Leiten durch Überzeugen II

Lesezeit: 8 Minuten

Die Autorität des Leiters

Immer wieder ist die Autorität von Leitern in der Gemeinde ein Thema. Die Frage, welche Autorität sie haben und wer sie ihnen gibt.

Im ersten Teil habe ich ja schon ausgeführt, dass ein ganzer Teil der Leiterautorität durch die gegeben wird, die sich freiwillig der jeweiligen Leitung unterstellen. Hier haben wir also schon eine erste Ebene der Autoritätsvermittlung: durch die Gemeinde.

Die zweite Ebene der Autoritätsvermittlung ist die Vermittlung von Autorität durch Gott.
Gott bestätigt hier durch sein Wirken, dass er den geistlichen Leiter als solchen mit der Aufgabe des Leitens betraut hat. Wie aber genau verhält es sich hier in dieser Ebene? Was heißt das genau?

Die Aufgabe des Leitens

Es wäre falsch davon auszugehen, dass Gott zunächst und zuerst Autorität an Leiter vermittelt. Leiten ist kein Amt, Leiten ist eine Aufgabe. Somit vergibt Gott zunächst die Aufgabe des Leitens an reife und bewährte Christen.
Reif und bewährt sollen sie sein, führt Paulus an:
1 Timotheus 3:2 Der Aufseher nun muss untadelig sein, Mann einer Frau, nüchtern, besonnen, sittsam, gastfrei, lehrfähig, ……….. 4 der dem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder mit aller Ehrbarkeit in Unterordnung hält…………. 6 nicht ein Neubekehrter, damit er nicht, aufgebläht, dem Gericht des Teufels verfalle. 7 Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind, damit er nicht in übles Gerede und in den Fallstrick des Teufels gerät.
Titus 1:9 der an dem der Lehre gemäßen zuverlässigen Wort festhält, damit er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.

Gott vergibt hier eine Aufgabe, wie er sie im Gespräch zwischen Jesus und Petrus in Joh. 21:15ff erläutert. (Nicht verwunderlich also, dass Petrus sich in seinem Brief, 1.Petr. 5:1-4, genau darauf wieder bezieht) Hier nimmt Jesus wiederum Bezug auf sein Reden über die Schafe und den Hirten in Joh. 10:1ff. Hier zeigt er auch ab Vers 11 den Unterschied zwischen guten Hirten und Mietlingen – Tagelöhner, die sich um Schafherden kümmern – auf. Der Hirte, der für seinen Herrn die Schafe hütet, hat keinen Besitzanteil an den Schafen. (Auch der „den Hirten anvertraute Anteil der Herde“ im 1.Petr. 5:3 ist kein Besitzanteil, sondern drückt lediglich aus, dass dies ein Teil der gesamten Herde Gottes ist.) Er hat kein Amt, er hat eine Aufgabe. Die Ausführung seiner Aufgabe definiert ihn als Hirten und nicht ein Titel.
Gott gibt seinen Hirten aber auch eine Beglaubigung mit, dass sie zurecht diese Herde hüten. Gott bestätigt die Aufgabe des Hirten indem er ihm eine Autorität vermittelt.

Hier kommen wir zu dem Wesen der geistlichen Autorität
Das Wesen der geistlichen Autorität ist, dass sie niemals genommen, sondern immer verliehen wird. Sie wird zum einen von Gott und zum anderen von dem Gemeindegliedern verliehen. Wann immer sich ein geistlicher Leiter eine Autorität nehmen will, handelt er entgegen dem Wesen göttlicher Leitung.
Jegliche Autorität, die ein Leiter also hat, ist eine Ausstattung um die Aufgabe tun zu können.

Gerne wird hier eine besondere Autorität der Leiter im geistlichen Bereich, insbesondere im Gebet für seine Leute angeführt. Es wird davon gesprochen, dass Christen mit einen geistlichen Schutz durch Leiter abgedeckt sein müssten. Leider ist es nicht selten so, dass die Gläubigen eher Schutz vor div. Leiter benötigten, als das sie Schutz durch Leiter erfahren.

Die innerweltlichen Aufgaben der Leiter sind i.d.R. Leicht erkennbar: es geht hier um das Vermitteln und das Achten auf die richtige Lehre, dem Achten darauf, dass innerhalb der Gemeinde die Beziehungen untereinander in Gottes Sinne gelebt werden, zu vermitteln, aufzuerbauen und zu trösten, usw.
Ich möchte hier auch erwähnen, dass der Leiter auch eine Schutzaufgabe für seine Gemeindemitglieder nach Außen hin hat. Werden Gemeindeglieder von Außen in Frage gestellt oder gar mit Vorwürfen angegriffen o.ä., so erwartet Gott hier eine Loyale Haltung des Leiters zu seinen Gemeindegliedern. Allzu oft wird aber auf den Klatsch und Tratsch unter Leitern gehört und dem Gemeindeglied weniger geglaubt, als den Worten anderer Leiter. Klatsch und Tratsch, oder wie Luther es nannte: „Afterreden“, gibt es schon viel zu viel im Leib Christi. Welch ein Vorbild geben Leiter hier ab, wenn sie dem Klatsch Gehör schenken oder gar dies sogar noch unter sich zu tun pflegen?
Nicht nur, dass der Leiter selber von Außen her einen guten Ruf haben soll (1.Tim. 3:7), so soll er auch die Gemeindeglieder dazu anhalten auch außerhalb der Gemeinde einen guten Ruf zu erwerben.

Wie aber sehen die geistlichen Aufgaben des Leiters aus?

Die geistliche Autorität des Leiters

Auch hier haben wir zunächst eine Aufgabe, die der Leiter von Gott her hat. Wir können dies insbesondere am Beispiel des Paulus sehen: Röm. 1:9ff, Eph. 1:14ff, Phil. 1:9ff und 1.Thess. 1:2 – das Gebet für die Gläubigen.
Paulus betete regelmäßig und mit voller Hingabe für die, die ihm anvertraut wurden. Dies ist eine vornehmliche Aufgabe der Leiter, die leider zu oft vernachlässigt wird. Zu oft empfinden geistliche Leiter nicht im Ansatz die Leidenschaft für ihren anvertrauten Teil der Herde, wie wir es im Beispiel des Paulus erleben können. Paulus rang im Gebet für jeden Einzelnen in all den Gemeinden, die er gegründet oder betreut hat. Oft, so schreibt er, betet er unter Tränen und innerem Ringen für diese Christen.

Wie verhält es sich nun hier? Hat der Leiter im Gebet besondere Autorität in Bezug auf seine Christen?
Halten wir nochmals fest: Autorität wird verliehen, nicht genommen. Auch hier wird besondere Autorität von Gott als Reaktion auf das aufrichtige und hingebungsvolle Gebet des Leiters erwidert. Durch Gottes Reaktion vermag der Leiter auch Gebete in Vollmacht für seine Gemeindeglieder zu sprechen. Aber ist diese Vollmacht eine besondere Vollmacht? Nein! Jeder Christ, der aufrichtig und hingebungsvoll für andere Christen betet, wird dieselbe Vollmacht durch die Reaktion Gottes erhalten. Denn nicht der Beter ist hier ausschlaggebend, sondern Gott, der die Gebete hört und entsprechend reagiert. Autorität im Gebet fußt ausschließlich auf der Reaktion Gottes, nicht auf den Beter selber – das sollten wir immer im Hinterkopf behalten. Gott ist der Handelnde und nur Ihm gebührt alle Ehre dafür. Fürbitte füreinander zu tun ist ein Gebot an den gesamten Leib Christi. Für geistliche Leiter ist es zusätzlich noch Bestandteil ihrer Aufgabe. Sie haben also nicht nur das allgemeine Gebot der Fürbitte, sondern auch die besondere Aufgabe für ihre Gemeindeglieder zu beten.

Im Gebet hat der Leiter dann auch die Autorität zu binden und zu lösen (Matth. 18:17 und Joh. 20:23 im Kontext der Sündenvergebung) oder um Heilung der Seele und des Körpers zu beten (Jak. 5, etc.). Aber immer ist es so, dass der Leiter hier etwas als Aufgabe hat, was dem Gesamtleib Christi als Gebot gegeben wurde, somit also auch von jedem anderen Christ ausgeübt werden kann. Im Besonderen hat der Leiter eher die Aufgabe Andere in solchen Gebeten anzuleiten, als sie alle selber zu tun.

