische Auseinandersetzung ist schwer. Insbesondere dann, wenn Freunde und Angehörige bereits verstorben sind und einem dadurch das Thema deutlich näher ist. Hier gibt es keine einfachen Antworten, keine simplen Leitlinien, an denen man sich orientieren kann.

In dieser Star-Trek-Folge wird dies alles aber garnicht betrachtet. Es wird uns eine Zukunft präsentiert, in der es anscheinend eine Selbstverständlichkeit ist, jemanden auf eigenen Wunsch hin zu töten. So ähnlich wird uns dieses Thema auch zunehmend in anderen Filmen, Serien, etc. präsentiert. Als etwas Selbstverständliches und humanes.
Ergänzung: Ein Leser wies mich auf eine Folge von Star Trek: The Next Generation Staffel 5/16 „Die Operation“ hin. In der Lieutenant Commander Worf durch einen Unfall querschnittsgelähmt ist. Aufgrund der klingonischen Kultur bittet er seinen Freund Commander Riker darum, mit ihm eine klingonische Tötung-Zeremonie durchzuführen, damit er in Ehre sterben kann und nicht als Pflegebedürftiger anderen zur Last zu fallen muss. Das löst ethische Konflikte und Diskussionen auf der Enterprise aus – anders als auf der Discovery. Hier wurde alles Mögliche getan, um Worf doch noch zu helfen, was letztlich gelang. So ändert sich der Umgang mit dem Thema von Feb. 1992 bis Feb. 2019.

Ich habe mit einer Radioredaktion nach einer Dokumentation einmal einen E-Mailaustausch darüber gehabt, ob sich die Hauptperson in dieser Dokumentation nicht tatsächlich einer unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht hat. Sie hatte die Kenntnis über konkrete Suizidpläne einer Nachbarin nicht zur Anzeige gebracht. Genau dieses Verhalten wurde aber als vorbildlich dargestellt. Allein die Möglichkeit, dass man dieses Verhalten auch ganz anders sehen kann, schien den Machern dieser Dokumentation garnicht gekommen zu sein.
Es ist in unserer Gesellschaft wieder überbordend, dass sehr komplexe Themen, für die es keine einfachen Antworten geben kann, medial sehr einseitig präsentiert werden. Es scheint, als würde auf den Gewöhnungseffekt gesetzt, der uns dazu bringt, Dinge für selbstverständlich zu halten, die es beileibe nicht sind.

Meine Frage an die Fans von Star Trek, insbesondere den Christen darunter: Ist euch das aufgefallen? Oder haltet ihr das gezeigte Verhalten auch schon für so gut wie selbstverständlich?

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Ein Gedanke zu „Aktive Sterbehilfe bei Star Trek“

  1. Ausnahmsweise habe ich die Folge mal geschaut über die du schreibst. Was ein Zufall – ohne Netflix.
    Was mich bei der ganzen Geschichte mehr beschäftigt hat, war die Frage, warum auf einem Schiff voller Technik, mit einer vollausgestatteten Krankenstation und all dem Schischi, mit dem da sonst umgegangen wird, der Akt der Tötung mit einem … Blumenmesser erfolgen soll. Dabei ist mir bewußt, dass es andere Rassen gibt (ZB die Klingonen) wo sich manche archaische Traditionen gehalten haben. Und warum kann die Krankenstation nicht erkennen, dass es sich nicht um einen Sterbeprozess handelt? Alles für mich eher verwirrend.
    Vielleicht lege ich auch zu viel Realitätssinn in eine SciFi Serie.

    Bemerkenswert fand ich, dass ein Sterben in vertrauter Umgebung einer anonymen Krankenstation vorgezogen wird, sofern sowas auf einem Raumschiff möglich ist. Da sind durchaus Aspekte, die ich nachvollziehen kann.

    Die Frage rund um aktive Sterbehilfe ist extrem komplex und sehr vielschichtig. Die Art der medialen Darstellung kann ich nur bedingt beurteilen. Bei Star Trek gibt es aber durchaus auch andere Beispiele. Worf wollte sich nachdem sein Rückrad gebrochen wurde auch töten, entschied sich aber dagegen (oder erinnere ich das falsch) um seinen Sohn aufwachsen zu sehen. Dann gab es da diese eine Folge, in der sich „Menschen“ eines fremden Planeten „wenn ihre Zeit gekommen war“ in Binden hüllten um sich ins Jenseits zu teleportieren, was jedoch nur ein Ort in den Ringen eines Planeten war. Da war die Kultur des Sterbens sehr stark im Fokus. Und dann die Folge, als Data einen Satellit mit eingefrorenen Menschen aus der Vergangenheit findet. Und wo wir gerade bei Data sind, er brauchte am Ende ja auch Hilfe bei seinem Tod. (Serie Picard, erste Staffel) Wobei die Frage ist, ob er je lebte…

    Auch innerhalb der Christenheit wird das Thema Sterben, Sterbehilfe ja durchaus divers betrachtet. Ich kann aber deinen Blickwinkel auf die Psyche der Menschen, die eine solche Sterbehilfe leisten sehr gut nachvollziehen. Der Tod ist für den Sterbenden einmalig und endgültig. Die Hinterbliebenen müssen damit leben.

    Und da sind wir bei Ostern. Jesus ist ja nicht im tod geblieben. Wir dürfen also gewiss sein, einen Sterbenden nicht allein zu lassen, wenn er/sie geht. Sobald wir ihn/sie nicht mehr begleiten können, ist er bei Jesus, der die Ängste des Todes kennt und der ihn/sie begleiten wird. Was auch immer da kommt.

    Diese tröstenden Gedanken sollen ganz bestimmt keine Sterbehilfe „befürworten“. Das sind immer im Einzelfall schwere Fragen und Schicksale.

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