Weiter hat auch der neutestamentliche Leiter geistliche Aufgaben und Autorität in rituellen Handlungen wie Salbung mit Öl, Taufe und Abendmahl. Aber auch hier: neben dem dass Alle aufgerufen sind solche Handlungen aneinander zu tun, ist der geistliche Leiter besonders dazu beauftragt. So wird keine dieser Handlungen erst durch die Hand des Leiters besonderen Wert zuteil. Jede Tauf in der richtigen Haltung vor Gott ist eine gültige Taufe, jedes Abendmahl in der richtigen Haltung eingenommen ein würdiges und vor Gott gültiges etc. Dem Leiter ist auch hier keine besondere Autorität zugeordnet, es sind aber seine besonderen Aufgaben, diese zu tun und darin anzuleiten. Man bedenke, das Paulus von sich im 1.Kor. 1:14 sagt, dass er lediglich zwei Mitglieder der Korinther Gemeinde getauft hat. Offensichtlich wurden die Taufen auch durch andere Gemeindeglieder ausgeübt – so wie auch im Beispiel des Diakons Philippus in Apg. 8:36ff
Hier muss auch noch das Vermitteln von geistlichen Gaben oder Aufgaben durch Handauflegung erwähnt werden. Auch hier unterstehen solche Handlungen nicht der Willkür des Leiters, sondern bedürfen immer der Bestätigung durch Gott und der Gemeinde. Die Handlung der Handauflegung ist auch nur eine Symbolische und von geringem Wert, wenn sie nicht durch Gottes Reaktion bestätigt wird.

Ebenso gibt es besondere Segnungshandlungen, die im Aufgabenbereich eines geistlichen Leiters gegeben werden. Diese Aufgaben werden i.d.R. Durch die Gemeindeglieder vermittelt. Dies können Trauungen, Kindersegnungen, etc. Sein. Wir finden solche Handlungen kaum im Wort Gottes wieder, dennoch haben sie sich nach und nach in die Gemeinde eingefunden.

Der neutestamentliche Leiter im Vergleich zum alttestamentlichen Priester

In unschöner Regelmäßigkeit kommen Zeiten unter den Christen wieder, wo geistliche Leiter sich mit den Priestern und Propheten des alten Testaments vergleichen, deren besondere Aufgabe es war, Mittler zwischen Gott und den Menschen zu sein. Kaum ein Opfer, das nicht durch einen Priester dargebracht werden musste, kaum ein Segen, der nicht von einem Priester gesprochen werden musste, kaum ein Wort Gottes an sein Volk, das nicht von einem Propheten weitergegeben wurde. Aber dies ist das alte Testament! Wir befinden uns im neuen Testament und haben nur noch einen Mittler zwischen Gott und Menschen: Jesus Christus.
1 Timotheus 2:5 Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, 6 der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit.
Durch die Erlösungstat am Kreuz durch Jesus Christus sind wir in den neuen Bund gekommen, in dem wir nun alle Priester und Könige unter Jesus sind:
1 Petrus 2:5 lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott wohlannehmbar durch Jesus Christus! ……… 9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat

Dies sollte eigentlich klar sein und wurde u.a. Durch Luther wieder im Besonderen betont, dass es kein spezielles Priestertum mehr gibt, sondern dies durch ein allgemeines Priestertum abgelöst wurde. Dennoch erlebt der Leib Christi immer wieder, dass Leiter sich über den Leib erheben wollen und für sich Autorität beanspruchen, die dem gesamten Leib gegeben wurde und nicht mehr einzelnen Personen im Besonderen.
Klar, es erscheint leichter zu sein in einem Amt mit besonderen Autoritäten die Aufgabe des Leitens auszuüben, aber dies hinterlässt immer nur destruktive Spuren. Jeder Leiter, der sich als Mittler – wenn auch nur im Speziellen – zwischen Gott und Menschen versteht, will sich an die Stelle Jesu setzen. Jede Leitungsaufgabe muss im Lob Gottes münden, muss den Gläubigen auf Gott zentrieren und fokussieren. Der Leiter muss hinter seiner Aufgabe des Leitens verschwinden um dem Ruhm Gottes Raum zu geben.
Das entbindet die Gemeinde aber nicht, dem Leiter lobende Anerkennung für seine gute und treue Ausübung seiner Aufgabe zu geben: 1.Tim. 5:17-19

Leiten durch Überzeugen im Umgang mit der anvertrauten Autorität

Kommen wir zum eigentlichen Thema zurück, denn dies soll und kann hier keine abschließende Aufzählung der Aufgaben von geistlichen Leitern sein. Autorität ist also verliehen und gegeben, damit die Aufgabe, zu der die geistlichen Leiter beauftragt sind, in guter Weise ausgeübt werden kann.
Es bleibt: Jede Autorität wird erst als solche wirksam, wenn sie als solche erkannt und anerkannt wird. Neutestamentliche Leiter haben nicht die Aufgabe zu richten und damit Autorität Gottes über die Anerkennung durch den Leib Christi hinweg wirksam auszuüben. Gott mag und wird durch von Ihm berufene Leiter durch besondere Wirkungen und geistlichen Gaben seine Berufung der Person bestätigen. Aber dies ist alles zum Zeugnis gegeben und nicht zum manipulieren, zum Machterhalt oder gar zum richten des Volk Gottes. Und jeder Leiter darf nicht vergessen: egal wie außergewöhnlich die geistliche Gabe sein mag, in der er wirken kann, sie wird niemals dazu gegeben, damit der Leiter an die Stelle Gottes rücken darf. Ich betone das so, weil dies ein sehr sensibles Gebiet ist. Allzu schnell werden Leiter dazu verführt, sich in den Mittelpunkt zu stellen und den Fokus von Jesus auf sich zu verbiegen. (Apg. 20:30)

Ein geistlicher Leiter wird also im Leib Christi seinen Platz finden und Anerkennung finden, wenn er seine Aufgabe in überzeugender Weise ausübt, sich darin bewährt und sorgsam mit der ihm verliehenen Autorität umgeht. Jeder der darin gut zu arbeiten weiß, wird nicht um Anerkennung ringen müssen. Und selbst wenn sie ihm verweigert wird, so wird ein solcher Leiter nicht im Zorn reagieren, wissend dass nicht er beschnitten wird, sondern Gott beschnitten wird (1.Sam. 8:7). Auch hier ist Paulus ein gutes Beispiel eines neutestamentlichen Leiters. (2.Tim. 14-18)

Charly
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Voreilender Gehorsam und voreiliger Gehorsam

Lesezeit: 3 Minuten

„Ich muss alles tun, um mit dem Rauchen aufzuhören! Denn sonst kann ich Gott nicht gefallen!“

Keine Angst, ich habe nicht angefangen zu Rauchen 😉 Das ist kein Ausspruch von mir, der kommt von einem Christen (was sag ich: von einem? – von zig) den ich kenne. Das ist ja auch nur ein Beispiel von dem, woran sich das festmacht, was ich in der Überschrift erwähnt habe.

Also von Anfang an:
Jeder Christ, der wirklich einer ist, hat sein Leben unter die Herrschaft Gottes gestellt und will natürlich Gott gehorsam sein. So weit, so gut.
Und genau hier geht es schon los.

Ich habe jetzt etwas von Klaus Vollmer über den Römerbrief betreffs Sünde gelesen, was mich begeistert hat, in seiner Klarheit.
Er sagt: „Nicht die Sünde ist das Schlimme an der Sünde, sondern dass Gott aktiv auf Sünde reagiert, das ist das Unheimliche und das Beklemmende. Daher musste geschehen, was geschehen ist: Der Mensch ist Gott losgeworden, weil Gott ihn losgelassen hat. Nun hat der Mensch nicht mehr seinen ewigen Halt, sondern muss sich am Zeitlichen und Vergänglichen festhalten. Wer die Anbetung Gottes aufgibt, den entlässt Gott in die Anbetung der Dinge, der Gaben und der Menschen. Gott gibt den Menschen preis! Er lässt ihn los. Der Mensch wird nun sein eigener Gott.“ (über Röm. 1:18-32 – Überschrift: „Dahingegeben“)

Darüber haben wir gesprochen und prompt kam obige Antwort.
Da wir ja nun Gott gehören, sind wir schuldig Ihm auch gehorsam zu sein und geben uns alle Mühe die Gebote, oder das was wir dafür halten, einzuhalten. Wenn wir das nicht tun, die Gebote einhalten, gefallen wir Gott nicht und fallen aus seiner Gnade.
Tatsächlich, tun wir das?

Klaus Vollmer schrieb noch weiter:
„Erst wenn das gesehen und erkannt wird, begreift man, warum Paulus auch dem Gehorsam gegenüber den Geboten, dem Gesetz, keine Chance einräumt (so, als ob man mit dem Gesetz wieder vor Gott zurecht käme). Auch das Gesetz schafft niemals das Preisgegebensein, den Zorn Gottes aus der Welt und aus dem menschlichen Herzen……….
So hebt das Kreuz von Golgatha, das Opfer Jesu, sowohl die Sünde des Menschen als auch den Zorn Gottes auf!“

Was kann wohl der Mensch aus sich heraus tun, was Gott gefallen könnte? Ich sag’s direkt: Nichts! So werden wir nichts damit erreichen, wenn wir im voreilendem Gehorsam Gottes Gebote halten wollen, um damit Gunst und Gnade Gottes zu erlangen. Dieser voreilende Gehorsam ist ein voreiliger Gehorsam – zu schnell gedacht, zu schnell gehandelt, am Ziel vorbei.

Wir werden Gott nicht gefallen und dadurch Gottes Gnade erlangen, wenn wir Seine Gebote halten (oder das, was wir dafür halten). Kommen wir aber schlicht so zu Ihm wie wir sind, ungeschönt, in unserer Ohnmacht das aus uns tun zu können, was vor Gott etwas gilt, dann gefallen wir Gott. Und dann wird Gott in uns bewirken, dass wir seine Gebote halten können, dass wir so leben, wie es Ihm gefällt.
Statt voreilenden Gehorsam also nacheilender Gehorsam. Darüber muss man mal nachdenken.

Für meine rauchenden Freunde bedeutet das: Nicht mit dem Rauchen aufhören, damit du Gott gefällst, sondern in deiner Ohnmacht zu Gott kommen, denn dann gefällst du Ihm. Und dann hilft Gott dir mit dem Rauchen aufzuhören – dem Einen früher, dem Anderen später – eben dann, wenn es Gottes Meinung nach dran ist.
Ok, wenn Gott uns dann befähigt hat, dann sollten wir es aber auch tun, dann wollen wir Gehorsam sein.

Charly

Zitate aus dem Buch:
Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes (Glaubenskurs Römerbrief)
R. Brockhaus Taschenbuch Band 377 (ABC-Team), vergriffen

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Leiten durch Überzeugen

Lesezeit: 4 Minuten

Vorwort

Schon länger bewege ich dieses Thema und will dazu einen Artikel schrieben. Desto mehr ich darüber nachdenke, desto länger scheint mir dieser Artikel zu werden. Irgendwann muss man irgendwo damit Anfangen und somit starte ich jetzt einfach mal und werde wohl mit der Zeit mehr und mehr Teile hinzufügen.

Leiten durch Überzeugen

Eine der am häufigsten genannten Bibelstellen zur Leitung in der Gemeinde ist folgende:
Hebräer 13:17 „Gehorcht und fügt euch euren Führern! Denn sie wachen über eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre nicht nützlich für euch.“

Viel Leid kann man von Christen berichtet bekommen, wenn man sie zu ihren Erfahrungen mit dieser Bibelstelle befragt. So mancher berichtet dann von erlebten geistlichen Missbrauch und anderen Bibelversen in der Art von: „Taste meinen Gesalbten nicht an“
Und tatsächlich lesen wir hier nicht etwas von bedingungsloser Unterordnung unter Leitern der Gemeinde?

Schauen wir in den Grundtext:
Für „Gehorcht“ steht im Griechischen: „peitho“

was bedeutet: sich binden, trauen, vertrauen; zustandegekommen
aufgrund von Überredung bzw. Überzeugung, daher: sich auf etw. oder jmd. verlassen

Hier die üblichen Verwendungen dieses Wortes (aus den Strongs)
I.) Akt. tr.: überzeugen
1) jmdn. zu oder von etw. überreden bzw. überzeugen; Überzeugungskraft
anwenden (konatives Präsens). {Ac 18:4 19:8,26 26:28} ua.
2) jmdn. bereden, beschwatzen, jmdn. durch bitten zu etw. überreden.
{Mt 27:20 Ac 13:43 26:28 2Co 5:11 Ga 1:10}
3) jmdn. besänftigen, beruhigen; jmdn. auf seine Seite ziehen, sich
jmdn. gefügig machen. {Mt 28:14 Ac 12:20 14:19 Ga 1:10 1Jo 3:19}
II.) Akt. und Pass. von Pf.2 und Plpf. (mit Präs. Bedeutung):
sich verlassen auf…
1) Vertrauen gefaßt haben, fest vertrauen, seine Zuversicht auf etw.
oder jmdn. setzen, gewiß und sicher sein, d. Überzeugung haben…;
sich auf etw. verlassen, glauben an…;
{Mt 27:43 Php 1:14 2Th 3:4} ua.
III.) Pass.: überzeugt sein
1) sich überreden bzw. überzeugen lassen; Glauben haben in etw. oder
an jmdn.; glauben, zum Glauben kommen. {Lu 20:6 Ro 8:38 Heb 6:9} ua.
2) sich fügen, jmdm. (bereitwillig) Folge leisten, auf jmdn. hören,
gehorchen, folgen.
{Ac 5:36,37,40 23:21 27:11 Ro 2:8 Ga 5:7 Heb 13:17 Jas 3:3}

Wie wir also leicht sehen können hat neutestamentliche Leitung nichts mit Hierarchie zu tun, die einfach gesetzt wird und der man sich, aufgrund ihres Bestehens, unterzuordnen hat.
Gerade Hebräer 13:17 würde eigentlich richtiger oder vollständiger so ähnlich übersetzt sein: „Gehorcht und fügt euch freiwillig euren Führern, die euch aufgrund ihrer Worte und Taten überzeugt haben!“ Denn das bedeutet das Wort „peitho“ eigentlich.

Folgende ebenfalls bekannte Bibelstelle unterstreicht diesen Aspekt nochmal:
1 Petrus 5:1 Die Ältesten unter euch nun ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden des Christus und auch Teilhaber der Herrlichkeit, die geoffenbart werden soll: 2 Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist nicht aus Zwang, sondern freiwillig, Gott gemäß, auch nicht aus schändlicher Gewinnsucht, sondern bereitwillig, 3 nicht als die, die über ihren Bereich herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde werdet! 4 Und wenn der Oberhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr den unverwelklichen Siegeskranz der Herrlichkeit empfangen. 5 Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter! Alle aber umkleidet euch mit Demut im Umgang miteinander! Denn «Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade».

Für Missbrauch keinen Raum

Verstehen wir also, dass Leitung durch Überzeugen geschieht, so nehmen wir möglichen Missbrauch durch Machtgehabe jeglichen Raum. Macht hat hier keine Relevanz, denn Macht wird über hierarchische Ordnungen ausgeübt. Hier steht der Leiter aber auf derselben Ebene wie der Geleitete. Die Leitung wird nicht gesetzt, sondern der Leiter bekommt vom Geleiteten das Vertrauen zugesprochen, Leitung auszuüben. Leitung wird also nicht „von Oben her“ definiert, sondern „von Unten her“. Niemand muss sich also Jemanden unterordnen, weil dieser in ein Amt eingesetzt wurde. Jeder darf sich aber freiwillig entscheiden sich einem Leiter unterzuordnen, weil dieser ihn überzeugt hat.

Durch Überzeugung Unterordnen

Damit kommen wir zur anderen Seite der Hebräerstelle: das freiwillige Unterordnen, weil man überzeugt wurde.
Durch Unterordnung / Gehorsam gegenüber einem Leiter spricht man ihm Vertrauen aus. Man tut es in biblischen Sinne also immer dann, wenn man von der Person des Leiters durch seine Worte und Taten überzeugt ist, das dies ein guter Leiter ist.
Man könnte jetzt auf die Idee kommen, dass mich der Leiter immer erst von einer Idee für die Gemeinde überzeugen muss und erst dann ordne ich mich dem ggf. Unter. Das wäre allerdings völlig falsch verstanden. Im Hebräerbrief lesen wir: „Gehorcht euren Leitern“ und nicht eine demokratische Idee der Entscheidungsabstimmung.
Wir Ordnen uns einem Leiter also unter, weil wir es freiwillig tun, weil wir von seinen Worten und Taten überzeugt wurden. Das beinhaltet auch, dass wir diesem Leiter vorlaufendes Vertrauen aussprechen. Also auch bereit sind uns in bestimmten Dingen ihm unterzuordnen, wenn wir diese noch nicht ganz verstehen oder noch nicht davon überzeugt sind. Eben in dem Vertrauen dass dieser Leiter fähig ist gute Entscheidungen zu treffen. Indem wir dadurch immer wieder erleben, was die Entscheidungen dieses Leiters bewirken, bewerten wir immer wieder neu, ob und wie weit wir uns ihm unterordnen – ihm Gehorsam sind.

Überzeugen braucht Zeit

Ich höre schon div. Leiter stöhnen. So etwas braucht doch ewig lange Zeit und kann man dann noch effektiv Gemeinde leiten? Ja, man kann!
Es geht hier nicht darum mit jedem einzelnen Gemeindemitglied einen Überzeugungsprozess durchzugehen um dann erst Entscheidungen in der Gemeinde umsetzen zu können. Leiter werden nach der Bibel bestätigt und nicht eingesetzt. Das bedeutet, dass jeder Leiter schon im Vorfeld durch seine Worte und sein Handeln überzeugt hat. So können neuere Mitglieder der Gemeinde auch der Gemeinde vertrauen, dass dieser Leiter aufgrund seines überzeugenden Reden und Handelns bestätigt wurde und ihm somit auch vorlaufendes Vertrauen aussprechen.
Dies funktioniert erst recht, wenn wir das biblische Modell der Hausgemeinde wählen, in der die Gemeindegruppe immer überschaubar bleibt und Jeder Jeden kennen kann. Will man aber große Gemeinden bauen, so wird dieses Leiten durch Überzeugen mehr und mehr nicht mehr funktionieren.

Es gibt noch mehr Bibelstellen, die eindrückliche Aspekte auf das Leiten durch Überzeugen werfen. Dazu will ich später hier noch mehr ergänzen.

Charly

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Nein Danke, ich möchte die Hilfe nicht!

Lesezeit: 2 Minuten

In einem HG-Treffen erzählte eine ältere Schwester in einem Nebensatz davon, dass ihr Kühlschrank schon über ein Jahr defekt sei und sie daher Lebensmittel nicht lange lagern könne. Sie lebt an der Armutsgrenze und daher stellten wir die Frage, ob sie nicht einen neuen beantragt hätte. Das verneinte sie und dieser Gedanke schien ihr Probleme zu bereiten.

Schnell bekundete der gesamte Kreis, zusammenzulegen und ihr einen neuen Kühlschrank zu kaufen. Wir machten ihr das Angebot, dass wir ihn diesen in den kommenden Tagen bringen wollten, wann sie denn Zeit hätte. Sie hätte keine Zeit, erwiderte sie. Gut, ein anderes Mitglied unseres Kreises ist ein Nachbar von ihr. So schlugen wir vor, sie könne ihm Morgens ihren Schlüssel geben und Abends stünde dann ihr Kühlschrank schon am rechten Fleck und der alte wäre entsorgt. Nein, das wolle sie nicht.
Kurz: wir fanden keinerlei Übereinkommen und das Ergebnis ist, dass sie weiterhin keinen Kühlschrank haben wird.
Manchmal ist es wirklich schwer jemanden Hilfe zukommen zu lassen. Selbst wenn man sich bemüht für alles nötige zu sorgen, gibt es Menschen, die Hilfe nicht annehmen möchten oder können.
Nicht nur dass ein solches Erleben bei Allen Frust hinterlässt, es macht auch ratlos.
Nun gut, es gibt einige Ideen, warum es dieser Schwester so schwer fällt Hilfe anzunehmen. Aber mal ehrlich: sind wir selber ab und an gegenüber Gott nicht ganz genauso wie diese Schwester gegenüber uns? Was hat Gott nicht alles für uns getan und uns alles schon bereitet. Gnade nennt sich das, was uns oft so schwer fällt anzunehmen. Nicht nur dass wir für diese Gnade nichts tun können, wir können sie weder vorher, noch nachher selber verdienen. Genau das hindert uns so oft daran, Hilfe von Gott anzunehmen. Lieber möchten wir Seine Hilfe verdienen. Mit „genügend Glauben“ z.B. oder „den richtigen Glauben“. Nicht selten wollen wir uns Gottes Gnade auch durch das richtige Verhalten verdienen und bemühen uns heftigst Gottes Gebote aber auch bis ins möglichst Letzte zu halten. Und doch schaffen wir es nicht.
Wie oft wohl Gott vor uns steht und uns seine Hilfe anbietet und wir sagen Ihm auf die eine oder andere Art: „Nein Danke, ich möchte die Hilfe nicht!“

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„Wer in Christus gestorben ist, kann nicht mehr beleidigt werden“

Lesezeit: 2 Minuten

„Wer in Christus gestorben ist, kann nicht mehr beleidigt werden“
oder: „Wenn Christus in mir lebt und ich beleidigt werde, so wird auch Christus beleidigt und ich kann diese Beleidigung an Christus abgeben und Ihm vertrauen, dass Er das Richtige damit macht und Ihm allen Ärger darüber einfach abgeben.“

Schöne Sätze, die ich eben gehört habe, oder? So erst einmal oberflächlich gelesen wirken die doch toll, oder nicht?

Aber sind sie auch wahr? Halten diese Sätze auch der Realität stand?
Ich meine: Nein, sie halten der Realität nicht stand. Und ich denke darüber nach, ob das Menschenbild dahinter nicht eher etwas pervers ist?
Also für mich leuchtet hier ein Menschenbild durch, indem der Mensch als Christ Puppengleich an den Fäden Gottes hängt. Christen sind hier Menschen ohne eigenes Selbstwertgefühl, lohnendes Ziel aller Unverschämtheiten, offensichtlich in ihren Emotionen vollkommen erstarrt.
Erlöst zu sein bedeutet anscheinend aller Menschenwürde verlustig gegangen zu sein.

Nun glaube ich ja, dass wir in unserer Bekehrung alle Rechte an uns selber an Gott abgeben, Ihm uns völlig hingeben und eben „in Christus sterben“. Aber hier bleibt es ja nicht stehen, denn wir „stehen mit Christus auch wieder von den Toten auf!“ Daher meine ich, dass wir gerade in Gott vermittelt bekommen, dass wir sehrwohl wertvolle Menschen sind – wertvoll genug, dass der eine allmächtige Gott sich selber dem Tod ausgesetzt hat, damit wir leben. Für mich bedeutet das, dass wir sehrwohl ein gesundes Selbstwertempfinden haben sollen und uns durchaus von Beleidigungen zB getroffen fühlen dürfen.

Diese Sätze oben fielen im Zusammenhang mit dem Thema „Vergebung“.
Für mich ist so zu denken aber keine Vergebung.
Vergebung fängt mMn damit an, dass wir den Schmerz, den Frust, unsere Emotionen auch haben, sie erleben und sogar (zumindest vor Gott) ausdrücken dürfen. Erst indem wir in Gott ein Gegenüber finden, der uns nicht nur nicht verwirft, sondern auch versteht und uns weiterhin zugewandt bleibt, finden wir Raum diesen erlebten Schmerz etc. loszulassen und letztlich zu vergeben.

Also: ich bin zwar in Christus gestorben, aber auch mit Ihm wieder auferstanden. Ich lebe und empfinde sehrwohl. Mich kann man beleidigen und ich zucke, wenn Jemand es tut – denn ich bin keine „Leiche in Christus“. Schmerz und Frust erlebe ich sehrwohl. In Gott aber habe ich ein Gegenüber, der mir die Freiheit schenkt nicht im Schmerz und Frust stehen zu bleiben oder gar zu versinken, ja sogar vergeben zu können.

Charly

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Versöhnte Herzen sind das Ziel

Lesezeit: 4 Minuten

Mit einem Christen, der sich zu dieser bestimmten Gemeinschaft zählt, will sie nicht zu tun haben. Da verzichtet sie lieber auf den Austausch mit anderen Christen. Vor Jahren hat sie Schlimmes mit anderen Christen erlebt, die sich auch zu dieser Gruppe zählten. So Schlimmes, dass sie nun seit Jahren Seelsorge in Anspruch nimmt.

Sie ist Opfer geblieben und hat den Weg zur Versöhnung noch nicht geschafft. Doch, sie hätte alles vergeben, sagt sie. Alles an Gott abgegeben und schütze sich nun nur vor neuen Verletzungen. Aber muss die Begegnung mit anderen Christen, die auch diese Bezeichnung dieser Gruppierung innerhalb der Christen tragen zwangsläufig verletzend sein?

Hausgemeinden können zu einem Fluchtort mutieren oder gar als ein solcher starten. Ein Fluchtort vor dem, was als so schlimm in anderen Gemeinden / Gemeinschaften erlebt wurde. Hier in der Hausgemeinde treffen nun Christen in überschaubarer Zahl wöchentlich aufeinander, die eins gemeinsam haben: ihre Verletzungserfahrungen.
Das Wissen um das Verständnis der Anderen oder beim Anderen für die Folgen des erlebten stärkt – man ist nicht länger Alleine, der Exot unter den sonst anscheinend so Zufriedenen. Gemeinsam studiert man die Lehren, die man gehört hat anhand der Bibel neu. Man entdeckt Schwachstellen oder die Fehler, die zu den Verletzungen führten. Im Gebet ist man Füreinander da und erlebt Trost und Halt.
Hausgemeinde – ein Ort der Heilung. Ein gutes Zeugnis lebendiger Gottesbeziehung.

Aber kann / darf eine solche Gruppe lange Zeit so existieren und dennoch auf einem guten Weg sein? Wann wird aus der Hilfsgemeinschaft für verletzte Christen eine Konservierungsgemeinschaft der Verletzungen? Was ist das Ziel? Was ist Gottes Ziel mit seinen Kindern?

Versöhnte Herzen sind das Ziel.

Jemand erzählte, er habe mit dieser einen bestimmten Richtung bei den Christen schlimme Erfahrungen machen müssen und nun ist er seit längerer Zeit in einer Gemeinschaft, die in ihrer Frömmigkeit schier das Gegenteil dessen ist, was er vorher erlebt hat. Vorsichtig ist er in der Begegnung mit den Anderen geworden, sagt er. Und er fühlt sich in seiner jetzigen Gemeinschaft wohl – was sollte daran falsch sein?

Ich erzähle davon, dass ich auch von Angehörigen einer bestimmten Menschengruppe schwer und tief Verletzt wurde: von Frauen. Konkret: meine erste Frau ging fremd und unsere Ehe wurde nach über neun Jahren geschieden. Wenn nun Jemand, der solche tiefe Verletzungen nach dem selben Muster reagiert, wie es diese Glaubensgeschwister taten, was wäre die Konsequenz? Mann wurde von seiner Frau verlassen und erlebte tiefe Verletzungen und Jahre der Aufarbeitung waren notwendig. Was soll er nun machen? Sich völlig von dem anderen Geschlecht abwenden und sich dem einzig verbleibenden Geschlecht zuwenden – dem eigenen? Selbst in unserer Zeit ist so etwas nur in Ausnahmefällen zu finden. Es ist nicht die Regel. Regel ist vielmehr, das der Mann sich eine neue Frau sucht. Das setzt voraus, dass der Mann zunächst in seinem Herzen versteht, dass nicht alle Frauen so sein müssen, wie seine Frau war. Und wenn die neue Ehe nicht ein Aufguss der ersten Ehe werden soll, muss der Mann versöhnten Herzens sein.
In einem solchen Beispiel erscheint uns dieser Gedanke logisch und natürlich. Aber im Kontext denominationsspezifischer Erfahrungen scheint uns das oft nicht logisch und natürlich zu sein. Hier scheint oft der einzige Weg in einer strengen Abgrenzung zur damaligen Denomination zu sein. Unterstützungen finden wir in bestimmten Fällen massenweise. Was bestimmte Denominationen oder Gruppen betrifft, so werden wir im Internet mit etlichem „Beweismaterial“ versorgt, dass belegt, dass wir Richtig liegen und die Anderen falsch.
Aber wohin führt das? Zu versöhnten Herzen?

Was sind denn versöhnte Herzen? Was bedeutet es versöhnt zu sein?

Bedeutet das, dass man Falsches nicht mehr benennen darf? Dass ich schweigen muss über die Dinge die mir geschehen sind?
Tatsächlich lehren so manche chr. Gemeinschaften solches. Wahr ist das aber nicht. Wenn Gott unsere Übeltaten vergisst, wenn wir ehrlichen und bußfertigen Herzens zu ihm kommen, bedeutet das eben nicht, dass wir nun zwangsläufig auch alles vergessen müssen, was geschehen ist und uns den alten Peinigern wieder aussetzen müssen.
Und dennoch bedeutet versöhnten Herzens zu sein zu vergessen. Nicht das was geschehen ist, sondern den Hass, die Wut und die unerträgliche Abneigung zum Täter und auch zur angeblichen Tätergruppe. Wir erinnern was uns geschehen ist, aber unsere starken Emotionen sind in Gott zur Ruhe gekommen. Unser Denken wurde wieder frei und wir sind fähig zu erkennen, dass nicht nur die Täter womöglich selber Opfer ihrer Herzensverletzungen waren, sondern auch das nicht Jeder, der sich zu dieser Gruppierung zählt ganz genauso sein muss, wie die, die damals an uns schuldig wurden.
Zu Jemanden eine gesunde Distanz einnehmen, der sich als unzuverlässig, vielleicht sogar als gefährlich für uns erwiesen hat, ist eine gesunde Haltung. Ich muss nicht wieder in enger Gemeinschaft mit solchen leben. Nicht nur ich muss mit mir in Frieden gekommen sein, dass ich diese chr. Gemeinschaft verlassen habe – verstanden haben dass das ok war und keine Sünde. Ich muss auch dem Anderen in meinem Herzen erlauben zu gehen – ich muss ihn entlassen. Ich kann ihn in die Hände Gottes entlassen, der auch mich angenommen hat, als ich so verletzt wurde. Indem ich lerne Distanz halten zu dürfen und auch den aus meinem Herzen zu entlassen, der mich so verletzt hat, werde ich frei. Mein Leben kann sich wieder um Anderes, Schöneres drehen als um das, was mir geschehen ist.

Wohin also sollte sich eine solche Hausgemeinde entwickeln?

Zu versöhnten Herzen. Eine Hausgemeinde, die als Heilungsort gestartet ist, muss irgendwann dann einmal ein Heiler Ort sein. Ein Ort der Anfangs nur bestimmten Menschen offen stand muss zu einem Ort werden, wo alle Menschen willkommen sind. Eine solche Hausgemeinde bietet die Chance, dass sich hier Menschen treffen, die aus dem erlebten gelernt haben, die Verständnis haben und nun fähig sind Andere zum Ziel hin zu begleiten: das auch sie Versöhnung in ihren Herzen erleben.

Was ist es also was dich motiviert?

Musst du immer noch zu diesen Menschen strikte Distanz halten? Sind sie alle immer noch für dich gefährlich, weil sie dasselbe Etikett tragen? Oder hast du erfolgreich deine Täter aus deinem Herzen entlassen können und kannst Anderen offen begegnen, so wie Gott auch dir immer wieder neu begegnet?

Charly

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Welch ein Osterfest

Lesezeit: 2 Minuten

Der Morgen graut und durch die ersten Sonnenstrahlen geweckt lassen die Vögel ihren Morgengruss laut erklingen. Ein Kater kommt träge von seiner nächtlichen Jagd nach Hause und Kaninchen sitzen auf den Wiesen und frühstücken das vom Tau benetzte Gras.

Da wird in einem der Häuser das Fenster aufgerissen und ein jubelnder Ruf „Er ist auferstanden!“ geht in den bisher ruhigen Morgen.
Nun folgen Fenster in anderen Häusern und ein Jubeln und Schreien ist zu hören: „Jaaa, Er ist auferstanden! Ja, ja,ja,jaaaaaaaaaaa! Er ist auferstanden!“
Erste Autokorso sind zu vernehmen die laut hupend durch die Stadt fahren. Mit flatternden Jesus-Fahnen an den Autos kurven sie durch die Stadt und wecken Jeden, der bisher noch nicht wach war: „Er ist wahrlich auferstanden!“

Ein wenig später haben div. Cafes und Kneipen geöffnet und bieten den freudetrunkenen Passanten einen morgendlichen Kaffee mit Brötchen an. Sie schieben ihre Flachbildschirme nach draussen vor ihre Aussentische und starten die DVD-Player. Immer und immer wieder erstrahlen Auferstehungsszenen aus verschiedenen Jesusfilmen an diesen Orten und mehr und mehr jubelnde Menschen sitzen vor diesen public-viewing-points und fallen sich mit Tränen der Begeisterung in die Arme wenn der Stein vom Grab gerollt wird.

Kurz danach starten die ersten Gemeinden ihre Gottesdienste die heute auch nach drei, vier Stunden noch nicht vorbei sind. Zu gross der Hunger der Menschen danach ihren auferstandenen Herrn anzubeten und ihrer Freude in Jubel und Rufen Ausdruck zu geben.

Bis in den späten Abend hinein ist immer wieder lautes rufen und jubeln zu vernehmen: „Er ist auferstanden! Er hat den Feind besiegt! Wir gehören ihm und wir sind Weltmeister!!!! – Ja, ja, ja, jaaaaaaaaaaa…… Weltmeister, wir sind Weltmeister!“ Und wieder hört man von den Cafes und Gaststätten diesen Jubelruf: „Toooooor, Toooooooor……………………

„Toooor“? Wie jetzt? „Tooor“? Was ist denn………….
Langsam schlage ich die Augen auf. Ich muss eingeschlafen sein. Durch das offene Fenster sind die Fernseher zu hören in denen das x-te Fußballspiel übertragen wird. Und zwischendrin hört man die Rufe: „Tooor, Tooor!“
Ich muss geträumt haben. Aber……….., war das wirklich nur ein Traum?

Charly

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ein seltsames christliches Märtyrertum

Lesezeit: 6 Minuten

Immer wieder einmal gibt es Diskussionen über dieses Thema Konflikte in der Gemeinde. So manchem ist es enorm wichtig „nicht davonzulaufen“. Aber wovor eigentlich davonlaufen?

Die Situation:
In jeder Gemeinde, egal wie groß, entstehen zwischenmenschliche Konflikte – so weit, so Normal. Und wir sind von Gott her aufgefordert diese Konflikte in einer Haltung der Demut und der Versöhnungsbereitschaft zu begegnen. Wir sind angehalten uns nicht aneinander zu versündigen, und wenn doch geschehen, zu vergeben weil auch uns vergeben wurde.

Es gibt allerdings eine nicht unerhebliche Anzahl gruppendynamischer Konflikte in den normal großen Gemeinden (so zw. 30 und mehr Personen), die eigentlich keinen echten Sinn machen. Solche Konflikte entstehen aus einfachen Gründen:
Besteht eine Gruppe aus mehr wie zwei Menschen, entstehen partielle Parteiungen – man ist mal mehr mit dem Einen, mal mehr mit dem Anderen ähnlicher Ansicht. Man bildet quasi in der Gruppe Untergruppen. Werden die Gruppen größer, so werden auch diese Untergruppen größer und in sich stabiler. Je größer die Gesamtgruppe, desto mehr Untergruppen bilden sich. Da sind sich Menschen in gewissen Dingen näher, weil sie schlicht dasselbe Geschlecht haben, oder ähnlichen Alters sind, oder ähnliche Interessengebiete teilen. Möglicherweise verbinden auch ähnlich positive oder negative Erfahrungen.

Gemeinde zeichnet sich besonders darin aus, dass man regelmäßige Zeiten pflegt, in denen man gemeinsam zusammenkommt um Gottesdienste zu feiern oder ähnliches zu tun. Versuchen aber viele Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit regelmäßig etwas Gemeinsames zu tun, ist diese Gruppe gezwungen Kompromisse zwischen den Vorlieben und Prägungen der Einzelnen einzugehen oder zu suchen. Das Gemeinsame ist also ein Kompromiss.
Kompromisse hinterlassen aber immer bei dem Einzelnen die nicht beantwortete Sehnsucht nach dem Erleben des Favorisierten.
Als Beispiel eignet sich die musikalische Gestaltung der gemeinsamen Lobpreiszeit recht gut. Selten treffen unterschiedliche Geschmäcker so aufeinander, wie in der Frage der Musik.
Der einen Gruppe sind Musikstücke älteren Datums wertvoller und entsprechen ihrem musikalischen Erleben und ihren musikalischen Prägung. Andere bevorzugen moderneren Lobpreis. Die einen empfinden den anderen Musikstil als altbacken, die anderen als „Liedersingerei”. Also sucht man für den gemeinsamen Gottesdienst einen Kompromiss – der mal mehr, mal weniger glückt. Immer aber bleibt das Gefühl zurück zugunsten Anderer etwas Gutes entbehrt zu haben.
Solche Entbehrungsgefühle mag man im Einzelnen gut vertragen können und sie fallen nicht besonders auf. Insbesondere wenn man nach etwas gemeinsamen und größeren oder heiligeren Strebt – wie die Anbetung Gottes.
Kompromiss bedeutet aber immer Verzicht. Verzicht hinterlässt aber nicht selten ein Bedürfnis danach den Verzicht erstattet zu bekommen. So schweben diese Verzichtserlebnisse durch Kompromisse oft im Hintergrund, wann immer man als Gruppe zusammenkommt.

Neben den Kompromissen gibt es auch die Vorlieben. Man hat nicht unbedingt das Bedürfnis diese in der Gesamtgruppe auszuleben, wünscht sich aber Raum dafür im Gemeindeleben zu finden. Man trifft ähnlich Gesinnte und überlegt in einer kleineren Untergruppe diese Vorlieben zu pflegen.
Das wiederum kann das Gefühl bei Anderen aufkommen lassen, das „die Anderen” bevorzugter seien, da man selber seine eigenen Vorlieben nicht in ähnlicher Weise auszuleben vermag, warum auch immer.
Vorlieben treffen auch aufeinander, wenn es um die Gestaltung gemeinsam genutzter Räume geht. Es gab schon Gemeinden, die tatsächlich aufgrund z.B. der Farbwahl der Bestuhlung des Gottesdienstraums in so heftige Auseinandersetzungen gerieten, dass sie sich spalteten.

Was auch der Hintergrund ist, eins ist dem allen gemeinsam. In der Großgruppe bilden sich Untergruppen, die sich in verschiedener Form solidarisieren. Manchmal deutlich, manchmal nur bei genauerem Hinsehen bemerkbar. Und um des Gemeinsamen willen geht man Kompromisse ein.

Bleibt die Gesamtgruppe aber klein, so ist die gemeinsame Kompromissfindung deutlich leichter. Überschreitet die Mitgliederzahl der Gruppe eine bestimmte Größe nicht – so zwischen 15 und 20 Personen – kann Jeder darin noch erleben, dass er gehört wird. Die Gruppengröße erlaubt es, dass Jeder sein Meinung äußert und dass man auf den Einzelnen eingehen kann. Dies ist für mich ein Argument für das Konzept der Hauskirchen. Denn hier können diese gruppendynamischen Konflikte als Möglichkeiten statt als Krisenherde erlebt werden.
Dort wo sonst langfristig eine enorme Kraft von der Gemeinde aufgebracht werden muss, um mit diesen Konfliktpotentialen umzugehen, kann im Hauskirchenkonzept dies gerade eine gute Möglichkeit sein, eine neue Hauskirche zu gründen und damit wiederum ein größeres Spektrum von Menschen anzusprechen. Der Wunsch nach der Gestaltung der gemeinsamen Treffen kann mehr im Konsens geschehen. Und gemeinsame Vorlieben können ihren Ausdruck finden. Diese unterschiedlich erlebten Vorlieben und Gemeinsamkeiten können einen gesunden Grund zur Multiplikation darstellen und müssen nicht in Konflikte führen. Und – nicht zu vergessen – diese gemeinsam ausgelebten Vorlieben können genau der Grund sein, warum man Außenstehende besser erreichen kann.

Also damit wir uns nicht missverstehen: ich rede hier von Konflikten, die aufgrund völlig normaler gruppendynamischer Entwicklungen auftreten. Nicht von zwischenmenschlichen Konflikten, die im Wesen oder Verhalten Einzelner begründet sind!
Um es noch einmal zu sagen: Ich rede von Konflikten die z.B. durch die Wahl oder Art der Lobpreislieder, der Länge der Predigt, der Farbe der Sitzbezüge, der Art der Gebetsstundengestaltung usw. entstehen. Unterschiedliche Geschmäcker und Vorlieben halt.

Da gibt es aber dann wieder Vertreter eines angeblich so christlichen Märtyrertums. Sie verteidigte diese Konflikte als „wichtige Charakterschulungen Gottes“. Wozu aber soll bitte so etwas gut sein? Wir produzieren also selber Konflikte, nur weil wir an angeblichen so „christlichen“ Gemeindebaukonzepten festhalten, zu dem heiligen Zweck der Charakterschulung? Haben wir nicht so schon Probleme genug miteinander, dass wir zwanghaft auch noch Konflikte schaffen müssten?
Und wenn wir in den realen Gemeindealltag schauen, wohin führt uns denn diese „Supercharakterschule“?
Erscheint es nur mir so zu sein, dass auch in der Gemeinde Diejenigen diese „Charakterschule“ am besten überstehen, die gelernt haben in Gruppen zu bestehen indem sie sich anbiedern oder Andere unterdrücken? Ist es nicht doch auch in den Gemeinden so, dass letztlich Diejenigen überleben, die sich in der Gemeinde ihre Position gesichert haben und es verstehen so manipulativ zu sein, dass sie ihre Position auch behalten?
Wer zieht denn da immer den Kürzeren? Wieviele Christen z.B. in Leitungsposten der Gemeinde oder in Führungspositionen von Familien- oder Interessenfilz müssen denn tatsächlich die Konsequenzen ihres Handelns tragen? De facto geht auch hier der jeweils Schwächere unter – entweder er lernt brav zu Schweigen und sich anzupassen oder er geht aus der Gemeinde weg.

Also Quasi ein Märtyrertum der gruppendynamisch Schwächeren zugunsten der gruppendynamisch Stärkeren? Und das soll christlich sein?
Schauen wir doch hin: ist die Frucht dieser „Charakterschule” denn diese, dass wir gelernt hätten offener auch übergemeindlich aufeinander zuzugehen? Schaffen wir es nun leichter und besser mit den anderen Schwerpunkten der anderen Gemeinden umzugehen, nachdem wir so geübt sind in der großen Gruppe der eigenen Gemeinde? Wer jemals versucht hat eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Gemeinden zu schaffen, weiß dass hier wieder jede menge Konfliktpotential entsteht und oft schwere Wege aufeinander zu gegangen werden müssen. Ist es oft nicht sogar so, dass man mit den eignen gruppendynamischen Problemen so beschäftigt ist, dass die Andersartigkeit anderer Gemeinden als zusätzliche Bedrohung erlebt wird?

Aus langen Jahren Gemeindeleben weiß ich nur zu gut, wieviel Kraft und Zeit diese selbstgemachten Konflikte zehren, ohne dass die Gemeinde davon profitieren würde, geschweige denn die Gemeinde noch Zeit und Kraft hätte der Welt das Evangelium zu verkünden.

Das Konzept der Hauskirchen bietet aufgrund der max. angestrebten Gruppengröße von nicht mehr wie 15-20 Personen, gerade die Möglichkeit an, solche normal-gruppendynamischen-Gruppenbildung als Multiplikations- statt Streit- und Konfliktpotential zu nutzen.

Um es sehr deutlich zu sagen: Es ist nichts Heiliges daran, solche gruppendynamische Konflikte bis zum Exzess zu leben! Es ist dem Reich Gottes gegenüber sogar kontraproduktiv!
Es ist vielmehr ein gesundes Ziel, solche Prozesse frühzeitig zu erkennen, ihre Möglichkeiten zu ergründen und ggf. rechtzeitig eine Gruppentrennung in Form einer Gemeindeneugründung vorzunehmen. So rechtzeitig, dass man weiterhin versöhnten Herzens zusammen am Reich Gottes arbeiten kann – z.B. in HK-Netzwerk-Veranstaltungen. So rechtzeitig und weise genug, dass man weiterhin einander in Frieden, Liebe und Achtung begegnen kann und sich gegenseitig befruchtet statt sich gegenseitig auszubremsen.

Davon völlig unberührt bleiben die tatsächlichen charakterfördernden zwischenmenschlichen Konflikte, die in jeder Gruppe ab zwei Menschen auftreten können. Hier gilt auch die Aufforderung Gottes Wege der Versöhnung zu finden und Liebe und Demut statt Egoismus zu leben. Aber gerade in kleineren Gruppen laufen solche Prozesse – wenn sie gesund ablaufen – wesentlich intensiver ab, weil man sich in solch kleinen Gruppen nicht mehr so leicht verstecken kann. Die beziehungstechnisch überschaubare Gruppe bietet auch die Möglichkeit für den Einzelnen nicht in einer großen, unüberschaubaren und daher nebulösen Gruppenmeinung unterzugehen.

Manchmal kommt mir dieser selbstgemachte Märtyrergedanke innerhalb der Gemeinde Gottes wie ein Opfer für ein goldenes Kalb vor. Es scheint besser zu sein, wenn der einzelne Christ in seinem Selbstbewusstsein und seinem Selbstbild vollkommen zerstört wird, statt dass man bereit ist zu hinterfragen, ob das Gemeindekonzept eigentlich so von Gott gewollt ist.
Und bitte: dies ist ein ernstes Thema!
Nicht Wenige haben tiefe Verletzungen in ihrer Seele erleben müssen, weil sie in solche, teils selbst gemachten, Konflikte geraten sind. Es haben sich auch schon Christen aufgrund dieses Gemeindemärtyrertums selber umgebracht! Oder sie haben noch rechtzeitig einen Absprung geschafft, nicht selten auf Kosten ihrer Beziehung zu Gott.

Lohnt es sich angesichts dieser völlig normalen gruppendynamischen Prozesse nicht darüber nachzudenken, ob Gottes Gemeindekonzept nicht doch eher dem Wesen seiner Kinder entspricht und folglich die Gemeinden einfach kleiner sein sollten? Es dafür aber eine ganze Menge von ihnen gibt, die es dann schaffen können tatsächlich versöhnteren Sinnes gemeinsam in der Stadt oder in der Region aufzutreten und den Menschen das Evangelium zu bringen und vorzuleben? Große Gruppen kosten viel Kraft. Kleinere Gruppen können Kraftquellen sein. Ich bin dafür, normale Prozesse in Gruppen als Möglichkeiten zur Multiplikation wahrzunehmen.

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Der fünffältige Dienst: Aufgabe oder Amt?

Lesezeit: 6 Minuten

Der Artikel von Frank Viola ist interessant und lohnenswert zu überdenken. Kann man denn seine Gedanken so stehen lassen? Sicherlich provoziert er mit seinen Thesen, was zumindest zu einem ergiebigen Austausch anregen kann.

Interessant ist es schon mal, dass die Lehre über den fünffältigen Dienst gerade mal 180 Jahre alt ist – wird doch immer gesagt, es wäre eine originale Lehre der Bibel. Sicherlich muss man berücksichtigen, dass diese Auslegung von Eph. 4:11-13 immer auch aus einem hierarchischen Leitungsverständnis erfolgte. Es wurden also Titel für Menschen gesucht, die ganz Oben in der Pyramide, direkt unter Christus selber anzusiedeln wären. Zu Auslegungsschwierigkeiten kommt man schon wenn man Eph. 2:20 hinzuzieht:
Epheser 2:20 Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist.
Hier haben wir „nur” Apostel und Propheten, nicht aber die anderen Dienste aufgezählt. was bedeutet das aber? Das diese zwei Ämter in der Riege des fünffältigen Dienstes noch mal höher gestellt sind? Oder gibt es in der Deutung des fünffältigen Dienstes nicht doch Gedankenfehler?

Ich stimme Frank Viola hier zu, wenn er schreibt:
„Die Auferstehungsgaben aus Epheser 4 sind „begabte Menschen“, die dem Leib Christi als normaler Auswuchs gegeben wurden – sie sind das Produkt eines authentischen Gemeindelebens. Das ist auch der Fall mit allen anderen Gaben, die im Neuen Testament erwähnt werden.”
Es ist sehr bedenkenswert, dass diese Gaben an den Leib Christi Ergebnis eines normalen Reifewachstums der Gemeinde ist. Dies birgt in sich die Frage, ob denn diese Dienste unbedingt von einzelnen, besonders begabten Christen ausgeübt werden müssten, oder ob sie nicht vielmehr auch in einer gesunden Gemeinde schlicht geschehen, ohne dass dadurch bestimmte Menschen besonders hervorgehoben würden. Wir lesen im NT durchaus von Aposteln und Propheten – wobei die Propheten recht selten namentlich angeführt sind und auch die Namen vieler Apostel uns verborgen bleiben. Namen von Hirten und Lehrern, sowie ausgesprochenen Evangelisten bleiben uns, bis auf einzelne Ausnahmen auch verborgen. So finden wir in Apg. 21:8 Philippus als Evangelisten und seltsamerweise wird auch Timotheus von Paulus in 2.Tim. 4:5 aufgefordert das Werk eines Evangelisten auszuüben, wo man doch gerade in ihm eher den klassischen Hirten und Lehrer vermuten sollte – wird er von Paulus doch auch zu diesen Diensten ermuntert.
Wo aber sind die zahlreichen Evangelisten, Hirten und Lehrer die der junge Leib Christi damals so dringend bedurfte? Sicherlich waren sie vorhanden, aber es war den Schreibern des NT selten wert, diese auch namentlich zu erwähnen. Es ging um den Dienst, der getan werden musste und auch getan wurde, nicht um die Menschen!
Das Paulus und Barnabas in Antiochien zu den Propheten und Lehrern gezählt wurden (Apg. 13:1) ergab sich schlicht aus dem Dienst, den sie taten, ohne dass sie dazu speziell in ein Amt eingesetzt werden mussten. Als sie dann in Jerusalem ausgesandt wurden, wurden aus ihnen nun Apostel – eben genau das was der griechische Begriff „apostolos” – Apostel auch meint: Ausgesandte. (Aus den Strongs: apostolos – allg.: ein Abgesandter, der Bote, der Delegat, jemand der mit einem Befehl und einer bestimmten Aufgabe ausgesandt wird: Christus selbst sowie Boten Gottes oder Abgesandte der christlichen Gemeinden.)
Heute hätten wir sie wohl Missionare genannt. Ein Apostel ist also Jemand, der von Jemanden zu einem bestimmten Zweck ausgesandt wurde. Apostel zu sein trägt in sich also noch kein Gütesiegel. Der Aussendende oder die aussendende Gemeinschaft gibt erst in ihrer Auswahl des Auszusendenden eine gewisse Qualitätsvorgabe. Und der Ausgesandte steht stellvertretend für den oder die Aussender, wirkt also in der ihm gegebenen Vollmacht..

Paulus und Barnabas wurden zweifach ausgewählt um ausgesandt zu werden: zunächst vom Heiligen Geist und daraufhin von den Jerusalemer Aposteln. So wirkten sie im Namen und der Vollmacht Gottes und der Apostel in Jerusalem.

Zitat:
Insgesamt benennt das Neue Testament 20 Gaben (Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer, Wort der Weisheit, Wort der Erkenntnis, Glaube, Weissagung, Heilung, Unterscheidung der Geister, Wunderwirkung, Sprachen, Auslegung der Sprachen, Hilfeleistung, Administrieren, Dienen, Ermutigen, Geben und Barmherzigkeit.)

F. Viola zählt 20 Gaben im NT auf und zählt die Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer zu den Charismen. Ist das so korrekt?
Zunächst stellt man in der Aufzählung fest, dass alle anderen Gaben persönliche Gaben sind. Gaben, die einer Person gegeben wurden. Wenn man aber die fünf Gaben aus Eph. 4:11 betrachtet sind dies eher Aufgaben die im Leib Christi ausgeübt werden sollen. Es bleibt nicht ersichtlich warum F. Viola hier dann nicht auch z.B. Älteste und Diakone mitaufgezählt hat. Andere Autoren zählen wiederum mehr wie 20 Gaben im NT auf, was auch nicht von der Hand zu weisen ist.

Ich denke auch, dass Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer von Gott der Gemeinde gegeben wurden. So wie es Eph. 4:12 + 13 sagt:
Epheser 4:12 zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, 13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi.

Das macht sie aber nicht den Charismen / den Gnadengaben gleich. Hier sind nicht Befähigungen aufgezählt, hier sind meiner Meinung nach Dienste aufgezählt.
Ich stimme aber hier F. Viola wiederum zu, dass eine gesunde Gemeinschaft in Christus auch die begabten Personen hervorbringen wird, die diese Dienste tun werden. Oft genug habe ich auch miterleben können, wie Gott Gemeinden an einem Ort solche Menschen hinzufügte, damit auch hier Gemeinde gesund gedeihen kann. Letztlich haben dies auch die Apostel und auch Paulus mit z.B. Timotheus getan.

Wenn also F. Viola feststellt, dass die von ihm beobachteten Apostel „sehr selbstzentrierte Personen, fixiert auf ihre eigene Wichtigkeit” gewesen seien, weil sie von bestimmten Institutionen ausgesandt wurden, mag man fragen ob das bei den Aposteln zur Zeit des NT wirklich so anders war? Längst nicht alle Gläubigen der damaligen Zeit waren von Allem überzeugt, was aus Jerusalem kam. Auch Paulus mag man eine gewisse Selbstverliebtheit vorgeworfen haben und zuletzt haben sich die meisten der von ihm gegründeten Gemeinden abgewandt. Stellen wir deshalb schon Paulus als Apostel in Frage?

Nicht verwunderlich ist hingegen, dass Apostel so Gemeinde bauen, wie sie es in ihrer Gemeinschaft gelernt und als Richtig befunden haben.

Gemeindepraktiken, gewurzelt in heidnischen Traditionen

F. Viola verweist auf sein Buch, in dem er aufzeigt, dass die meisten unserer Gemeindepraktiken keine Grundlage im NT haben und heidnische Wurzeln hätten. Daraus schließt er, dass die heutigen Apostel Gemeindestrukturen bauen, die verhindern dass die Leitung Jesu Christi geschehe.
Ich habe das Buch nicht gelesen, frage mich aber, woher er denn die Sicherheit nimmt, dass alle Möglichkeiten des Gemeindebaus abschließend im Wort Gottes aufgelistet seien? Ist denn Gott so sehr an Formen gebunden, dass sein Geist nicht auch über Strukturen hinweg in demütigen Christen wirken könne?
Wenn er sich so stark abgrenzt, stellt er sich hier dann nicht auch unter das Urteil des von ihm selbst zuvor zitierten Bibelverses: „Wer sich absondert, sucht sein Begehren, gegen alle Umsicht platzt er los“ Sprüche 18,1 ?
Mit welcher Sicherheit weiß er denn, dass er so deutlich bessere Erkenntnis hat, wie die anderen Christen, die ebenfalls demütigen Herzens Gott um Rat und Weisheit ersuchen?
Ich werde recht skeptisch, wenn Jemand so pauschal alles Andere als seine eigene Erkenntnis aburteilt. Wobei ich nicht behaupten will, dass dies mir nicht passieren könnte.

Die eigentliche Wirkungsweise der fünf Dienste

Hier stimme ich F. Viola zu, dass alle diese Dienste Vervielfältigungsdienste sind. Also keine Dienste um ihres selber Willens, oder um besondere Menschen zu zelebrieren, sondern Dienste, die angelegt sind sich mehr oder weniger zu multiplizieren. Überhaupt sind Leitungsdienste in der NT-Gemeinde darauf angelegt, die Gläubigen selber zu befähigen und nicht alle möglichen Aufgaben an einzelne Personen zu bündeln. Die Fähigkeit zur Delegation muss eines der grundlegenden Befähigungen von Leitern im Leib Christi sein. Es muss solchen Leitern gefallen die Gläubigen in ihren Begabungen wachsen zu sehen und es muss ihnen eine Lust sein, andere Christen in diesem Wachstum zu begleiten. Diese Lust wird darin sichtbar, indem solche Leiter Andere ins Licht der Öffentlichkeit stellen und nicht sich selber darstellen. Ein guter Leiter tut nicht alles selber, er leitet Andere darin an, diese Aufgaben zu tun. Wenn er selber Aufgaben ausübt, tut er dies in vorbildhafter Weise, so dass Andere darin ein Beispiel finden. Dies scheint für mich eins der hauptsächlichen Aufgaben der fünf Dienste zu sein. Es gilt dadurch zu leiten, indem man Überzeugt und nicht indem man Herrscht. Dem entspricht auch F. Violas leidenschaftlicher Appell gegen hierarchische Leitermodelle.

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Zu Wenige?

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Zwei oder Drei – das ist dann bereits schon Gemeinde? Hatte Gott da nicht Größeres im Sinn?
Immerhin wurden am Pfingsttag allein schon 3000 Menschen der Gemeinde hinzugetan. Sollte also Gemeinde nicht immer auch eine möglichst große Ansammlung von Menschen in einem Ort sein, einig im Geiste und stark im Zeugnis für die Welt?

So mag man denken und so war es anfänglich auch in Jerusalem. Aber Jerusalem war nicht die tatsächliche Mustergemeinde des NT. Denn diese Stadtgemeinde war letztlich nicht wirklich erfolgreich. Nach anfänglichen Erfolgen stagnierte das Wachstum, immer weniger Menschen kamen zum Glauben. Und das Evangelium verbreitete sich nicht so, wie es Gott sich gewünscht hat – also wurde die Jerusalemer Gemeinde in alle Welt zerstreut, indem Verfolgung einsetzte.
Jetzt hatten wir sie tatsächlich, diese Kleingemeinden die sich in privaten Häusern versammelten und so zu einer weltweiten Verbreitung des Evangeliums beitrugen.
Die Kraft des Zeugnisses der Gemeinde war durch die Größe der Gruppen nicht geringer, aber deutlich effektiver.

Gerade in unserer heutigen Kultur und Weltzeit scheinen diese kleinen Powergruppen des Reich Gottes, wie es auch schon immer war, eines der effektivsten Wege zu sein das Evangelium zu den Menschen zu bringen, die sich kaum noch in ein Kirchengebäude verlaufen.

Charly

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